Netzwelt-Ticker USA wollen Unterdrückern mit Chat und Fotos zusetzen

Um Unterdrückten in Iran und anderswo zu helfen, wollen die USA Exportbeschränkungen für Software aufheben. Außerdem: Hacking-Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg, Bürger sollen bei Web-Enquete mitreden, IE6 wurde beerdigt, Ubisoft-DRM-Server stürzt ab. Das und mehr im Überblick.

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YouTube als Protestwerkzeug in Iran (Archivbild): Freiheit durch Internet-Technologie?
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YouTube als Protestwerkzeug in Iran (Archivbild): Freiheit durch Internet-Technologie?


Offenbar um Demokratiebewegungen in Unterdrückungsregimes zu unterstützen, will das US-Finanzministerium Exportbeschränkungen für Internetdienste wie Instant Messaging, Chat- und Fotoportale aufheben. Profitieren sollen davon laut "New York Times" Bürger in Staaten wie Iran, Kuba und Sudan, für die in den USA Handelsbeschränkungen gelten. Zwar haben viele netztüchtige Surfer Zugriff auf Dienste wie Twitter, Flickr und Co., trotzdem brachten sich US-Firmen bislang zumindest theoretisch selbst in Gefahr, wenn sie den Zugriff auf ihre Dienste nicht für Bürger dieser Länder beschränken. Am Montag sagte ein Beamter des Weißen Hauses der "NYT", dass das Finanzministerium eine umfassende Lizenz für den Export kostenloser persönlicher Internetdienste und entsprechender Software in diese Länder erteilen werde. Das Finanzministerium folgt damit einer Empfehlung des Außenministeriums vom vergangenen Dezember, so die Zusammenfassung in der "ORF Futurezone". Am Beispiel der Aufstände in Iran habe sich gezeigt, wie wichtig Online-Dienste für eine Demokratiebewegung sein können.

"Je mehr Menschen Zugang zu vielen Internettechnologien und -diensten haben", so der namentlich nicht genannte Beamte, "desto schwieriger wird es für die iranische Regierung, sie in ihren Meinungsäußerungen zu beschneiden."

Der noch inoffiziellen Entscheidung ging ein längerer Prozess voran, der im Grunde eine Erweiterung des Streits um das Für und Wider von Wirtschaftsembargos ist. Noch im Januar sagte die US-Außenministerin Hillary Clinton, dass Freiheit im und durch das Internet ein fundamentales Prinzip der amerikanischen Außenpolitik geworden sei. "Virale Videos und Blog-Einträge sind der Samisdat der heutigen Zeit" - eine Anspielung auf die im Selbstverlag verbreiteten Dissidenten-Schriften in sozialistischen Staaten.

Hacking-Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg

Der "Silicon Alley Insider" erhebt schwere Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im Mai 2004 soll sich der damals 19-Jährige in die E-Mail-Konten zweier Journalisten der Harvard-Studentenzeitung "The Harvard Crimson" gehackt haben, um deren E-Mail-Verkehr mit Facebook-Kritikern einzusehen. Die "Crimson"-Redakteure arbeiteten an einer Enthüllungsgeschichte über die Entstehung des heute größten sozialen Netzwerkes mit fast 400 Millionen Mitgliedern. Zuckerberg habe sich die Passwörter zum "Crimson"-E-Mail-System verschafft, indem er fehlerhafte Logins der Redakteure auf dem Facebook-Vorgänger thefacebook.com analysierte. Die Vorwürfe beruhen auf der Erzählung eines Zuckerberg-Bekannten.

Hintergrund: Der "Silicon Alley Insider" versucht in einer Artikelsammlung, die Gründung Facebooks zu entschleiern. Was hat es mit den Vorwürfen auf sich, Facebook sei die unrechtmäßige Kopie anderer damals in Entwicklung befindlicher Harvard-Netzwerke? Welchen Anteil hatten alte Zuckerberg-Mitstreiter am derzeitigen goldenen Kalb des Internets? Die Schlammschlacht ist jedenfalls noch nicht vorbei.

Bürger sollen bei Web-Enquete mitreden

Als virtuellen 18. Teilnehmer will sich die vom Bundestag gerade - unter viel Kritik - eingesetzte Enquetekommission den deutschen Internetsurfer hinzudenken: "Das sind die Menschen im Netz, die sich aktiv beteiligen sollen", äußerte sich Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer laut Heise.de zur Surfer-Mitsprachemöglichkeit. Zwar müsse noch entschieden werden, wie dies genau geschehen solle - denkbar seien jedoch öffentliche Anhörungen im Web-TV des Bundestags, ein Wiki, der digitale Diskurs in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken.

Um sich von Kritik-Hypes nicht von der Mission abbringen zu lassen, die langfristigen Folgen des Internets für die Gesellschaft zu untersuchen, versuche man jedoch, tagesaktuelle Fragen nicht zu besprechen. "Wir dürfen nicht mehr Getriebene von Themen sein, die einfach hochpilzen, und dann versucht die Politik schnell, irgendeine Antwort darauf zu finden", sagte der netzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Konstantin von Notz, Heise.de. Das ist zwar interessant - aber erscheint angesichts der tagesaktuellen Struktur und Wirkung des Internets auch als Spielverderber-Ansage an all die Mini-Experten im Netz, die man doch angeblich in die Diskussion ziehen will: Hier reden nur Erwachsene. Denn was dem Internet fehlt, ist keine Zukunftsvision - davon gibt es reichlich -, sondern ein natürliches, konkretpolitisches Mitdenken dieses Mediums. Es geht nicht nur um die Zukunft der Gesellschaft, sondern auch um deren Gegenwart.

DRM-Server stürzen ab, Ubisoft-Kunden entnervt

Oh, Ubisoft. Erst führt das französische Unternehmen einen neuen, viel kritisierten Super-Kopierschutz ein, der dadurch wirkt, dass er Spieler ans Netz fesselt. Dann erscheint schon einen Tag später ein - in seiner Wirkung umstrittener - Crack. Und bevor das Wochenende vorbei war, schmierten dann noch die Kopierschutz-Server ab und ließen Spieler frustriert vor einer Fehlermeldung stehen: "Und dafür habe ich jetzt 45 Euro gezahlt?"

Internet Explorer 6 stirbt, Beerdigung ein großes Fest

Als vergangene Woche am 1. März 2010 der Internet Explorer 6, zerfledderter Schrecken des World Wide Webs, verstarb ( Arbeitsunfall im Google-Hauptquartier), war für die Web-Designer von Aten Design klar: Es muss eine Trauerfeier her - Betonung auf Feier. Die verlief einem Bericht der "Computerworld" nach sehr gut, Microsoft schickte sogar Blumen - zusammen mit einer Einladung zur MIX-Web-Design-Konferenz, wo Microsoft "ein Stück IE-Himmel" zeigen werde.

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insgesamt 3 Beiträge
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Meckermann 08.03.2010
1. Ubisoft
Wenns nicht so traurig wäre könnte man ja sagen: "selbst schuld wer sich beim Softwarekauf zum Sklaven macht". Mittlerweile ist echt der Punkt erreicht, wo ich bereit bin für gecrackte Spiele einen deutlichen Aufpreis im Vergleich zum Orginal zu bezahlen. Die praktische Umsetzung scheitert einzig an meiner Bandbreite bzw. Bandschmäle und daran, dass ich keinen direkten Draht mehr zu vertrauenswürdigen Crackern habe (ja, Schulzeit ist lang her). Die Softwareentwickler sollten mal echt überlegen ob es nicht eine Alternative wäre einfach gute Spiele zum fairen Preis anzubieten, denn es gibt durchaus Leute die würden gern mal wieder ein bisschen Geld für Software ausgeben...
gabriel_staubfein 09.03.2010
2. Es lebe die Freiheit !
Zitat von sysopUm Bürgern in Unterdrückungsregimes zu helfen, wollen die USA Exportbeschränkungen für Software aufheben. Außerdem: Hacking-Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg, Bürger sollen bei Web-Enquete mitreden, IE6 wurde beerdigt, Ubisoft-DRM-Server stürzt ab. Das und mehr im Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,682342,00.html
Sie sollen einfach freie Werbung in all diese Länder ausstrahlen, damit die Unterdrückten es endlich (wenigstens bildlich) so demokratisch haben wie wir. Das hat doch auch die DDR letzlich mürbe gemacht, der schiere West-Neid ihrer eigenen Bürger... Wer nämlich Antifaltencremewerbung sieht, den Mist aber im Unterdrückerstaat dann nicht kaufen kann, merkt erst, wie unfrei er wirklich ist... Und wird zur revolutionäre Keimzelle für den Sturz des Schurkenstaates. Es lebe die Freiheit !
JDR 15.03.2010
3. Teheran gibt Cyber-Krieg zu
Zitat von sysopUm Bürgern in Unterdrückungsregimes zu helfen, wollen die USA Exportbeschränkungen für Software aufheben. Außerdem: Hacking-Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg, Bürger sollen bei Web-Enquete mitreden, IE6 wurde beerdigt, Ubisoft-DRM-Server stürzt ab. Das und mehr im Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,682342,00.html
Nun, es braucht nicht einmal Vorwürfe: Die IRI gibt offiziell zu, Menschenrechtswebseiten zu hacken! (http://english.farsnews.com/newstext.php?nn=8812231183) Ja, manchmal ist es ganz schön dumm, "Erfolge" offen zu präsentieren... Erklärbar ist dies wohl nur dadurch, dass sich die Angreifer momentan in einem Überlegenheitsgefühl baden. Tatsächlich ist den iranischen Diensten in letzter Zeit eine ganze Serie von Erfolgen zuzuschreiben, welche entweder auf neue Technologien oder eine neue Zusammenarbeit mit Partnern zurückschließen lassen. Letzteres ist sehr wahrscheinlich und es bleibt abzuwarten, ob es sich um freiwillige Zusammenarbeit - z.B. mit der ISI - oder um erzwungene Kooperation z.B. von Diensten der Vereinigten Staaten von Amerika handelt, welche im Gegenzug die Freilassung der drei amerikanischen Geiseln in Teheran erhoffen. Das Regime fühlt sich unangreifbar und dieser Eindruck wird scheinbar bewusst geschürt.
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