Netzwelt-Ticker Toshiba mit 128 GB Flash-Speicher

Immer im Kreis drehen ist auf Dauer langweilig, also setzt auch Toshiba auf Solid-State-Festplatten. Russische Cyber-Kriminelle erflirten sich Daten, in München hat man Angst vor Leserkommentaren und in den USA werden mal wieder geheime Regierungseinrichtungen gehackt. Das und mehr im Überblick.


In Japan setzt man auf Solides: Der Elektronikkonzern Toshiba hat heute angekündigt, Flash-basierte Festplatten für Notebooks mit einer Kapazität von 32 bis 128 GB herstellen zu wollen. Die Massenproduktion der 1,8 und 2,5 Zoll-Festplatten soll im Mai des kommenden Jahres aufgenommen werden.

Damit könnte ein für den breiten Verkauf sehr hinderlicher Umstand beseitigt werden: Bislang sind die starren Festplatten im Vergleich zu den herkömmlichen beweglichen Speichermedien recht teuer. Mit dem Schritt in Richtung Solid-State-Produktion zieht Toshiba nach und verfolgt ähnliche Ziele wie Konkurrent Samsung, der bereits Flash-Speicher herstellt.

Seagate: USB-Festplatten mögen nur Windows

Mit ärgerlichen Problemen müssen sich derweil der Festplattenhersteller Seagate beziehungsweise seine Kunden herumschlagen. Offensichtlich verträgt sich die neueste Produktionsreihe, die sogenannte Free-Agent-Serie mit USB-Anschluss, nicht mit Open-Source-Betriebssystemen wie Linux.

Das Problem scheinen bestimmte Details der Energiesparoptionen zu sein, die die Festplatte nach einer Zeit der Inaktivität herunterfahren und außerdem die USB-Verbindung kappen. Weckt man den Speicher wieder auf und fährt dabei sein System auf einer anderen Basis als Windows, hat sich der USB-Standard allerdings zu USB1 zurückverwandelt.

Die damit einhergehende Tröpfelgeschwindigkeit bei der Datenübertragung macht eine externe Festplatte dann nicht mehr besonders sinnvoll. Laut dem "Inquirer" scheint sich der technische Support beim Hersteller zur Behebung des Problems auch nicht gerade zu überschlagen, eine Seagate-Sprecherin teilte lediglich mit, es könne durchaus Problemlösungen geben, die werde man jedoch nicht unterstützen.

Sueddeutsche.de: Angst vor Kommentaren

Nachts und am Wochenende hat das Internet zu, zumindest beim Online-Angebot der "Süddeutschen Zeitung". Nach dem Urteil des Landgerichts Hamburg, das den Journalisten Stefan Niggemeier vorschreibt, bei brisanten Themen Kommentare in seinem Weblog vorab zu kontrollieren, geht in manchen Redaktionen offensichtlich die Angst um, auch in München. Denn seit letztem Freitag ist es auf sueddeutsche.de zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens nicht möglich, die Kommentarfunktion bei Artikeln zu benutzen, genauso wenig wie während des gesamten Wochenendes.

Warum die Lesermeinungen nun auf die Bürozeiten beschränkt werden, will trotz des Hinweises auf die gestiegene Menge der Kommentare nicht recht einleuchten, denn auch bisher gab es schon eine "zurückhaltende Moderation". Auf gut deutsch, man hätte bei erhöhtem Aufkommen einfach einen zweiten Moderator neben den ersten setzen können. Die zahlreichen Reaktionen der Leser sind zumeist negativ und von Unverständnis geprägt. Überdies scheinen die Verantwortlichen der "Süddeutschen" ihrer Rechtsabteilung nicht besonders viel zuzutrauen.

US-Militärforschungsanlagen gehackt

Im Oktober ist das amerikanische Oak Ridge National Laboratory (ORNL) Ziel eines Hackerangriffes gewesen. Die Hacker hatten trojanerverseuchte E-Mails an Angestellte der Einrichtungen geschickt. Zwar hätten die Angreifer zu keiner Zeit Zugriff auf geheimes Datenmaterial erlangt, aber immerhin Informationen aus der Besucherdatenbank bekommen.

Die betroffenen Bereiche enthielten detaillierte Angaben wie die Geburtstage oder die Sozialversicherungsnummern aller Besucher des ORNL zwischen 1990 und 2004. Beim ORNL glaubt man an eine konzertierte Aktion, die auch andere US-Einrichtungen betroffen hat, die Forschungseinrichtung von Los Alamos hatte entsprechende Berichte jüngst bestätigt.

Bei den Nachforschungen zu den Urhebern führte die Spur in Richtung einer ausländischen Regierung, genauer gesagt: nach China. Allerdings wurden amerikanische Regierungseinrichtungen schon des Öfteren Ziel von Datenangriffen, die beileibe nicht von hochdotierten Experten feindlicher Staaten durchgeführt wurden, sondern von mehr oder weniger findigen Einzelkämpfern. Es sei nur an den mittlerweile legendären Gary McKinnon erinnert, der in den Jahren 2001 und 2002 in insgesamt 97 Computer diverser Netze von US-Behörden eingedrungen war, darunter die Nasa, das Verteidigungsministerium sowie Heer, Luftwaffe und Marine.

Rapper 50 Cent mag Filesharing

Man muss seine Musik nicht mögen und kann dem Rapper 50 Cent trotzdem aufmerksam und mit Gewinn zuhören. Zumindest, wenn er Interviews gibt, wie jüngst bei einem Besuch in Norwegen. Eigentlich sollte er sich zu seinem Kokainkonsum bei einem Konzertauftritt im kroatischen Zagreb äußern, machte aber auch einige interessante Anmerkungen zum ewigen Kampf der Musikindustrie gegen Tauschbörsennutzer. Die wären in seinen Augen nämlich gar nicht das Problem, "die Musikindustrie muss endlich begreifen, dass Künstler davon nicht beeinträchtigt werden, ein junger Fan kann genauso eifrig engagiert sein, ob er die Musik nun gestohlen oder gekauft hat. Und die Konzerte sind proppevoll", wird er zitiert.

Und der Mann weiß, wovon er redet, schließlich verkaufen sich seine Titel trotz allem weltweit millionenfach. Dass er dieses Jahr wohl nicht auf die Weihnachtsfeier der Musikindustrie eingeladen werden dürfte, wird 50 Cent verschmerzen. Ebenso, dass jetzt kein Mensch mehr übers Koksen spricht.

Flirt-Roboter soll russische Internet-Chatter aushorchen

Ein neuer Trick der Cyber-Gauner: Statt mit Phishing-Mails versuchen russische Computer-Kriminelle nun offenbar ahnungslosen Web-Surfern mit Liebesgeflüster persönliche Inforationen zu entlocken. Der Schadsoftware-Experte Sergei Shevchenko vom Sicherheits-Software-Haus PCTools berichtet im US-Fachmagazin News.com über eine russische Späh-Software, die auf Chat- und Flirtseiten automatisch eingerichtete Nutzer-Profile benutzt, um andere Mitglieder zu kontaktieren, sie in Privat-Chats zu verwickeln und ihnen vertrauliche Informationen (Name, Kontaktinformationen, Foto).

Die künstliche Intelligenz des "Cyberlover" getauften Programms reicht laut Shevchenko aus, um ahnungslose Chat-Partner in ein Gespräch zu verwickeln und einige Zeit im Glauben zu lassen, sie würden nicht mit einer Maschine, sondern mit einem Menschen plaudern. Die so abgegriffenen Informationen könnten Kriminelle für einen Identitätsdiebstahl nutzen. Denkbar ist auch, dass die Chat-Roboter Gesprächspartnern Links zu Seiten mailen, die Rechner mit Spionageprogrammen infizieren.

Allerdings beruhen diese Angaben allein auf der Darstellung der russischen Schöpfer des Programms, wie PCTools auf Nachfrage klarstellt: In russischer Sprache beschreiben die Programmierer die Funktionsweise von Cyberlover auf eine offen zugänglichen Seite. Im Februar wollen sie das Programm fertig haben. Ein PCTools-Sprecher stellt klar: "So weit wir das überblicken, ist die Software noch nicht eingesetzt worden. Wir gehen davon aus, dass Kriminelle diese Chat-Technik bald nutzen werden und warnen Web-Nutzer deshalb jetzt."

lis

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