Netzwelt-Ticker: Toshiba bricht eigenen Blu-ray-Boykott

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Toshiba will nun doch Blu-ray-Player bauen, Justizministerin Zypries fordert zu Dankbarkeit auf und ein harmloses Grillfest führt zu einem Großeinsatz der Polizei. Das und mehr im Überblick.

HD-DVD war ein Flop, also schwenkt Unterhaltungselektroniker Toshiba jetzt ein und will sich ebenfalls am Blu-ray-Markt beteiligen. Bis zum Ende des Jahres will das japanische Unternehmen sowohl einen geeigneten Player als auch Recorder in den Verkauf bringen. Toshiba hatte ursprünglich zum Kern des HD-DVD-Lagers gehört, doch das Konkurrenzformat erlag schon Anfang 2008 dem Druck der Wettbewerber. Nun also will auch Toshiba Blu-ray-Geräte bauen.

HD-DVD (l.) gegen Blu-ray: Ein Format starb einen frühen Tod, nun wechselt Toshiba die Seiten
AP

HD-DVD (l.) gegen Blu-ray: Ein Format starb einen frühen Tod, nun wechselt Toshiba die Seiten

Das scheint eine Entscheidung für einen Bereich mit großem Potential zu sein. Denn selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise zeigt sich der Blu-ray-Markt sehr robust. Nach Angaben der Digital Entertainment Group stieg der Absatz von Blu-ray-Filmen im ersten Halbjahr 2009 im US-Markt um satte 91 Prozent auf ein Volumen von 407 Millionen Dollar. Der Verkauf von Blu-ray-Playern legte ebenfalls deutlich zu, um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Zypries zeigt bei Web-Sperren: Wir haben nicht verstanden

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat der "Welt" ein Interview gegeben, in dem es vor allem um die umstrittenen Netzsperren zur Abwehr von Kinderpornografie ging. Bei den Sperren handele es sich keineswegs um Zensur, sondern "darum, strafbare Inhalte aus dem Netz zu entfernen". Dass die mit Stoppschildern allein natürlich nicht verschwinden, ist auch Brigitte Zypries bekannt, also schiebt sie die Schuld auf die Internet-Surfer. Denen unterstellt sie nämlich, oder doch jedenfalls "einer Gruppe" von ihnen, sie glaubten, "im Netz darf man alles, das Internet ist ein Ort unbegrenzter Freiheit, jede Regel verletzt unsere Identität." Das sieht die Ministerin naturgemäß anders: "Meine Freiheit, mein Recht endet auch im Netz dort, wo sie die Freiheit und das Recht von anderen verletzt."

Das hat in der gesamten Debatte allerdings auch niemals jemand in Frage gestellt. Und den Kritikern der aktuellen Gesetzgebung hält sie entgegen, "dass ohne Gesetz die von Frau von der Leyen mit den Providern geschlossenen Verträge zur Anwendung gekommen wären - mit viel weniger rechtsstaatlichen Sicherungen für die Internet-User". Mit anderen Worten: Nachdem sich noch unlängst die Union brüstete, sie habe weitergehende Initiativen von Zypries verhindert, wandert der Schwarze Peter nun wieder zurück.

Microsoft und Yahoo schon wieder kurz vor Einigung

Die Geschichte von den Königskindern, die nicht zueinanderfinden, könnte doch noch zu einem glücklichen Ende kommen. Zumindest in der Vermarktung von Anzeigen und ihren Suchmaschinen wollen Microsoft und Yahoo künftig zusammenarbeiten. Das jedenfalls meldet das "Wall Street Journal", man sei in den Verhandlungen bereits auf der Zielgeraden, diese oder spätestens nächste Woche werde man voraussichtlich zu einer Einigung gelangen.

Das wahrscheinlichste Modell für eine Abmachung könnte sehr dem am Votum der Wettbewerbshüter gescheiterten Yahoo-Google-Deal ähneln, als der Suchmaschinist aus Mountain View die Anzeigenvermarktung für Yahoo mit übernehmen sollte. Bleibt die Frage, warum die Kartellbehörde einer ähnlichen Konstruktion, nur mit Beteiligung von Microsoft, jetzt zustimmen sollte. Es bleibt spannend.

Firefox-Update auf 3.5.1 behebt Sicherheitslücke nicht

Erst vor wenigen Tagen wurde eine Sicherheitslücke im vielgepriesenen neuen Firefox 3.5 bekannt, die durch Javascript zu einem Buffer Overflow führt. Mit der Folge, dass der Browser plötzlich jede Menge Speicher frisst, bis er abstürzt. Schnell schob Mozilla ein Sicherheits-Update auf Version 3.5.1 nach. Das Problem: die Sicherheitslücke besteht auch weiterhin. Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte bis zur Behebung der Lücke Javascript deaktivieren.

Mann lädt auf Facebook zu Grillfest - Polizeihelikopter kommt

Es sollte ein schöner Grillnachmittag werden, es endete in einem Großeinsatz der Polizei. Eigentlich wollte Andrew Poole aus dem britischen Exter im Kreise von einem guten Dutzend Freunde seinen 30. Geburtstag feiern.

Das kündigte er auch auf seinem Facebook-Account an. Die Polizei, die in Großbritannien offensichtlich soziale Netzwerke aufmerksam überwacht, hielt den Veranstaltungshinweis für eine große Sache. Mit insgesamt vier Polizeifahrzeugen, einem Mannschaftswagen und einem Hubschrauber erschienen die Beamten bei der erstaunten Geburtstagsgesellschaft, um die vorgeblich "wilde Raveparty" zu beenden. Poole laut BBC Online konsterniert: "Wir waren weit entfernt von allem und jedem. Wir haben nicht einmal Musik gespielt. Tatsächlich ist die Polizei gekommen und hat 15 Leute daran gehindert, Hamburger zu essen."

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