Netzwelt-Ticker Texte aufs Handy wischen statt tippen

Malen statt tippen: Mit der Texterkennung Swype soll man Worte zuverlässiger ins Handy bekommen können. Aber ist das wirklich revolutionär? Außerdem: Obamas Sexvideo ist eine Virenfalle, der WWW-Erfinder kritisiert den Internet Explorer, Amazon verkauft bald iPhones.


Die Handy-Worterkennung T9 übersetzt Ziffernfolgen in Wörter, macht das Texte-tippen am Handy erträglich. Ein geniales, aber auch fehlerträchtiges System. Der T9-Erfinder Cliff Kushler musste sich deshalb sicherlich schon viele böse Worte anhören. Quasi zur Entschuldigung hat er auf der Techcrunch50-Konferenz in San Francisco gemeinsam mit seinem Kollegen Randy Marsden seine neue Erfindung, Swype genannt, vorgestellt. Ein System, das die Eingabe von Texten per Touchscreen revolutionieren soll.

Texterkennung Swype: Worte malen statt sie zu tippen

Texterkennung Swype: Worte malen statt sie zu tippen

Per Videostream erklären Jushler und Marsden, wie Swype funktioniert: Auf einer Bildschirmtastatur fährt man mit einem Stift die Buchstaben eines Wortes ohne abzusetzen ab. Will man einen Buchstaben doppelt schreiben, kritzelt man ein wenig auf ihm herum: H–A–L#-O. Die Leertaste ist da fast schon überflüssig. Die Worte werden als eine Bewegung eingegeben. Das Absetzen des Stiftes markiert das Wortende.

Das klingt alles spannend – so richtig revolutionär ist es jedoch nicht. Das Konzept ähnelt der iPhone-Software ShapeWriter. Die Swype-Entwickler sind sich jedoch sicher, so Golem.de, dass ihre Algorithmen denen von ShapeWriter überlegen sind.

Jetzt dürfte es vor allem interessant werden, wie Swype sich im Vergleich zum iPhone-System – Wortergänzung plus Falschtipp-Korrektur – verhält. Apples System ist zugleich ungeheuer stark und extrem blöd, weil es hinter Nutzers Rücken heimlich falsche Schreibweisen zu lernen scheint – und die nie wieder verlernt. Vielleicht ist Swype eine Alternative, die prinzipiell transparenter als das iPhone-System oder T9 ist und auch noch hohe Eingabegeschwindigkeiten ermöglicht. Zumindest in diesem Punkt sind sich die Swype-Entwickler sicher: Mehr als 50 Wörter pro Minute sollen mit ihrem System möglich sein.

Obamas Sexvideo nur eine Virenfalle

Süß, wie Cnet warnt: Glauben Sie nicht alles, was im Internet steht. Barack Obama, der US-Präsidentschaftskandidat der Demokarten ist weder Terrorist noch Pornostar.

Der Grund für die Warnung war eine Spam-Mail, die auf ein angebliches Sexvideo von Obama verlinkt. Statt demokratischer Lust erwartet den neugierigen Klicker aber höchstens technischer Frust: Sophos-Experte Graham Cluley wagte den Klick und bekam tatsächlich einen Sexclip zu sehen – von Obama aber war nichts zu sehen. Dafür installierte sich im Hintergrund ein bösartiger Trojaner. Also: Finger weg von vermeintlichen Politik-Delikatessen!

Und so erkennt man die böse Mail: In der Betreffzeile heißt es: "Obama sex video!!!", als Absender erscheint "infonews@obama.com" – natürlich eine gefälschte Adresse.

Und bevor jetzt Verschwörungstheoretiker auf die Idee kommen, die Republikaner steckten dahinter ... Cnet.com: "Wahrscheinlich nicht". Schlechte Grammatik, exzessive Zeichensetzung deuteten auf traditionelle Phishing-Versuche hin.

Internet-Erfinder findet Schwachstelle

Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, will sich nicht auf die Seite eines Internetbrowsers schlagen. Aber im Moment habe er doch ein Problem mit Microsofts Internet Explorer. In einem Interview erklärte er, wie die Firefox/Chrome/Opera-Konkurrenz den Microsoft Browser abhängt.

Es scheint ja nur ein Detail zu sein, aber dass der Internet Explorer SVG-Grafiken nicht von sich aus darstellen kann, ist für Berners-Lee ein echtes Problem. Mit dem SVG-Format können Speicherplatz-schonend riesige Grafiken übers Netz übertragen werden. Die meisten Browser könnten das von Haus aus – nur einer nicht. "Ich überlasse es Ihnen, herauszufinden, welcher nur langsam mit SVG klarkommt." Zwar kann der Internet Explorer derzeit noch dank eines Adobe-Plugins SVG-Daten darstellen. Doch Adobe wird das Plugin ab 1. Januar 2009 nicht mehr weiterentwickeln.

Microsoft weiß natürlich von dem Problem, erklärt SVG-Unterstützung zum Top-Thema. Am liebsten hätte man in Redmond jedoch das eigene Format Vector Markup Language, VML durchgesetzt. Aber das World Wide Web Consortium empfahl SVG als Standard – vor über sieben Jahren.

Indie-Labels & iPhone: Amazon fördert Unabhängigkeit

Amazon sorgt bei Indie-Labels und iPhone-Aspiranten für Verzückung. Kurz gesagt: Das Online-Kaufhaus bietet das iPhone 3G zum Kauf an: Ohne Vertrag und ohne Simlock für 749 Euro - auch in Deutschland und Österreich. Damit wären iPhone-Käufer nicht mehr auf T-Mobile als Mobilfunkanbieter angewiesen. Der Preis ist freilich herb. Aber irgendwo muss das Geld ja herkommen für ein Feature, mit dem Amazon jetzt unabhängige Plattenlabels und Musiker beglückt. CreateSpace, eine Amazon-Firma, bietet ihnen nämlich seit Dienstag an, ihre Musik als kopierschutzfreie MP3s über den "Amazon MP3"-Musikladen zu vertreiben. Kosten soll das nichts, Amazon reicht 60-65 US-Cent pro verkauften Song an die jeweiligen Künstler weiter. Das Angebot gilt auch für Nicht-US-Bürger, wobei ein paar Steuerfragen zu beachten sind.

Weitere Meldungen

Bei MySpace kann man jetzt ganz schnell und einfach per Webcam Videos aufnehmen und auf sein Profil stellen. EU-Innenpolitiker wollen sämtliche digitalen Nutzerspuren überwachen. 18 Monate Haftstrafe, drei Jahre Bewährung und 20.000 Dollar Geldstrafe für Torrentbetreiber. Und falls die Welt untergeht, einfach das LHC per Notbremse abschalten.

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