Netzwelt-Ticker US-Regulierer beenden Gespräche zur Netzneutralität

So schnell kann es gehen: Einen Tag nach Gerüchten über Verhandlungen zwischen Google und Verizon hat die US-Medienaufsicht FCC ihre umstrittenen Gespräche zur Netzneutralität abrupt abgebrochen. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Apple will Rad fahren, USA speichern Nacktscans und vieles mehr.

Freier Datenverkehr für alle: Die FCC will keine Sonderregelungen zur Netzneutralität
dpa

Freier Datenverkehr für alle: Die FCC will keine Sonderregelungen zur Netzneutralität

Von Carolin Neumann


Die US-Regulierungsbehörde FCC (Federal Communications Commission) hat überraschend ihre Verhandlungen zur Netzneutralität abgesagt. Seit Wochen saßen Vertreter der Medienaufsicht mit Lobbyisten der Internetwirtschaft hinter verschlossenen Türen, das erklärte Ziel: Regelungen für die Gleichbehandlung von Daten im Web zu finden, ohne dafür den Gesetzgeber zu bemühen.

Laut "Wall Street Journal" wurden die Verhandlungen abrupt abgebrochen, nachdem die Nachricht über eine vermeintliche Kooperation zwischen Google und dem Telekommunikationsriesen Verizon die Runde machte. Die beiden sollen laut der "New York Times" vor einem Pakt stehen, der Google schnelleren Datenverkehr erlauben und zugleich das Ende der Netzneutralität besiegeln würde. Die Unternehmen dementierten zwar später, der FCC scheint der Gedanke an einen solchen Deal jedoch schon gereicht zu haben.

Wenngleich der Zusammenhang zwischen Google/Verizon und den abgebrochenen Verhandlungen nicht bestätigt wurde, ist allein die zeitliche Nähe der Ereignisse zu groß, um ein Zufall zu sein. Zudem hatte der Chef der Medienaufsicht, Julius Genachowski, am Donnerstag erklärt, jedwede Vereinbarung, die die Prinzipien der Netzneutralität untergrabe, sei inakzeptabel - seine Sorge dürfte den kursierenden Gerüchten gegolten haben. Verfechter der Netzneutralität, die zum Teil scharfe Kritik an den Hinterzimmer-Mauscheleien geübt hatten, hoffen jetzt auf eine transparentere FCC-Politik.

Eine Handvoll Apple-Apps zum Ausprobieren

Android hat längst so eine Art Rückgabegarantie für seine Anwendungen, jetzt zieht Apple nach: Nutzer dürfen künftig Apps vor dem Kauf testen. Das "Try before you buy"-Angebot ist jedoch äußerst limitiert - mit gerade mal 98 aus über 200.000 Programmen geht Apple an den Start. Bei den meisten Bezahl- und Vollversionen lautet die Devise weiterhin: erst Cash, dann gucken.

Jailbreak gestoppt - in Apples Läden

Seit in den Vereinigten Staaten das Knacken von iPhones als Urheberrechts-konform eingestuft wurde, und Hacker eine Lücke zum einfachen Knacken per Browseraufruf entdeckt haben, tauchen überall Knack-Ratgeber auf. Chip und andere erklären, wie zum Beispiel über die Seite JailBreakMe.com nicht genehmigte iPhone-Anwendungen freigeschaltet werden können.

Die PDF-Lücke, die vermutlich das Knacken per JailBreakMe.com erst möglich macht, ist unterdessen nach wie vor weit offen. Laut Cnet überlegt Apple noch, ob der entsprechende Patch im Rahmen eines anstehenden Sicherheitsupdates zur Verfügung gestellt werden soll - oder außer der Reihe. Letzteres gilt als wahrscheinlicher. Und bis dahin? 9to5mac.com glaubt, in Twitter-Nachrichten zu erkennen, dass der Konzern eine Übergangslösung gefunden hat, zumindest für seine Ladenkundschaft: Wer versucht über das kostenlose W-Lan eines Apple Store die Seite JailBreakMe.com anzusurfen, wird auf Apples Homepage weitergeleitet.

Und noch mal Apple: In die Pedale!

Apple spielt offenbar mit dem Gedanken an einen Fahrrad-Computer. PatentlyApple hat einen Patentantrag für eine Quasi-Schaltzentrale für Radfahrer entdeckt. Vorstellen darf man sich das System wohl ähnlich wie Apples Nike + iPod, einer iPod-Ergänzung mit dem Jogger ihr Training und ihre Vitalfunktionen protokollieren können. Ähnlich könnte man iPhone oder iPod auch benutzen, um mit entsprechender Zusatz-Hardware Pulsschlag und Trittfrequenz beim Radeln zu messen. Für die tägliche Bummelfahrt zur Arbeit ist das Konzept vermutlich nicht gedacht, Radsportler hingegen könnten es durchaus schätzen, wenn Routen aufgezeichnet und Trainingsergebnisse in Datenform aufbereitet werden.

USA speichern Nacktscans

In Deutschland sind die Sicherheitsbedenken gegenüber Ganzkörperscannern an Flughäfen nach wie vor groß. Die US-Nacktscannerei zeigt, wieso das gerechtfertigt ist: Die dortige Bundespolizei hat jetzt laut Cnet zugegeben, heimlich Zehntausende Bilder gespeichert zu haben. Genau das werde nicht passieren, hatte es bislang immer geheißen. Zweifel kamen spätestens auf, als bekannt wurde, dass die Behörden nur Scanner mit Speicherfunktion kaufen. In Europa werden die Geräte zur Terrorabwehr bereits an den Flughäfen in Moskau, London, Amsterdam und Zürich eingesetzt beziehungsweise erprobt, Tests in Frankfurt stehen unmittelbar bevor.

Alles okay an der De-Mail-Front

Das Innenministerium hat Datenschutzkritik an De-Mail zurückgewiesen - der Online-Brief für rechtssicheren E-Mail-Verkehr soll 2011 kommen, sobald die Regierung die gesetzliche Grundlage geschaffen hat. Datenschützer monieren unter anderem, dass die Daten trotz Verschlüsselung zwischenzeitlich erkennbar seien. Wie Heise berichtet, lobt ein Vertreter des Ministeriums im Branchenmagazin "Behörden-Spiegel" den geplanten E-Brief allerdings sogar als besonders sicher. Der Moment, in dem die elektronische Post entschlüsselt werde, finde auf Hochsicherheitsrechnern statt, kein Grund zur Sorge also, so der Sprecher.

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