Netzwelt-Ticker USA patzen bei Cyber-Verteidigung

Einen Angriff auf ihre Netzwerke könnten die USA nicht abwehren. Das ist die Lehre aus einem Regierungs-Planspiel mit 230 teilnehmenden Firmen und Institutionen. Außerdem im Überblick: Schüler legen Radarfallen herein, Bastler machen aus Netbooks Macbooks und vieles mehr.


Ein Cyberkrieg-Planspiel von US-Regierung und Privatfirmen ging offenbar gründlich in die Hose. Für die zweitägige Übung teilten sich die 230 Teilnehmer in zwei Gruppen auf: Angreifer und Verteidiger kritischer Infrastrukturen wie beispielsweise die Telekommunikationsbranche, die Energieversorger und die Banken.

"War Room" auf der MacDill Air Force Base in Tampa: Einem Angriff aus dem Web hätten die USA nur ungenügende Mittel entgegenzusetzen
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"War Room" auf der MacDill Air Force Base in Tampa: Einem Angriff aus dem Web hätten die USA nur ungenügende Mittel entgegenzusetzen

Durchgespielt wurden Angriffe, wie sie in Georgien und Estland bereits auftraten. Die Verteidiger scheiterten nach eigener Aussage an Standard-Abwehrmanövern, die "nicht angemessen" waren. Reuters titelt, die USA seien nicht bereit für einen Cyber-Angriff.

Einer der Teilnehmer fühlt sich an die Situation vor dem Terrorangriff 2001 auf das World Trade Center erinnert: "Wir wurden uns der Gefahr erst am Morgen nach dem 11. September bewusst." So viel scheint klar: Regierung und Industrie müssten "Milliarden von Dollar" ausgeben, um sich besser vor Cyberangriffen zu schützen. Was konkret alles schief lief, darüber schweigen sich die Teilnehmer aus. Wahrscheinlich, um es echten Angreifern nicht noch einfacher zu machen.

Musiklabels wollen angeblich eigenes Musikvideo-Hulu

Nachdem sich die Warner Music Group (WMG) wegen gescheiterter Lizenzverhandlungen von der Videoplattform YouTube zurückzog, wird laut "Silicon Alley Insider" klar, dass WMG nicht das einzige Musiklabel ist, das keine Lust mehr auf Googles Video-Sharing-Site hat und Musikvideos im Netz lieber selbst organisieren will.

Eine vertrauliche Quelle habe dem Onlinemagazin den Tipp gegeben, dass zusammen mit Warner auch noch Sony BMG, EMI und die Universal Music Group über einen Musikvideokanal im Netz, ein Portal im Stile von Hulu nachdenken. Hulu ist in den Vereinigten Staaten das leuchtende Beispiel für ein erfolgreiches Webunternehmen, das die Inhalteanbieter selbst ins Netz brachten. Auf Hulu.com bieten die großen US-Fernsehstationen Serien und Spielfilme in hoher Qualität und kostenlos zum Abruf an.

Grund für die Eigeninitiative der Musiklabels sind Gerüchten zufolge die schlechten Einnahmemöglichkeiten auf YouTube. So soll die Universal Music Group, das erfolgreichste Label auf YouTube, monatlich gerade einmal 25.000 US-Dollar mit Onlinewerbung verdienen. Der Rest sind simple Pro-Klick-Lizenzzahlungen. Warum das Thema Musikvideos aber auf einer eigenen Labelsite möglicherweise begraben wird, wollen einige Alleyinsider-Kommentare erklären: Die besten Musikvideos bei YouTube sind nicht die offiziellen, sondern die unzähligen von Fans aufgenommenen, selbst geschnittenen, gar selbst gesungenen Clips.

Mac OS X auf Netbooks

Netbooks sind der Computertrend 2009, egal wie oft Apple auch "Macbook Air" rufen mag. Aber: Wie schön wäre das Apple Betriebssystem Mac OS X auf einem der Gut & Günstig-Rechner? Fast im Handumdrehen kann man Apples Betriebssystem auf einigen der günstigen Netbooks, zum Beispiel dem MSI Wind, aufspielen. Obwohl man dazu eine gehackte, und damit illegale, Mac OS X-Version braucht, hat das Gadgets-Blog bei Boingboing eine Übersicht über Mac OS X-taugliche Netbooks zusammengestellt.

Mit welchem Gerät geht was und was geht nicht? Die kurze Antwort: Auf dem MSI Wind und dem Dell Mini 9 läuft Mac OS X ganz unkompliziert - nur eben nicht legal.

Erst knebeln, dann flehen: Nahverkehrsanbieter zeigt Reue

Als drei Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf dem Hackerkongress Defcon vorführen wollten, wie man die elektronischen Bahn- und Bus-Tickets der Massachusetts Bay Transit Authority (MBTA) hackt, reagierte der Betreiber des öffentlichen Nahverkehrsnetzes gereizt: Per Gericht ließ er den drei Studenten ein Redeverbot erteilen. Sie durften auf der Defcon-Konferenz nichts von ihren Erkenntnissen berichten.

Jetzt zeigt sich die MBTA reuig, versprach nach reichlich öffentlicher Schelte, mit den Sicherheitsexperten zusammenzuarbeiten - immerhin waren es ja sie, die laut "The Register" das "klaffende Loch" im Ticketsystem ausfindig machten.

Mit der Hilfe von Zack Anderson, RJ Ryan und Alessandro Chieso soll das System nun verbessert werden. "Fühlt sich richtig gut an", meinte Zack Anderson am Montag: "Ich bin froh, dass wir das Gerichtsverfahren hinter uns haben." Der Meinung könnte auch die MBTA sein: Zehn Tage nachdem ein Gericht den Studenten das Redeverbot erteilte, machte ein Bundesrichter dem ein Ende, widersprach den Argumenten der MBTA, hob das Urteil auf.

Schüler legen Konkurrenten mit betrogenen Starenkästen rein

Eine Bande von Highschool-Schülern legte mit gefälschten Nummernschildern die Radarfallen ihrer Stadt herein - und schob damit ihre "Feinde" ins Visier der Verkehrswächter. Für ZDNet-Blogger Adam J. O'Donnell ist das ein "brillantes Beispiel aus der echten Welt, was passiert, wenn man zu hoch auf offene Identifikationssysteme setzt."

Indem die Schüler einfach fotorealistische Nummernschild-Attrappen an ihre Autos klebten und dann Radarfallen auslösten, sabotierten sie das ganze System: Nummernschilder sind plötzlich nichts mehr wert, Strafzettel damit auch nicht. Die Eltern der Betroffenen sehen gar schon ihre Bürgerrechte außer Kraft gesetzt, wenn die Behörden nicht mehr für die Integrität der Geschwindigkeitskontrollen garantieren können.

O'Donnell nimmt das als Anlass, auf bessere Identifizierungs-Mechanismen in den Vereinigten Staaten zu pochen. Dort läuft beispielweise Onlinebanking noch oft per Standard-Login und -Passwort ab. iTAN- und mTAN-Verfahren, wie sie zum Beispiel in Deutschland eingesetzt werden, spielen dort kaum eine Rolle.

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