Von Felix Knoke
Twitter öffnet das Tweet-Archiv - aber nur für zahlende Kunden. Bislang konnten Firmen nur alle Status-Aktualisierungen der letzten 30 Tage, private Twitter-Mitglieder die der letzten sieben Tage einsehen. Dank einer Zusammenarbeit mit der britischen Datenanalyse-Firma Datasift sollen Firmenkunden nun alle Tweets der vergangenen zwei Jahre abrufen können.
Ausgenommen sind nur sogenannte Private, also der Öffentlichkeit verschlossene Konten, Direktnachrichten und Kurzmitteilungen von mittlerweile gelöschten Twitter-Konten. Das Archiv wird allerdings kein Bestandteil des normalen Twitter-Angebots.
Täglich sammelt Datasift bereits nach eigenen Angaben rund 250 Millionen Tweets ein und analysiert sie inhaltlich, etwa ob sie eine "positive" oder "negative" Valenz haben. Derweil sind laut Datasift-Website bereits über 85 Milliarden indiziert. Das ist ein gewaltiger Datenschatz.
Nützlich ist so eine Analyse zum Beispiel Marktforschern, die Änderung von Gefühlen bezüglich eines Produkts, einer Firma oder einer öffentlichen Person im Zeitverlauf analysieren wollen. Damit ließen sich zum Beispiel die Wirkung von Kampagnen zum Agenda Setting, der Platzierung, Verdrängung oder Veränderung von Themen im aktuellen Angebot messen. Aber auch enthüllende Soziographien ließen sich entwickeln: Neben den Textmeldungen protokolliert die Datasift-Software auch Ortsdaten und kann - offenbar - Beziehungen zwischen Twitter-Kunden und die Ausbreitung von Themen nachzeichnen.
Der Dienst scheint gut anzukommen. Laut Datasift stehen bereits über 1000 Firmen auf der Warteliste; Twitter wird durch Lizenzkosten an dem Erfolg beteiligt. Ein Monatsabo für alle indizierten und analysierten Tweets kostet immerhin rund 750 Euro.
Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisationen wie die amerikanische EFF sehen in der Twitter-Halde Gefahren. Die EFF, schreibt der "Guardian" bezeichnete den Dienst als gruselig. Privacy International monierte, dass normale Twitter-Nutzer Tweets in dem Glauben verschickten, dass diese irgendwo im Datennirvana verschwinden würden. "Dass jetzt die Tweets von zwei Jahren nach Informationen durchpflügt und die daraus gewonnenen 'Einsichten' an Unternehmen verkauft werden können, ist ein radikaler Wechsel in die falsche Richtung."
The Atlantic: "Stratfor ist ein Witz"
Es sollte das große Comeback für die Whistleblower-Seite WikiLeaks werden: Mit der Veröffentlichung von fünf Millionen E-Mails blamiert WikiLeaks den privaten US-Strategiedienst Stratfor und möglicherweise Regierungen. Doch handelt es sich bei Stratfor wirklich um die "Schatten-CIA", den privaten Geheimdienst der Mächtigen und Reichen? Um ein Netz von hochkarätigen Informanten und Infojägern? Enthüllen die von Anonymous geraubten und von WikiLeaks veröffentlichten E-Mails wirklich dreckige Machenschaften, und "das private Leben, die privaten Lügen der privaten Spione", wie Julian Assange auf seiner Pressekonferenz verkündete?
Mitnichten, meint Max Fisher vom Monatsmagazin "The Atlantic". Er schreibt in einem bissigen Kommentar: "Was diese E-Mails wahrscheinlich wirklich enthüllen ist, wie ein privatwirtschaftliches Forschungsunternehmen ein bisschen zu sehr bei der Selbstdarstellung als Auftrags-CIA auf die Pauke haute und einige übereifrige Hacker davon überzeugte, dass das wahr ist."
Fisher zitiert angesehene Autoren, um sein Urteil zu unterstreichen: Stratfors Ruf unter Politik-Autoren sei schlecht, die Analysen seien oft eher Anlass für Pointen als eine Quelle ernstzunehmender Informationen. Es scheint ganz so, als ob nicht die veröffentlichten E-Mails Stratfors Ruf gefährden könnten, sondern die nun folgenden Enthüllungen zur Qualität des Dienstes.
Free Software Foundation: Befreit Android!
Die Free Software Foundation um Richard Stallman ruft alle Android-Besitzer dazu auf, sich von den Software-Fesseln zu befreien und ein selbstbestimmtes, freies Smartphone-Leben zu feiern. Wie das geht? Ganz einfach, erklärt die FSF: Einfach alle nicht-freie Software vom Gerät schmeißen und mit Freier Software ersetzen. Wie das geht, zeigt eine relativ verständliche Anleitung. Der deutsche Datenschutzverein FoeBud hat sich der Aufforderung angeschlossen und ergänzt sie mit deutschen Anleitungen.
Freie Software ist ein Konzept, das Vorzeige-Nerd Richard Stallman maßgeblich prägte. Freie Software entreißt dem Nutzer keine Kontrolle, ist transparent bis hinunter zum Quellcode, kann benutzt und weiterverbreitet werden, wie und wo es einem passt. Im Falle Android heißt das vor allem: ohne Google.
Was am Dienstag auch noch in der Netzwelt wichtig war
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