Netzwelt-Ticker: US-Kreditkartenriesen wollen Daten für Werbung auswerten
Wer offline Burger per Karte zahlt, soll online Diätwerbug sehen: Laut "Wall Street Journal" prüfen US-Kreditkartenfirmen die Nutzung von Abrechnungsdaten für Targeting. Außerdem im Überblick: Kombinierte Sprach- und Gesichtserkennung - und Hacker im japanischen Unterhaus.
Das " Wall Street Journal" ("WJS") berichtet über Pläne großer US-Kreditkartenfirmen, Informationen über die mit einer Karte bezahlten Waren und Dienste für ein zielgerichtetes Zuschneiden von Online-Werbung anzubieten. Laut "WSJ" haben die Unternehmen diese Idee bei Gesprächen mit mehreren Werbeunternehmen ins Spiel gebracht.
Als mögliche Anwendung sei dieses Beispiel angesprochen worden: Ein Kreditkarten-Besitzer hat gerade wieder einmal eine Mahlzeit in einem Fast-Food-Restaurant bezahlt. Wenn er das nächste Mal im Web unterwegs ist, sieht er Anzeigen für Diät-Produkte.
Wie Kreditkartenfirmen einen bestimmten Browser einer Kreditkarte zuordnen könnten, erklärt das "WSJ" so: Es könne zum Beispiel bei der Kreditkarten-Zahlung in einem Onlineshop ein Cookie auf den Rechner plaziert werden. Theoretisch könnte der Cookie eine eindeutige ID enthalten, die dann wiederum in einer Datenbank einer bestimmten Karte zugeordnet ist - oder den aus Abrechnungen gewonnen Informationen über das Konsumverhalten. Ruft der Nutzer eine Website mit Anzeigen auf, können diese auf Basis des Cookies auf das Profil des Surfers zugeschnitten werden.
Visa und Mastercard haben auf Anfrage des "WSJ" geantwortet, die Pläne seien vorläufig. Eine Visa-Sprecherin sagte, das Unternehmen prüfe fortwährend neue Verfahren, auch zur Auswertung von "Trenddaten" für "effektivere Online-Werbung". Mastercard sagte, das Unternehmen verknüpfe nicht das individuelle Surf-Verhaltens eines spezifischen Kunden mit den passenden Transaktionsdaten. Mastercard würde Drittanbietern auch nicht die Transaktionsdaten individueller Kunden liefern. (lis)
Google will Glasfasernetz in Europa bauen
Google erwägt Glasfaser-Experimente in Europa. Auf einem Treffen der französischen Industrie sagte Google-Manager David Drummond, sein Unternehmen könne sich den Bau eines experimentellen Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes "irgendwo in Europa" vorstellen.
Google Fiber, so heißt das Projekt, ist Googles Versuch, nicht nur per Software das Internet zu beschleunigen, sondern auch auf Hardware-Seite. Google Fiber soll US-Bürgern in ausgewählten Orten sehr schnelle Internetverbindungen bescheren - 60 bis 100 Mal so schnell, wie ein typischer DSL-Anschluss.
Den Auftakt machten im Juli zwei Fiber-Projekte in Amerika, Details zu einem Fiber-Experiment in Europa gibt es noch nicht. Sollte das Projekt ähnlich wie in den Staaten ablaufen, dürfte Google dabei auf Auftragnehmer vor Ort zurückgreifen, das Projekt umweltfreundlich gestalten und Schulen und Wohltätigkeitsorganisationen Privatverbrauchern vorziehen.
Googles Breitband-Pläne dürften gut ankommen in Europa. Bis 2020 will die EU-Kommission alle 500 Millionen EU-Bürger mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde ans Internet angeschlossen wissen - ein ehrgeiziger Plan, der viel kosten wird, die Kommission rechnet mit 300 Milliarden Euro. Gleichzeitig wachse der Internetmarkt aber auf 800 Milliarden Euro bis 2014, oder knapp sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
US-Außenministerium prüft angeblichen Schnüffel-Software-Export
Das syrische Regime überwacht das Internet offenbar mit Hilfe von US-Technik, wie SPIEGEL ONLINE berichtete. Darauf deuten Dateien hin, welche die Hackergruppe Telecomix veröffentlicht hat. Nun prüft das US-Außenministerium die Vorwürfe. Die BBC zitiert einen Ministeriumssprecher: "Wir sind besorgt über Berichte, wir prüfen die verfügbaren Informationen." (lis)
Niemand bleibt unentdeckt
Das Fachmagazin "Aviationweek" hat sich auf der Pariser Militärmesse Milpol am Stand des russischen Speech Technology Centers von dessen Personenerkennungssystemen beeindrucken lassen. Das sind Biometrie-Scanner, die Sprach- und Gesichtserkennung kombinieren und so Personen täuschungssicher erkennen können. Diesem Scanner genügt eine Stimmaufzeichnung von gerade einmal sechs Sekunden. Die Leistungsfähigkeit ihrer Geräuschfilter demonstriert die Firma anhand von verrauschten Weltraumfunk-Aufnahmen von Neil Armstrongs Flug in der Mondlandefähre "Eagle"; ihre Einsatzfähigkeit damit, dass mexikanische Ermittler die Stimmerkennung mit einer landesweiten Stimmdatenbank von möglichen Entführern und Schleppern kombiniert benutzen. Ein "Aviationweek"-Kommentar stellt fest: "Faszinierende Technik mit unglaublichen Anwendungsmöglichkeiten, einige davon ziemlich nützlich."
20 Millionen Wikipedia-Artikel
Das Online-Lexikon Wikipedia hat nach eigenen Angaben weltweit inzwischen mehr als 20 Millionen Artikel. Jeden Tag kämen allein bei der deutschsprachigen Version rund 400 Beiträge dazu, teilte der Verein Wikimedia Deutschland mit, der das Projekt unterstützt. Damit sei die deutsche Wikipedia-Version mit rund 1,2 Millionen Artikeln die zweitgrößte nach der englischsprachigen mit rund 3,5 Millionen Beiträgen. "In gedruckter Form würde allein schon der Artikelbestand in Deutsch über 660 Bände umfassen", sagte Pavel Richter, Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland.
Andere Sprachen sind dagegen längst nicht so gut repräsentiert: So gibt es weniger als 500.000 Artikel in der chinesischen Wikipedia und in den Versionen auf Hindi und Arabisch weniger als 250.000, obwohl diese Sprachen zu den meistbenutzten der Welt gehören. Wikipedia hat angekündigt, den Aufbau dieser Versionen verstärkt voranzutreiben, etwa mit der Gründung eines Büros in Indien. (lis/dpa)
Was am Dienstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war
- Hacker sind in die Rechner des japanischen Unterhauses eingedrungen und haben mit Hilfe eines Virus Passwörter und E-Mails der Abgeordneten ausgelesen. Die japanische Zeitung "Asahi" geht davon aus, dass mit dem Hack die japanische Außen- und Verteidigungspolitik ausgehorcht werden sollte.
- Der ominöse Hack auf das Sicherheitsunternehmen RSA betraf auch Hunderte andere Firmen - IT-Journalist Brian Krebs hat aus Log-Aufzeichnungen des Angriffsservers eine Liste mit 800 Firmennamen zusammengestellt. Darunter sind Firmen aus Deutschland: Alcanet, Hosteurope, Plusserver, die Deutsche Telekom AG, ein autonomes System der Telefonica O2,
- Anonymous-Aktivisten stellen den Geschäftsführer der Bank of America bloß - zumindest versuchen sie es. Die Beute der CabinCr3w-Hacker umfasst nur ein paar Adressen und viele Firmendetails.
- Steam ist eines der spannendsten Shopping-Experimente im Netz: Ein Online-Laden für Computerspiele - mit sehr dynamischen Preisexperimenten. Ein Valve-Gründer erklärt jetzt, was dahintersteckt.
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- Dienstag, 25.10.2011 – 18:27 Uhr
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- Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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