Netzwelt-Ticker: Web-Guerilla will YouTube mit Pornos überschwemmen

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Das Anarchoforum 4Chan nimmt sich YouTube vor - um einen pummeligen Jungen zu rächen. Außerdem im Überblick: Zugriff auf alle Funktionen von Windows 7 auf einmal, Einblick in die tiefsten Geheimnisse des PC - ein simpler Trick macht's möglich. Und mehr.

Aufruf bei 4Chan: "Pornos, gemischt mit arbeitsplatztauglichen Bildern" Zur Großansicht

Aufruf bei 4Chan: "Pornos, gemischt mit arbeitsplatztauglichen Bildern"

Wer sich am Mittwoch, den 6. Januar, bei YouTube auf die Suche nach süßen Tiervideosund massiv unter Drogen stehenden Kindern macht, soll auf Pornos stoßen. Das ist der infame Plan der Web-Vandalen von 4Chan. Wie schon im Mai 2009 wollen sie das Videoportal mit Pornovideos überfluten und versuchen so, dessen Selbstreinigungsmechanismen zu überlasten. Mindestens einen Tag lang soll es bei YouTube dann massenweise Erwachsenenfilme zu sehen geben - das ansonsten jugendfreie Angebot soll hinter einem Schleier nackten Fleisches verschwinden. In einem an diversen Orten im Netz publizierten Aufruf werden präzise Anweisungen für ein konzertiertes Vorgehen gegeben, mit denen YouTubes Filtersysteme umgangen oder doch mit schierer Masse überrumpelt werden sollen. Und Massen in Bewegung setzen kann 4Chan, das hat das Bilder-Forum in der Vergangenheit mehrere Male bewiesen.

Das Bulletin Board ist eine Mem-Schleuder, eine Brutstätte für ansteckende Ideen, aber auch ein abgründiger Ort, an dem Scheußlichkeiten, rassistische und sexistische Tiraden und Bilder weit jenseits der Grenzen des guten Geschmacks veröffentlicht werden. Eine Zensur findet kaum statt - nur Kinderpornografie ist offiziell nicht erlaubt. Wenn doch etwas Gesetzwidriges auftaucht, bleibt es nicht lang - Threads bei 4Chan überleben üblicherweise nicht länger als eine Stunde, manche verschwinden nach Minuten wieder.

Wenn ein Nutzer dort ein Nacktfoto seiner Freundin einstellt, mit der Bitte um Ratschläge, weil sie ihn angeblich nicht oral befriedigen will, kann das eine zehnseitige Debatte hervorrufen: angereichert mit weiteren, zunehmend drastischen Bildern und immer wüsteren gegenseitigen Beschimpfungen der Teilnehmer. Andernorts wird freundlich über die Vorzüge von Carbon-Chassis für Eigenbau-Autos debattiert, hitzig über Videospielkonsolen oder nostalgisch über Kekse mit Cremefüllung. Die Welt von 4Chan ist dunkel und seltsam, wie das Innenleben eines verwirrten Provinz-Teenagers um 3 Uhr morgens.

Und wozu nun der Porno-Aufruf gegen YouTube? Um die Verbannung des YouTube-Mitglieds Lukeywes1234 zu rächen. Der etwas pummelige Junge mit der Brille, der, teils unterstützt von Oma, drollige Filmchen dreht und online stellt, ist aus unklaren Gründen in den 4Chan-Fokus geraten. Ihm zu Ehren konvertierte die 4Chan-Schar zu erklärten Fans, die seine Videos abonnierten, ihn mit zahllosen Tribut-Videos und endlosen Kommentaren in den YouTube-Himmel hievten - bis YouTube den Stecker zog. Warum genau, ist bislang unbekannt, die Antwort auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE steht noch aus. Lukeywes's mehr als harmlose Videos sind jedoch unter dem neuen Accountnamen Lukeywes123 längst wieder online.

Gottgleich mit Windows 7 umgehen

Findige Windows-Nutzer haben eine bis dato geheime Funktion in Windows 7 entdeckt: Den God Mode. Mit God Mode bezeichnet man in Computerspielen einen Status der allmächtigen Unverwundbarkeit. In Windows 7 bezeichnet es einen Dokumentenordner, der Zugriff auf sämtliche Systemeinstellungen bietet. Ein kleines bisschen Göttlichkeit für einen nach schöpferischer Allmacht strebenden Nerd, voller Systemzugriff auf Armeslänge - und ein An/Aus-Knopf: die ewige System-Wiederkehr.

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Windows 7: Das bessere Vista
Den God Mode aktiviert man ebenso kryptisch wie einfach, indem man in Windows 7 einen neuen Ordner erstellt und in "GodMode.{ED7BA470-8E54-465E-825C-99712043E01C}" umbenennt. In diesem Ordner befinden sich dann Links zu Hunderten Windows-Einstellungen: "Sichtbarkeit des Mauszeigers verbessern", "Dateierweiterungen ein- oder ausblenden", "Arbeitsspeicherprobleme des Computers diagnostizieren". Diagnose-Gnostik dank Gottesmodus. Bei Cnet gibt's ein Anleitungsvideo.

Kein iTunes-Killer von Spotify & Google

"Media Maverick"-Blogger Greg Sandoval bringt es auf den Punkt: Erwartet nicht, dass (der Musikstreaming-Dienst) Spotify und (das Internetunternehmen) Google am Dienstag einen iTunes-Killer vorstellen werden.

Der Plan wäre so schön gewesen: Wenn Google am Dienstag das Handy Nexus One in den USA vorstellt, hätte die Spotify-Software das Handy zu einem echten iPod/iTunes-Problem werden lassen können. Mit Spotify kann man Musik aus dem Internet streamen, also wie im Radio live anhören. Spotify ist in einigen Europäischen Staaten in werbefinanzierter Form kostenlos, nur für die werbefreie Variante und die Handy-Software muss man ein Abo bezahlen. In den USA gibt es Spotify bislang nicht - Plattform und Musiklabels können sich nicht auf einen Preis für die Musiklizenzen einigen.

Eben diese Lizenzstreitigkeiten scheinen nun auch Googles Pläne für einen iTunes-Killer zu durchkreuzen. Wenn die Informationen im "TechCrunch"-Blog stimmen, haben drei der vier Major-Plattenlabels einem US-Start der Spotify-Software ihre Unterstützung versagt. Heißt: Wenn am Dienstag das Nexus One vorgestellt wird, wird die Spotify-Software entweder mit einem arg eingeschränkten Funktionsumfang installiert sein - oder eben gar nicht.

Allerdings gibt es auch Zweifel an der Geschichte: So will Charles Caldas, Geschäftsführer des Indie-Metalabels Merlin, nichts von Lizenzanfragen bezüglich einer Spotify-Version für Googles Nexus One gehört haben. Merlin repräsentiert als selbsternanntes "virtuelles fünftes Majorlabel" Tausende Indie-Labels und ist ein wichtiger Lizenzpartner von Spotify - bei einem US-Start wäre das Label wohl bereits gefragt worden.

Konkrete Streitigkeiten und Gerüchte hin und her: Spotify und ähnliche Angebote nehmen an Wichtigkeit zu - die Onlineradios werden zum Problem für Apples Musikshop iTunes.

Warum? Die Online-Musikindustrie, darunter auch Apple, bewegt sich weg vom MP3-Prinzip: Der Vorstellung, dass Musikhörer einzelne Dateien besitzen, sie auf ihren Computern und Mediaplayern speichern, um sie unterwegs anzuhören. Mit der ständigen Internetverbindung mobiler Musikabspielgeräte kann die Musik auf Servern gespeichert und von zentralen Onlinediensten verwaltet werden. Das ist praktisch für die Nutzer, immerhin müssen sie kein Dateichaos mehr bewältigen und haben Zugriff auf immense Musiksammlungen. Zum anderen ist es praktisch für die Musikverwalter: Behalten sie doch die Kontrolle über ihre Musikrechte und deren konkrete Nutzung.

Filme bei Bild.de

Die "Bild"-Zeitung hat ein Streaming-Angebot für Spielfilme eröffnet: film.bild.de. Zum Start gibt es dort zwölf Spielfilme kostenlos zum Onlineschauen. Cineasten können sich den Probeklick aber erstmal sparen. Neben Trash gibt's bei "Bild"-Kino bislang nur ein paar Lock-Schmonzetten: "Good Will Hunting", "Ein Sommernachtstraum" und "Blade". Laue TV-Kost.

Täglich um 18 Uhr wird ein neuer Film freigegeben - heute, Dienstag den 5. Januar, die Action-Klamotte "Rush Hour". Damit es keinen Ärger mit dem Jugendschutz gibt, zeigt "Bild"-Kino Filme, die einem Jugendschutz unterliegen, erst ab 22 Uhr. Und damit das Angebot auch wirklich wie Fernsehen wirkt, werden die Filme regelmäßig von Werbeclips unterbrochen.

Von einem deutschen Hulu.com, dem Paradebeispiel eines Online-Fernsehangebots, ist "Bild"-Kino - wie auch alle anderen deutschen Onlineanbieter - noch weit entfernt. Keine Serien, keine HD-Qualität, eine viel zu kleine Filmauswahl. Um mit den vielen illegalen Streaming-Angeboten mithalten zu können, müsste sich zumindest all das schnell ändern. Vorwürfe darf man diesbezüglich jedoch nicht Bild.de machen: Die Rechteverwalter für Filme und Serien sind offenbar sehr schwierig, wenn es um den Onlinevertrieb geht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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1. .
kuchenbob, 05.01.2010
Ich würde lukeywes1234 (jetzt lukeywes123) gern als kleinen Bruder haben und würde mich freuen wenn /b/ das hinbekommen würde, bin aber sehr skeptisch. Wie kann man diesen Pummel nicht mögen? http://www.youtube.com/watch?v=LQDyllCTTbA Ein Freund von Lukey, giggity879 (ebenso jung und pummelig) sagt jemand hätte youtube gesteckt, dass Luke das Mindestalter für die Nutzung noch nicht erreicht hat und sein Zugang daher gesperrt wurde. DRAMA! =) Ich setze jetzt meinen Hut aus Silverfolie auf (zur Geisterabwehr) auf, schaue mir noch ein paar Mal die Super Luigi Super Show an und bin gespannt was morgen passiert. Wie unendlich langweilig wäre das Interweb ohne 4chan...
2. God Mode
klausewitz 05.01.2010
Weshalb nur Windows 7? Der Trick (Ordner GodMode.{ED7BA470-8E54-465E-825C-99712043E01C}) funktioniert auch in Windows Vista, genau wie beschrieben...
3. Ay
TotalRecall 05.01.2010
Sind wir nicht alle ein bisschen "lukeywes123"?
4. DevilMode...
orosee 06.01.2010
...geht genauso. Ich rate mal, dass vor dem Punkt einfach nur der Name stehen muss, den das Verzeichnis spaeter haben soll. Der Aktivator ist in den geschweiften Klammern. Vorsicht vor der Anwendung in 64bit Windows; da haben Leute jede Menge Probleme mit Systemabstuerzen (Explorer Crash).
5. Ein allerletztes Mal...
orosee 06.01.2010
...schreiben, nur um den Beitrag abzuwerten. Die Nachricht mit dem ollen GodMode kann man ja nur als milden Scherz verstehen, zehn Minuten Google-Recherche (einschliesslich Lesen der Artikel, Verfolgung anderer interessanter Links, usw.) haette der Schreiber vielleicht doch investieren sollen. Ah, wir sind ja bei Spiegel Online, der autorisierten Parodieseite auf das ehemals meinungsgebende Printmagazin. Ich habe jetzt tatsaechlich eine ganze Stunde wegen diesem Schwachsinn verschwendet. "Spiegel Leser wissen mehr" (als der Spiegel).
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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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