Netzwelt-Ticker Virenscanner fürs Kühlfach

...könnten schon bald nötig werden, denn immer mehr Netz-angebundene Geräte werden verseucht. Außerdem: Sim-Karten-Tauschbörse auf Eis gelegt, Anwalt will Blogger kaltstellen, und eiskalt wird uns auch, wenn wir über Google erfahren, was wir schon immer geahnt haben. Das und mehr im Überblick.


Virus in digitalen Bilderrahmen

Die lange Liste der Dinge, die man tun muss, um seinen Computer frei von Viren und anderen Rechner-Schädlingen zu halten, verzeichnet einen Neuzugang: Scanne den digitalen Bilderrahmen!

Schön, und doch kann man sich dran erkälten: Werden wir bald selbst das Eisfach auf Viren prüfen müssen?
Ruhr Universität Bochum

Schön, und doch kann man sich dran erkälten: Werden wir bald selbst das Eisfach auf Viren prüfen müssen?

Die amerikanische Handelskette Best Buy hat laut Newsfactor Network bestätigt, dass einige Bilderrahmen der Best-Buy-Hausmarke Insignia mit einem Computervirus verseucht sind. Der hätte es während des Produktionsvorganges auf das Gerät geschafft. Um welchen Virus es sich dabei handelt, und welche Konsequenzen er für die Käufer haben kann, schweigt Best Buy. Auch sehe man von einer Umtauschaktion ab. Ist ja klar: dass der Kunde für die Reparatur von Macken bei Soft- und Hardware zuständig ist, ist eine Tradition der IT-Branche. Das Unternehmen versicherte aber, dass der Virus nur auf einem Computer aktiv werden und USB-Laufwerke, Speicherkarten und Kameras nicht infizieren kann.

Letztes Jahr musste Seagate eingestehen, dass einige ihrer Maxtor-Festplatten mit einem Trojaner infiziert waren. 2006 traf es Apple mit einem Virus auf manchen iPods. Damit nicht genug: In den letzten Jahren waren GPS-Navigationsgeräte, Digitalkameras, Speicherkarten, MP3-Player und bereits andere digitale Bilderrahmen von Viren und Trojanern betroffen.

Ein mit dem Internet verbundener Kühlschrank erspart einem vielleicht den Blick aufs Haltbarkeitsdatum der Milch. An dessen Stelle tritt jedoch der regelmäßige Virenscan im Tiefkühlfach. Na toll.

Anonyphone stellt Simkarten-Tausch ein

Nachdem die Kritik des Bund deutscher Kriminalbeamten (BDK) an Anonyphone.de eine kontroverse Diskussion angestoßen hat, setzen die Seitenbetreiber ihr Angebot bis zu einer "zweifelsfreien Klärung der Rechtslage" aus. Der BDK bezeichnete das Angebot von Anonyphone als "unmoralisch und für die Polizeiarbeit fatal".

Auf der Website werden gebrauchte Prepaid-Karten zum Kauf angeboten, die zwar den Zugriff auf ein Mobilfunknetz gewähren, aber nicht mehr auf eine bestimmbare Person (samt hinterlegten Daten) zugelassen sind. Dieser Handel mit de facto anonymen SIM-Karten sei nicht verboten, so Anonyphone in einer Stellungnahme: "Unser Angebot richtet sich an alle Bürger, die mit einer wahllosen Speicherung ihrer elektronischen Kommunikation nicht einverstanden sind."

Anonyphone ist nicht der erste Versuch, die Registrierungspflicht für Handys zu umgehen – um damit die Vorratsdatenspeicherung im Mobilfunk zu unterlaufen. Anfang des Jahres versuchte sich der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung an einer Handykarten-Tauschbörse. Ein möglicher Missbrauch und Skepsis gegenüber echter Anonymität durch anonyme SIM-Karten führten zum Ende der Unterstützung durch den Arbeitskreis.

Anwalt setzt Kopfgeld auf Blogger aus

A propos Anonymität: Ein Anwalt aus Chicago wird zusammen mit seiner Kanzlei von einem Blog kritisiert. Der Anwalt vermutet die Konkurrenz hinter den Lästerattacken und schreibt laut Abajournal.com ("Law News Now") eine Belohnung von 10.000 Dollar für den aus, der ihm die Identität hinter dem "Troll Tracker"-Blog enthüllt.

Der anonyme Blogger – sich selbst beschreibt er als "Anwalt, der einfach nur an Patentstreitigkeiten, aber nicht an Öffentlichkeit interessiert ist" – kritisiert Firmen, die Patente besitzen aber nicht notwendigerweise auch Produkte herstellen. Diese Firmen kassieren Lizenzgelder von Unternehmen, welche die patentierte Technologie benutzen – oder klagen, wenn die sie nicht zahlen wollen. Mehr zur Praxis der Patent-Trolle beim Chicago Tribune.

Das Troll-Tracker-Blog beobachtet solche Patent-Trolle und beschreibt deren Geschäftsgebaren mit bissigen Kommentaren.

In die Kritik geriet nun auch Niro. Doch der vermutet nicht etwa einen aufklärerischen Freiheitsanwalt hinter dem Blog, sondern die Konkurrenz: Die sollte sich für ihre Ansichten verantwortlich zeigen – und den Schleier fallen lassen. "Ich will herausfinden, wer diese Person ist", sagt Niro. Sein ursprüngliches Angebot von 5.000 Dollar im "IP Law & Business"-Handelsmagazin verdoppelte er. Alles, um klar zu machen, ob er "ein Angestellter von Intel oder Microsoft" ist. "Hat er Verbindungen zu regelmäßigen Rechteverletzern? Ich glaube, das würde das, was er zu sagen hat, in neuem Licht erscheinen lassen."(Link: Registrierung nötig)

KDE-Basis QT wechselt den Besitzer: Nokia kauft Trolltech

Noch so ein Aufdecker. Nokia schnappt sich Trolltech und die ganze Welt fragt sich: Was ist das eigentlich? Was machen die?

DerStandard.at klärt auf: Trolltech ist eine norwegische Software-Firma. Die Hauptprodukte von Trolltech sind das grafische Toolkit Qt sowie die Anwendungsplattform Qtopia. Weiter: Qt kommt unter anderem bei der Software des Internet-Telefonie-Anbieters Skype sowie beim Weltenbetrachter Google Earth zum Einsatz. Zusätzlich bildet es die Basis des Unix/Linux-Desktops KDE, von dem erst vor kurzem die Version 4 veröffentlicht worden ist.

Ein starker Grund für die Übernahme durch Nokia dürfte aber auch Qtopia gewesen sein. Immerhin kommt die "Phone Edition" der Anwendungsplattform bereits in einer Reihe von Mobiltelefonen zum Einsatz, darunter auch einige Modelle von Motorola.

ZDNet erklärt den Vorteil für Nokia: Entwickler könnten damit Lösungen bauen, die sowohl im Internet, auf Nokia-Geräten als auch auf PCs lauffähig sind. Bisher setzt Nokia für seinen plattformübergreifenden Ansatz vor allem Java, Flash, Web Runtime und Open C ein.

Eine Frage, die sich die Linux-Welt jetzt jedoch stellt: Wie geht es jetzt mit Qt weiter? Trolltech versichert immerhin: "Wie bisher" - nur eben mit der Unterstützung von Nokia im Hintergrund.

Die Welt, ein Dorf mit vielen Augen

A propos Google Earth: Erst fotografiert Google uns aus dem Weltall beim Sonnen auf dem Balkon, dann schickt die gruselige Datenkrake eine Minivan-Flut durch amerikanische Großstädte, um deren Straßenzüge samt Menschenanhang zu fotografieren. Was kommt als nächstes? Diese beiden jungen Männer stießen auf ein dunkles Geheimnis…

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