Netzwelt-Ticker: USA drängen auf rigide Gesetze gegen Copyright-Piraterie

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Die Amerikaner drängen darauf, ihr rigides Copyright auch international zu verankern. China schützt seine Untertanen vor den Schrecken von World of Warcraft, und das iPhone kann manchmal richtig teuer sein. Das und mehr im Überblick.

Symbolfigur Pirat: Die USA drängen auf eine internationale Lösung, bei der die Provider für die Durchsetzung von Maßnahmen gegen Piraterie haftbar gemacht werden sollen Zur Großansicht
dpa

Symbolfigur Pirat: Die USA drängen auf eine internationale Lösung, bei der die Provider für die Durchsetzung von Maßnahmen gegen Piraterie haftbar gemacht werden sollen

In dieser Woche verhandeln die USA, Europa und mehrere andere Industriestaaten über erweiterte Maßnahmen zur Bekämpfung der Piraterie. Im südkoreanischen Seoul drängen die USA ihre Gesprächspartner dazu, sich den härteren amerikanischen Vorgaben anzuschließen. Die beinhalten den schon unter der Clinton-Regierung beschlossenen Digital Millennium Copyright Act (DMCA), der zum Beispiel die Umgehung von Copyrightsperren unter Strafen stellt, selbst wenn das eigentliche Urheberrecht gar nicht betroffen ist.

Ähnliche Vorstellungen prägen auch den internationalen Geheimentwurf ACTA, der den Schutz von geistigem Eigentum verstärken soll. Im Rahmen dieser Erwägungen wollen die Amerikaner nun die Haftung wegen Urheberrechtsverletzungen auch für Provider einführen. Bislang gelten die nur als einfache Inhaltevermittler. Der kanadische Rechtsprofessor Michael Geist weist auf entsprechende Details hin, die er aus dem Umfeld der geheimen Verhandlungen erfahren hat.

Die angepeilte Providerhaftung könnte demzufolge nur dann nicht zu Konsequenzen führen, wenn die Telkos sich den ACTA-Vorgaben unterwerfen. Die sehen unter anderem vor, beim Verteilen von illegalem Material ertappte Kunden beim dritten Mal vom Internet abzuklemmen. Eine Maßnahme, wie sie die britischen und französischen "Three strikes out"-Pläne bereits vorsehen. Ganz wie der DMCA vorschreibt, sollen die Staaten künftig auch international als illegal gekennzeichnetes Material direkt löschen. Im Grundsatz würden damit die amerikanischen Urheberrechtsvorstellungen auf die ganze Welt ausgedehnt, Ausnahmen für Fair-Use-Verwendungen nicht mehr gemacht.

Ganz wohl scheint den Beteiligten beim geplanten Maßnahmenpaket nicht zu sein, zumindest scheuen sie das Licht der Öffentlichkeit. Die Verhandlungen finden im Geheimen statt, Details sickern eher zufällig nach draußen, und von einer parlamentarischen Debatte oder gar Kontrolle kann nicht die Rede sein. Auch die Bürgerrechtler der Electronic Frontier Foundation (EFF) warnen ausdrücklich vor der Ausweitung der rigiden DMCA-Regelungen auf die ACTA-Unterzeichnerländer.

Dabei weisen sie auf das bereits in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen den USA und Südkorea hin. In dieser Übereinkunft sind auch einige Kapitel enthalten, die Verschärfungen in der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen vorsehen. Damit ist die "Three Strikes"-Regelung auf dem besten Wege, zu einem internationalen Rechtstandard zu werden, und das ohne demokratischen Beschluss und entgegen der bereits erfolgten Ablehnung in mehreren Ländern, die an den ACTA-Verhandlungen teilnehmen.

China bremst erneut World of Warcraft aus

Die Behörden in China zeigen sich weiterhin besorgt um das Wohl ihrer Untertanen. Bekanntlich kümmern sich staatliche Stellen mit besonderer Hingabe darum, alle schädlichen Einflüsse von der Bevölkerung fernzuhalten, das gilt auch für Online-Rollenspiele. Die sind der Obrigkeit oft zu gewalttätig, darum wird der Zugang zu ihnen verwehrt.

So ging das auch mit World of Warcraft, das schon einmal in China geblockt, dann aber wieder zugelassen worden war. Die neue WoW-Erweiterung "The Burning Crusade" hat nun von der für Zensur zuständigen Behörde für Presse und Publikationen keine Freigabe erhalten. Außerdem darf WoW keine Neumitglieder mehr aufnehmen und auch keine Gebühren mehr berechnen. Wie Golem meldet, hat der chinesische WoW-Vertrieb Netease noch keine genaue Mitteilung erhalten, welche Beanstandungen die Zensurbehörde im einzelnen anmeldet.

Google Maps zeigt Blogger im Gefängnis - weltweit

Vor einigen Wochen machte eine Kartenübersicht die Runde im Netz, die die Gefängnisstandorte von in China einsitzenden Bloggern anzeigt. Nun gibt es eine Erweiterung, die für den gesamten Erdball zeigt, wo überall Blogger bedroht, eingesperrt oder gar getötet worden sind. Das internationale Blogger- und Bürgerrechtsnetzwerk Global Voices hat dazu eine interaktive Karte eingerichtet, die die entsprechenden Informationen bereithält.

Nach Ländern sortiert, liegt China mit 33 Meldungen derzeit an der Spitze, dicht gefolgt von Ägypten, wo deren 29 vorliegen. Beim Klick auf die Namen der Betroffenen öffnet sich eine weitere Infoseite, die über die genauen Umstände der jeweiligen gegen die einzelnen Blogger erhobenen Maßnahmen berichtet.

Datenhungrig und teuer: Fehler beim iPhone-Streaming

Und dann war da noch dieser lästige, kleine iPhone-Bug, der sich zum kostspieligen Desaster ausgewachsen hat: Ein estnischer Blogger machte eine unschöne Erfahrung mit dem Datendienst des Kulthandys, der nicht richtig beziehungsweise zu gut funktionierte. Oliver K. nutzte Safari auf seinem Gerät und schaute sich einen MJPEG-Videostream an. Danach schloss er die App, jedenfalls dachte er das. Tatsächlich lief das Progrämmchen munter weiter und streamte und streamte und lud ein Megabyte nach dem anderen herunter. Nach einer Stunde waren es deren 740. Da der Telko AT&T Datenverkehr für iPhone-Nutzer im Ausland mit umgerechnet 0,013 Eurocent pro Kilobyte berechnet, kann der gute Mann nun einer Rechnung von knapp 10.000 Euro entgegensehen.

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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


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