Von Richard Meusers
Lange Zeit stellte der Datenverkehr von mobilen Geräten, seien es Handys oder Notebooks, nur einen kleinen Anteil am gesamten Datenaufkommen dar. Das ändert sich bereits seit geraumer Zeit. Seit der Einführung leistungsstarker Smartphones verlagert sich der Datenaustausch zunehmend in den Mobilbereich. TechCrunch macht auf eine Studie des britischen Marktforschers Coda Research Consultancy zu diesem Thema aufmerksam. Die schätzen, dass sich die Höhe des mobilen Datenverkehrs allein im US-Markt bis zum Jahr 2015 vervierzigfachen wird, von derzeit 8 Petabyte im Monat auf 327 in fünf Jahren.
Vor allem ressourcenfressende Videoclips schlagen demnach zu Buche, Coda erwartet, dass 2015 mehr als zwei Drittel des mobilen Datenaufkommens aufs Filmegucken entfallen werden. TechCrunch sieht da auf die Telekommunikationsunternehmen mittelfristig ein Refinanzierungsproblem zukommen. Denn die Anbieter könnten schlecht einfach die Grundpreise direkt proportional zum gesteigerten Verkehr anheben. Coda-Gründer Steve Smith erwartet daher die Einführung von gestaffelten Bezahlmodellen. Das wird Flatrate-Fans nicht besonders freuen, andererseits müssen die Mobilfunkbetreiber massiv in den Ausbau ihrer Infrastruktur investieren. Denn mit der aktuellen Ausstattung würden sie bereits 2012 an ihre Auslastungsgrenzen stoßen.
Innenministerium lässt über Netzpolitik diskutieren - und keiner macht mit
Es wird ja viel über das Internet gesprochen im politischen Berlin im Moment, nicht nur im Zusammenhang mit der Enquete-Kommission: Innenminister Thomas de Maizière etwa spricht mit Fachleuten und Netzaktivisten, praktisch jede Partei hat irgendwelche Gremien und Beratungsrunden zum Thema einberufen, das Bundesforschungsministerium plant eine Konferenz namens Future Internet. Mitdiskutieren sollen aber auch die Bürger selbst, ganz webzweinullig. Nach wie vor allerdings, nach immerhin fast einer Woche, ist es auf der Plattform Mitreden übers Internet - Perspektiven deutscher Netzpolitik des Bundesinnenministeriums ausgesprochen still.
Das mit der Partizipation geht offenbar auch nicht von allein. Dabei kann jeder dort einen Kommentar hinterlassen - die werden moderiert, wer also Beschimpfungen loswerden möchte, ist dort an der falschen Adresse. Die angekündigte Partizipationsplattform für die Web-Enquete des Bundestags lässt unterdessen noch auf sich warten - die Verwaltung ist sich wohl noch nicht sicher, ob sie das von den Abgeordneten geforderte Projekt im gewünschten Umfang stemmen kann.
cis
Berliner Justiz will Vorratsdaten nutzen
Gerade hat das Bundesverfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung für illegal erklärt, da ist die Berliner Staatsanwaltschaft schon dabei, auf kreative Weise eine Lücke im Gerichtsurteil auszunutzen. Der Entscheid weist zwar die Telekom und andere Anbieter an, sämtliche gesammelten Verbindungsdaten unverzüglich zu löschen. Auch an ermittelnde Stellen wie Staatsanwaltschaften dürfen sie nicht mehr weitergeleitet werden. Worüber im Urteil jedoch nichts steht, sind die Daten, die aufgrund vorheriger Anfragen bereits den Behörden übermittelt wurden. Die könnten weiter ausgewertet werden, so laut "taz" die Haltung der Berliner Staatsanwaltschaft.
Selbst die Frage, ob solchermaßen erreichte Ermittlungsergebnisse nicht illegal und damit Früchte vom verbotenen Baum seien, belaste die Staatsanwaltschaft nicht. Schließlich habe das Verfassungsgericht erst jüngst die Verwertung rechtswidrig erbrachter Beweise grundsätzlich für zulässig erklärt. Auch die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) scheint diese Linie zu verfolgen: "Das ist keine Frage, die die Justizverwaltung vorgibt", wird ihr Sprecher Bernhard Schodrowski zitiert. Außerdem gebe es in jedem Fall einen Richtervorbehalt in Sachen Auswertungszulässigkeit.
Italienisches Verfassungsgericht stärkt Open Source
Die italienische Corte Costituzionale hat ein Herz für Open Source. In einem Urteil bestätigte der Verfassungsgerichtshof jetzt ein von der Region Piemont 2009 erlassenes Gesetz. Diese Verordnung schreibt öffentlichen Auftraggebern vor, grundsätzlich quelloffene und freie Software bei Neuanschaffungen zu bevorzugen. Dagegen hatte die italienische Regierung mit dem Argument geklagt, das Gesetz sei wettbewerbsfeindlich. Davon könne keine Rede sein, stellten die Richter fest. Schließlich werde nur eine rechtliche Rahmenordnung vorgegeben, konkrete Anbieter oder Produkte seien nicht genannt.
Ford entdeckt Aus-Schalter an Computern
"Mach den Computer aus!" ist seit jeher auch die Aufforderung zum Stromsparen. Das mag im Einzelfall nicht viel ausmachen, aber wenn ein großer Konzern das tut, dann läppern sich die Einsparungen zu einem ansehnlichen Betrag. Grund genug für den amerikanischen Autobauer Ford, ein neues System zum Stromsparen einzuführen. Das Programm fährt nachts und an Wochenenden automatisch sämtliche Unternehmensrechner herunter, die zu diesen Zeiten nicht genutzt werden. Gleichzeitig soll gewährleistet werden, dass die Firmenrechner im Fall von anstehenden Sicherheitsupdates auch in der arbeitsfreien Zeit wieder hochgefahren werden.
Der zuständige Projektleiter erklärte gegenüber Dailytech, 60 Prozent der Mitarbeiter würden am Ende des Arbeitstags ihre Computer nicht ausschalten , und das führe zu Energieverschwendung. Einmal vollständig implementiert, soll das neue System dem Konzern jährlich 1,2 Millionen Dollar einsparen.
Spanien als Piratenhöhle für Filme
Derzeit ist in Spanien der Tausch von urheberrechtlich geschütztem Material über P2P-Netzwerke weit verbreitet. Das liegt nicht zuletzt an der dortigen Rechtssprechung, die derlei Piraterie nicht unter Strafe stellt, solange sie nicht im gewerblichen Rahmen geschieht. Was nach Meinung von Kritikern aus der Filmindustrie zu Lasten legaler Anbieter geht. 2003 habe es im Lande noch 12.000 Videotheken gegeben, fünf Jahre später nur noch deren 3000, so die "LA Times". Und legale Download-Angebote, die die Lücke füllen könnten, gibt es in Spanien nicht.
So ist zum Beispiel Apple mit seinem iTunes-Store zwar in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien aktiv, nicht aber in Spanien. Innerhalb von zwei Jahren haben sich illegale Downloads bis 2008 auf 350 Millionen beinahe verdreifacht. Im selben Zeitraum ging laut den Marktforschern der GfK das Geschäft mit legalen Leih- oder Kauf-DVDs um 30 Prozent zurück. Weshalb die Verantwortlichen der Filmindustrie mittlerweile überlegen, sich völlig aus dem spanischen Markt zurückzuziehen. "Die Leute laden Filme in solchen Mengen herunter, dass Spanien bald kein lukrativer Home-Entertainment-Markt mehr für uns ist", wird Sony-Chef Michael Lynton zitiert.
Das wäre für die Unternehmen vielleicht gerade noch verkraftbar, würde Spanien einen Einzelfall darstellen. Aber vor zwei Jahren verließen die großen Filmstudios aus denselben Gründen Südkorea, einst ein florierender Markt für Filmverkäufe an Endverbraucher. Angesichts des weltweiten Ausbaus an Breitbandkapazitäten befürchtet so mancher, dass Spanien nur einen weiteren Dominostein in einer Kette bildet, die am Ende die Grundfesten von Hollywood erschüttern könnte.
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