Netzwelt-Ticker US-Datenschützer legen Beschwerde gegen Facebook ein

Facebooks Datenschutzreform greift einigen US-Organisationen zu tief in die Privatsphäre der Nutzer ein, die fordern ein staatliches Eingreifen. Außerdem im Überblick: Kopierschutz verhindert Avatar-Vorstellungen, nicht nur US-Drohnen sind leicht zu knacken und vieles mehr.

Facebook: Zu offenherzig im Umgang mit den Nutzerdaten
AFP

Facebook: Zu offenherzig im Umgang mit den Nutzerdaten


Die Datenschutz-Reform bei Facebook ist zum Schaden der Nutzer, davon ist die amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Privacy Information Center (EPIC) überzeugt. Sie legte deshalb am Donnerstag zusammen mit neun anderen Datenschutz-Organisationen eine Beschwerde bei der amerikanischen Handelsaufsicht FTC (PDF-Datei, 600 KB) vor. Die Beschwerdeführer fordern ein Einschreiten des Staates. Seit Facebook vor einer Woche eine Datenschutzreform durchgeführt hat könnten Nutzer Drittanbieter-Programmen und Websites nicht mehr den Zugriff auf ihre bei Facebook gespeicherten Daten verwehren.

Wörtlich:

"Facebooks Änderungen in den Privatsphäre-Einstellungen geben persönliche Informationen der Öffentlichkeit preis, die zuvor nur eingeschränkt einzusehen waren. Die Privatsphäre-Änderungen bei Facebook geben außerdem, wie nie zuvor, Drittanbietern persönliche Informationen preis. Diese Änderungen laufen den Erwartungshaltungen der Nutzer zuwider, schwächen ihren Datenschutz und widersprechen Facebooks eigenem Auftreten."

Vor allem die Preisgabe der Daten an Drittanbieter erscheint den Organisationen als Katastrophe. Ihnen zufolge können sich Nutzer eigentlich nur wehren, indem sie jeder einzelnen der Zehntausenden Facebook-Apps einzeln und manuell den Zugriff auf die Nutzerdaten verbieten. Allein: Selbst diese Fleißarbeit schütze den Nutzer nicht vor dem Datenhunger der Drittanbieter. Entwickler im kostenpflichtigen "Preferred Developer Program" erhalten Zugriff auf E-Mail-Adressen und persönliche Daten, die der Nutzer bei der Anmeldung zu Facebook einst angab.

EPIC erhofft sich nun von der FTC ein Einschreiten zum Wohle der 100 Millionen amerikanischen und 350 Millionen weltweiten Nutzer. Die FTC solle den Fall Facebook untersuchen, das Ausmaß des Schadens für die Sicherheit und Privatsphäre der Konsumenten ermessen, von Facebook eine Wiederherstellung der früheren Privatsphäre-Einstellungen erzwingen und das Unternehmen schließlich zu Schadensersatz und auf Unterlassung verklagen.

Google in Frankreich wegen Digitalisierung von Büchern verurteilt

Google ist in Frankreich zu 300.000 Euro Schadenersatz verurteilt worden, weil das Unternehmen Bücher ohne Verlagserlaubnis digitalisiert hat. Die Internetsuchmaschine habe damit das Urheberrecht verletzt und französischen Verlagshäusern einen Schaden zugefügt, urteilte am Freitag ein Gericht in Paris. Google dürfe keine Bücher mehr in Computerdateien umwandeln, solange die Verlage nicht einverstanden seien.

Vor Gericht gezogen waren der französische Verlegerverband, der 530 Häuser vertritt, und der Schriftstellerverband. Der Prozess wurde von einer neuen Diskussion über Google begleitet. Anlass waren Gespräche des US-Unternehmens mit der französischen Nationalbibliothek, bei denen es um die Digitalisierung ihrer Bestände ging. Google schloss bislang unter anderem Digitalisierungsabkommen mit der US-Kongress-Bibliothek und Universitäten wie Harvard und Oxford.

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Drohnen-Blamage: Sicherheitslücke noch größer

Drohnen und Flugzeuge des US-Militärs übertragen Videobilder ihrer Einsätze mittels unverschlüsselter Datenkanäle - die mithilfe einfachster Technik abgefangen, mitgelauscht und gestört werden können. Jetzt zeigt sich: Das Problem ist größer als bekannt. Nicht nur wusste das Militär schon seit geraumer Zeit davon, es scheint auch mehr Flugvehikel als bisher bekannt zu betreffen, schreibt das Wired. Die technischen Herausforderungen einer umfassenden Verschlüsselung des Funkverkehrs seien aber zu groß.

Wired zitiert einen Air-Force-Offizier: "Können diese Übertragungen mit 99,5-prozentiger Sicherheit verschlüsselt werden? Klar! Kann man garantieren, dass die Kryptographie-Schlüssel bis in den hintersten Winkel der Armee oder des US Marine Corps vordringen? Niemals." Und selbst wenn, bliebe da noch das Problem Mensch: "Kann man den eigenen Soldaten und Marines diese Schlüssel überhaupt anvertrauen? Keine Ahnung."

Derweil versucht das Pentagon, die Pannenmeldung herunterzuspielen: Schon vor fünf Jahren habe man die Gefahr erkannt - und als ungefährlich erklärt, schreibt AFP.

Kopierschutz verhindert Avatar-Vorpremieren

Wie Heise berichtet, mussten einige Vorführungen der 3D-Vorpremieren der martialischen Ethno-Eso-Schmonzette Avatar (" Winnetous blaues Wunder") wegen Problemen mit dem Kopierschutz ausfallen. Der Film wird im JPEG2000-Format auf einer verschlüsselten Festplatte an die Kinos geliefert. Um ihm schließlich vom eigenen Film-Server abspielen zu können, muss via Internet Kontakt mit dem Kopierschutz-Dienst des Filmanbieters aufgenommen werden. An dieser Stelle der Kopierschutz-Kette kam es offenbar zu Problemen: Der Film konnte wegen fehlender Kopierschutz-Schlüssel nicht dekodiert und damit nicht abgespielt werden. Zum offiziellen Filmstart am Donnerstag war das Problem behoben.

Sonys E-Book-Reader bekommt Abo-Angebot

Sony wird laut Paidcontent Zeitungsabos für Sonys E-Book-Reader anbieten. Dank einer Zusammenarbeit mit der News Corp. wird es bald eine digitale Ausgabe des "Wall Street Journal", der "MarketWatch" und, exklusiv, der "New York Post" geben. Damit schließt Sony zur Nook- und Kindle-Konkurrenz auf, die solche Zeitungsabos schon länger anbieten. Ein Monatsabo des WSJ wird 14,99 Dollar kosten, 9,99 Dollar das der "NY Post", 10,99 Dollar das der "MarketWatch".

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