Netzwelt-Ticker: US-Provider drosselt Tauschbörsen nur noch ein bisschen

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Ein großer US-Internet-Dienstleister ändert seine Politik. Da auch US-Fernsehsender Videos über das BitTorrent-Protokoll im Web vertreiben, will Comcast die beliebte Tauschbörse nicht mehr ausbremsen - sondern nur noch Vielsauger. Das und mehr im Nachrichten-Überblick.

Nach massiver Kritik von Bürgerrechtlern und einer drohenden Untersuchung der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC lenkt der Internetprovider Comcast ein: Zukünftig werde man den Bittorrent-Datenverkehr der Kunden nicht mehr ausbremsen. Doch zu früh gefreut, das ist kein Sieg der Netzneutralität! In einer Pressemitteilung vom 27. März heißt es nämlich: Zusammen mit der Torrent-Firma BitTorrent Inc. arbeite man daran, wie man "die Probleme mit Multimedia-Inhalten und dem Management von Netz-Kapazitäten effektiver angehen" könne.

Netzwerkkabel: Internet-Provider Comcast verlangsamt die Internetanbindung von Kunden, die zu viele Daten saugen
AP

Netzwerkkabel: Internet-Provider Comcast verlangsamt die Internetanbindung von Kunden, die zu viele Daten saugen

Man wolle "Protokoll-agnostisch" – also blind gegenüber speziellen Anwendungen und Techniken sein. Zu deutsch: Jetzt ist jeder dran, der zu viel Daten aus dem Netz saugt. Ars Technica warnt deswegen auch: Der Comcast-BitTorrent-Pakt ist kein Ersatz für die Netzneutralität, also die rechtliche Gleichstellung aller über das Netz transportierten Daten.

Comcast war zuvor unter Beschuss geraten, weil die Firma BitTorrent- und eDonkey-Datenverkehr drosselte. Auf diese beiden Protokolle entfällt das absolute Gros des P2P-Traffics. Comcast dementierte das zunächst, musste dann aber einknicken: Ja, man "verzögere" den Filesharing-Verkehr – natürlich nur, um das überlastete Internet für alle anderen User zu retten.

Tatsächlich macht Filesharing zu manchen Tageszeiten bis zu 95 Prozent des Datenverkehrs im Internet aus. Kritiker der Drosselpraxis wenden ein: Provider wie Comcast verkaufen doch die teuren Breitbandanschlüsse, die man – zumindest momentan – doch nur für Filesharing wirklich ausnutzen kann. Die Probleme der Datendrosselung beschreibt "The Register" in einem ausführlichen Text.

Der Eingriff in den Datenverkehr ist übrigens kein amerikanisches Problem. In Deutschland machte der Internetprovider Kabel Deutschland Schlagzeilen, als sich herausstellte, dass auch er den Internetverkehr seiner Kunden "reguliert".

Hacker-Wettbewerb: Macbook Air als erstes geknackt

Infoworld nennt es den meisterwarteten Wettbewerb in der Hackerwelt: Linux versus Mac OSX versus Windows Vista. Wer wird als erstes gehackt? Die Organisatoren der CanSecWest-Sicherheitskonferenz in Vancouver stellen Hackern drei Laptops mit jeweils einem anderen Betriebssystemen zur Verfügung. Wer es schafft, einen der Rechner zu knacken, darf ihn behalten und bekommt obendrein 20.000 Dollar in die Hand gedrückt. Einzige Einschränkung: Die Hacker müssen einen "zero day"-Angriff, also eine bis dato nicht dagewesene Hacktechnik einsetzen. Ganz klar: Ein Kräftemessen dreier Betriebssysteme, die sich mit ihren Sicherheitsfeatures gegenseitig zu übertrumpfen versuchen.

Engadget war zugegen, als iPhone-Hacker Charlie Miller sich in kurzer Zeit sagen konnte: Dieses Mac Book Air gehört mir! Sein Trick: Er schickte den Applerechner ins Internet, surfte eine von ihm selbst präparierte Internetseite an und, schwupps, war er im System. Letztes Jahr brauchten zwei Hacker noch geschlagene neun Stunden, um die Kontrolle über ein Mac Book Pro zu erlangen.

TorrentSpy gibt auf

Lange Zeit war TorrentSpy eines der beliebtesten BitTorrent-Verzeichnisse. Dann kam der Prozess gegen den amerikanischen Filmverband MPAA (einmal als Angeklagter, dann spektakulär als Kläger), der Ausschluss aller amerikanischen Torrent-Suchenden, zu große Kosten für die niederländischen Seitenbetreiber. "Es war ein wilder Ritt" heißt es nun in der Abschiedsbotschaft auf Torrentspy.com. Man wolle sich nicht einem Gerichtsbeschluss oder einer außergerichtlichen Abmachung beugen und schließe deswegen freiwillig die Pforten. Hunderttausende Dollar habe der Prozess gekostet, das Rechtsklima für Urheberrecht, Datenschutz und Torrentsuchmaschinen sei in den USA einfach zu feindlich. Um die Daten der eigenen Nutzer zu schützen, so Torrentspy, schalte man ab.

Die Torrentkollegen der schwedischen Pirate Bay begrüßen dieses Vorgehen. In seinem Blog gibt Pirate-Bay-Oberpirat Peter Sunde aber auch zu bedenken, dass andere Torrentsites ständig unter Druck stehen. "So, wie die Copyright-Lobby das angeht, ist das völlig falsch. Wir können sie nicht gewinnen lassen."

Gegen die Pirate Bay läuft in Schweden derzeit ein Verfahren. Filesharing ist ein politisches Thema, das sogar eine Partei, die Piratpartiet, hervorbrachte.

Kleinanzeigen-Portal Craigslist übersetzt seine Menüs

In den Vereinigten Staaten jagt der für Privatleute komplett kostenlose Web-Kleinanzeigendienst Craigslist der US-Presse viele Anzeigen-Millionen ab. Nun bietet das Portal seine Dienste in vier neuen Sprachen an: Deutsch, Französisch, Ialienisch, Portugiesisch. Allerdings sind die meisten Anzeigentexte derzeit noch komplett in Englisch abgefasst. Unterseiten für einige deutsche Städte gab es auch bislang schon - die wurden allerdings kaum genutzt.

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