Netzwelt-Ticker Urheberabgabe für SD-Karten und USB-Sticks kommt

Industrie und Verwertungsgesellschaften kommen sich bei der Urheberabgabe für Speichermedien näher: Bald sollen 10 Cent pro USB-Stick an die Rechteverwerter fließen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Kodak killt Kodachrome, Studie sieht Familien durch Internet in Gefahr.


Industrie und Rechteverwerter scheinen einer Lösung im Streit um Urheberrechtsabgaben auf USB-Sticks und Flash-Speicherkarten näher zu kommen. Das teilte der Informationskreis AufnahmeMedien (IM) in einer Pressemitteilung mit. Bei der jüngsten Gesellschafterversammlung hätten die Hersteller und Importeure der Speichermedien die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen Verwertungsgesellschaften und dem Branchenverband begrüßt.

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SD-Karte: Ein paar Cent gehen pro verkaufter Karte an Gema und Co.

SD-Karte: Ein paar Cent gehen pro verkaufter Karte an Gema und Co.

Heißt: Künftig müssen Hersteller, unabhängig von der Kapazität, pro verkauftem Speichermedium 10 Cent an die Verwertungsgesellschaften abführen. Rainald Ludewig, Vorsitzender des IM und Chefjustiziar bei Panasonic: "Das Ergebnis ist ausgewogen und trägt sowohl den Ansprüchen der Urheber als auch der Industrie Rechnung." Jetzt werden nur noch "Einzelheiten der vertraglichen Konditionen nach dem neuen Urheberrechtsgesetz (2. Korb) auszuhandeln sein."

Das sieht Heise.de weniger optimistisch: Ungenannte Industrievertreter mahnen dort Zurückhaltung an. Zwar sehe es nach einer Einigung aus, doch seien wichtige Detailfragen noch ungeklärt, heißt es dort zum Verhandlungsstand. Noch habe "ein Großteil der Industrie" den neuen Sätzen nicht zugestimmt. Beim Branchenverband Bitkom heiße es, die Verhandlungen seien "auf einem guten Weg, aber noch nicht abgeschlossen".

Hintergrund: Dem "2. Korb" des neuen Urheberrechtsgesetzes zufolge müssen Hersteller und Importeure Urheberrechtsabgaben auf Speichermedien abführen. Die Verhandlungen über die Höhe dieser Abgaben überlässt das Gesetz Verwertern und Industrie. Von den Abgaben sind auch Festplatten und Computer betroffen. Seit dem Inkrafttreten des "2. Korbs" streiten die Beteiligten allerdings um die Höhe dieser Abgaben.

Nach 74 Jahren: Kodak killt Kodachrome

Mit dem Siegeszug der Digitalfotografie verschwinden nun die letzten Ikonen einer vergangenen Ära: Nach 74 Jahren stellt das US-Unternehmen Eastman Kodak die Produktion des ersten weltweit kommerziell erfolgreichen Farbdiafilms ein: Kodachrome. Die digitale Fotografie habe das klassische Produkt verdrängt, teilte Eastman Kodak laut ORF Futurezone mit. Der Produkteinstellung gingen "dramatisch sinkende Verkaufszahlen" voraus.

In einem kurzen Rückblick beschreibt Reuters Aufstieg und Fall der Film-Legende: Einst war Kodachrome der Film der Wahl bei Diaabenden der Babyboomer-Generation. Er galt als alterungsbeständig und farbtreu, erfreute sich deshalb auch bei professionellen Fotografen hoher Beliebtheit - das wohl berühmteste Kodachrome-Bild stammt vom Fotografen Steve McCurry, dessen Porträt eines afghanischen Mädchens mit grünen Augen 1985 auf dem Titelblatt des "National Geographic"-Magazins landete.

McCurry soll nun auch die letzte Kodachrome-Rolle belichten, sagte er der AP: "Ich will diese letzte Rolle nehmen, und jedes Bild darauf soll etwas Besonderes werden", erklärt er. "Ich möchte immer mit schönen Erinnerungen darauf zurückblicken, wie ich mein Fotografieren mit Kodachrome abschloss."

Französischer Indie-Rechteverwerter verklagt YouTube

Weil YouTube es verpasst hat, Hunderte Musikvideos französischer Independent-Musiklabels dauerhaft von der Videoplattform fernzuhalten, hat die Rechteverwertungsgesellschaft SPPF der französischen Indie-Labels den Google-Dienst auf 10 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Auf Geheiß der SPPF hatte YouTube 2008 die beanstandeten Videos zwar von den Servern gelöscht, Musikfans luden sie aber prompt wieder drauf.

Die YouTube-Mutter Google weist jede Schuld von sich ab. Die französischen Indie-Labels seien ja selbst schuld, wenn sie die kostenlose Hilfsmittel wie Content ID nicht benutzen, die YouTube bereitstellt und mit denen ein Wieder-Upload verhindert werden kann.

Aber die französischen Indies sind beileibe nicht die einzigen, die ein Problem mit Musikvideos auf YouTube haben: Auch die deutsche Musikverwertungsgesellschaft Gema legte sich im Frühjahr öffentlichkeitswirksam mit YouTube an, forderte Geld oder die Löschung von Videos. YouTube löschte. Schon Anfang 2007 zog YouTube den Zorn des größten Indie-Label-Zusammenschlusses Merlin Networks auf sich, als Verhandlungen zwischen dem Meta-Label und YouTube scheiterten, Indie-Labels den Videodienst mit Abmahnungen eindeckten.

Der Vorwurf der Indies: YouTube macht mit der Musik und den Musikvideos der Labels (Werbe-)Geld, beteiligt aber die kleinen Labels nicht angemessen.

Klickbetrug bei Facebook

Kleine Unternehmen, die auf Facebook Werbung schalten, beschweren sich über eine starke Zunahme von Klickbetrug im sozialen Netzwerk. Manche Werber berichten von Klickbetrugsraten von bis zu 100 Prozent. Ein Facebook-Sprecher bestätigte Techcrunch die Vorwürfe: "In den letzten Tagen haben wir einen Anstieg von verdächtigen Klicks beobachten können. Wir haben eine Lösung gefunden und versuchen sie jetzt zu implementieren." Betroffene Unternehmen können auf eine Entschädigung hoffen.

Klickbetrug ist Werbe-Sabotage, im Grunde das betrügerische Anklicken von Website-Werbung der Konkurrenz durch automatische Klickprogramme. Diese Massenklicks verbrauchen das Werbeeinblendungen-Kontingent der werbenden Firmen - und verursachen auf diese Weise hohe Kosten. Eine hohe "Klick-Qualität", also besonders wenig Klickbetrug, garantiert werbenden Unternehmen, mit ihren Anzeigen auch tatsächlich potentielle Kunden zu erreichen.

Die aktuellen Klickbetrugsfälle bei Facebook fielen auf, nachdem die Analyse-Programme der werbenden Unternehmen 20 bis 100 Prozent weniger Klicks auf ihre Anzeigen mitzeichneten, als von Facebook ausgewiesen und berechnet.

Studie zu Web und Familie: simple Schlüsse

Wie verändern die neuen Medien unser Leben - verändern sie es überhaupt? Seit acht Jahren beobachtet das "Center for the Digital Future" der University of Southern California in einer mehrjährigen Panelstudie, welchen Einfluss das Internet auf das Leben der US-Amerikaner hat. Eine Erkenntnis aus der jährlichen Befragung von 2000 US-Haushalten ( PDF-Datei): Seit 2006 habe sich die Zahl der Befragten, die angaben, weniger Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, seitdem das Internet in ihren Haushalt Einzug gehalten hat, von 11 Prozent auf 28 Prozent fast verdreifacht.

In derselben Zeit stieg der Anteil der Befragten, die erklärten, schon einmal von einem Familienmitglied, das gerade surfte, ignoriert zu werden, um 40 Prozent. Einheitlich ist der Trend nicht, schreibt AP: So waren die Befragten nach eigenen Angaben mit ihren Freunden nicht weniger zusammen. Auch geht in Familien mit höherem Einkommen offenbar weniger gemeinsame Zeit verloren als in Familien mit niedrigerem Einkommen. Zudem klagen Frauen mehr als Männer darüber, dass sie sich von anderen Familienmitgliedern, die das Internet nutzen, ignoriert fühlen.

Die Studienautoren vermuten nach der Analyse der Selbstauskünfte, dass die moderne Technik Druck auf die Familienstrukturen ausübe. Gerade das Internet verlange sehr viel individuelle Aufmerksamkeit - die, so der einfache Schluss, dann woanders fehle.

Doch solche Panelstudien bergen einige Probleme, weswegen man vorsichtig mit solchen Schlüssen umgehen sollte.

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