Netzwelt-Ticker Wie Apps Smartphone-Besitzer ausspionieren

Smartphone-Apps senden eine Menge persönlicher Daten in alle Welt, ohne dass Handybesitzer etwas mitbekommen. Microsoft lizenziert keine Schmuddelanwendungen für Kinect und deutsche Nachrichtendienste lauschen mehr denn je. Das und mehr im Überblick.

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Smartphones: Apps als ständig spionierende Begleiter?
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Smartphones: Apps als ständig spionierende Begleiter?


Dem durchschnittlichen Smartphone-Besitzer dürfte kaum bewusst sein, wie viel sein kleines Helferlein in der Hosentasche über seinen Herrn weiß. Und auch, unter Umständen, unaufgefordert nach Hause überträgt. Die eigentlichen Übeltäter sind dabei die Apps, die auf die Geräte geladen wurden. Das "Wall Street Journal" (WSJ) hat sich das Verhalten einer kleinen Auswahl solcher Zusatzanwendungen näher angesehen und kommt zu einer erschreckenden Erkenntnis: Persönliche Daten wie die Geräte-ID, ja sogar der genaue Aufenthaltsort werden kontinuierlich an eine Reihe von neugierigen Unternehmen weitergeleitet, ohne dass der Handybesitzer davon etwas mitbekommt.

In einer Untersuchung wurden 101 populäre Apps unter die Lupe genommen, Spiele und sonstige Anwendungen für iPhones und Android-Geräte. Davon übertrugen 56 Stück ungefragt die jeweilige Gerätenummer, 47 verrieten ihren Aufenthaltsort. Für Firmen, die im Bereich der zielgenauen Online-Reklame unterwegs sind, ist dieses Verhalten natürlich Gold wert, lassen sich mit den Daten doch individuelle Nutzerprofile erstellen. Und womöglich ortsbezogene Werbeeinblendungen organisieren.

Unter den getesteten Anwendungen erwiesen sich iPhone-Apps als wesentlich auskunftsfreudiger als Anwendungen, die auf Android-Telefonen laufen. Den Vogel schossen Apps ab, die "TextPlus 4" enthielten. Das ist eine verbreitete iPhone-Anwendung zum Textversand. Nicht weniger als acht Online-Reklamefirmen erhielten laut "WSJ"-Test die Gerätenummer und die Vorwahl des Smartphones. An immerhin zwei gingen zudem Informationen über Alter und Geschlecht des Besitzers.

Die Verantwortlichen der Handyhersteller beeilten sich indessen, ihre Anstrengungen um den Datenschutz herauszustellen. So erklärte Apple-Sprecher Tom Neumayr: "Für unsere Kunden haben wir einen besonders starken Datenschutz geschaffen, vor allem, was die Ortsdaten angeht."

Microsoft mag keine Porno-Erweiterungen für Kinect

Das war ja klar, dass Bewegungssteuerungen auch für erotische Inhalte benutzt werden. Das Anfang November vorgestellte Kinect von Microsoft macht da keine Ausnahme. Keine zwei Monate auf dem Markt, schon haben Entwickler ein 3D-Sex-Spiel für die Xbox 360 veröffentlicht. In einem YouTube-Clip demonstrierte das österreichische Erotikunternehmen Thrixxx die, nun ja, bescheidenen Fähigkeiten seiner Neuentwicklung.

Angesichts der Empfindlichkeit, mit der die amerikanische Öffentlichkeit auf erotische Inhalte reagiert, ist Microsofts Missvergnügen über den Erfindungsreichtum aus Europa nur zu verständlich. Eine offizielle Genehmigung wird es für diese Art der Nutzung aus Redmond jedenfalls nicht geben. Gegenüber der "LA Times" erklärte ein Microsoft-Sprecher: "Das ist nicht das erste Beispiel für eine Technologie, die nicht im Sinne ihres Herstellers genutzt wird, und es wird nicht das Letzte sein. Microsoft hat seine Technologie nicht für diese Art der Nutzung lizenziert. Die Xbox ist eine Konsole für familienfreundliche Spiele und Unterhaltung, sie erlaubt keine nicht jugendfreien Inhalte."

Abhörquote deutscher Nachrichtendienste ist 2009 drastisch angestiegen

Wovon in der Öffentlichkeit und sonstwo auch geredet wird - manche hören nur zu. Die deutschen Nachrichtendienste machen da keine Ausnahme, im Gegenteil. Dem Deutschen Bundestag liegen zwei Berichte über Abhörmaßnahmen vor, aus denen ein starker Anstieg der Lausch-Aktivitäten hervorgeht. So wurden im Rahmen der sogenannten G10-Maßnahmen, die das Abhören von Auslandstelefonaten und das Abfangen von Postsendungen erlauben, auch statistische Auswertungen bestimmter Suchbegriffe vorgenommen. Welche Wörter da genau im Fokus waren, bleibt geheim. Bekannt wurde jedoch, dass im Bereich "Internationaler Terrorismus" 1,8 Millionen "Telekommunikationsverkehre" anhand entsprechender Suchbegriffe erfasst wurden. Im Vorjahr waren es lediglich 350.000 gewesen.

Die Erklärung für diesen immensen Anstieg klingt zumindest ein wenig fachfremd. Die hohe Zahl begründe sich mit dem "sehr hohen Spam-Anteil", wie "Heise" zitiert. Nachrichtendienstlich relevant waren nur die wenigsten Telekommunikationsverkehre, gerade einmal 69 wurden so bewertet, knapp 0,004 Prozent.

Weihnachtsgrüße immer noch lieber am Telefon als per SMS

Weihnachten ist ein Fest der Traditionen, das gilt auch für die im Alltag längst an Notebook und E-Mail gewöhnten Deutschen. Der IT-Verband Bitkom ließ 1000 Personen ab 14 zu ihrem bevorzugten Weg befragen, Weihnachtsgrüße zu verschicken. Und da liegt das Telefon uneinholbar an der Spitze. 75 Prozent der Befragten wollen Angehörige und Freunde zum Fest anrufen. Sogar der gute, alte Brief kommt an Weihnachten wieder zu Ehren, immerhin die Hälfte der Deutschen greift zu Stift und Papier. 26 Prozent schreiben lieber eine E-Mail und nur jeder Fünfte bedenkt die Seinen mit einer SMS zum Fest. Bemerkenswert ist dabei vor allem der sinkende Anteil der E-Mail-Freunde. Der lag vor nur zwei Jahren noch bei 33 Prozent. Vor allem für Teenager ist diese Art der Kommunikation Schnee von gestern. Von den unter 20-Jährigen schreiben zwar 30 Prozent eine E-Mail zu Weihnachten, aber schon 36 Prozent wünschen über soziale Netzwerke ein frohes Fest.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
glass88 20.12.2010
1. Überprüfen Sie ....
...eingentlch die Links die Sie einbauen? der zum WSJ führt ins Nirvana...
roflem 20.12.2010
2. büddesehr
Zitat von glass88...eingentlch die Links die Sie einbauen? der zum WSJ führt ins Nirvana...
http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704368004576027751867039730.html?KEYWORDS=apps
toxiBLN 21.12.2010
3. There's an app for that
Na, der Thread ist ja wieder wie geschaffen für alle die schon immer wussten wie böse Apple und/oder Google doch sind. Hauptsache, morgen beim Weihnachtseinkauf bei real die Payback-Karte nicht vergessen. Und webmiles müssen ja auch noch eingelöst werden... :) Bei jeder App die ich bisher im Android Store heruntergeladen habe, wurde mir angezeigt auf welche Funktionen des Telefons besagte App zugreifen will. Und wenn ich "Location Based Services" auswähle, dann WILL ich doch gerade das mein Standort bekannt wird. Ich denke, das größte Risiko sitzt nachwievor vor dem Computer und vor dem Handy. Wer hier bedenkenlos jeden "Britney Spears Naked Screensaver" installiert, dort seine Kreditkartendetails bei einer Bank eingibt bei der er gar kein Kunde ist, wird auch gnadenlos alles installieren und abnicken und bestätigen was ihm da unter die Nase kommt. Den Kopp einschalten hilft da mitunter Wunder... :) http://www.youtube.com/watch?v=EhkxDIr0y2U
ergosum_senior 21.12.2010
4. Jetzt aber mal langsam
Zitat von toxiBLNNa, der Thread ist ja wieder wie geschaffen für alle die schon immer wussten wie böse Apple und/oder Google doch sind. Hauptsache, morgen beim Weihnachtseinkauf bei real die Payback-Karte nicht vergessen. Und webmiles müssen ja auch noch eingelöst werden... :) Bei jeder App die ich bisher im Android Store heruntergeladen habe, wurde mir angezeigt auf welche Funktionen des Telefons besagte App zugreifen will. Und wenn ich "Location Based Services" auswähle, dann WILL ich doch gerade das mein Standort bekannt wird. Ich denke, das größte Risiko sitzt nachwievor vor dem Computer und vor dem Handy. Wer hier bedenkenlos jeden "Britney Spears Naked Screensaver" installiert, dort seine Kreditkartendetails bei einer Bank eingibt bei der er gar kein Kunde ist, wird auch gnadenlos alles installieren und abnicken und bestätigen was ihm da unter die Nase kommt. Den Kopp einschalten hilft da mitunter Wunder... :) http://www.youtube.com/watch?v=EhkxDIr0y2U
immer schön bei der Sache bleiben. Es geht hier nicht darum zu bewerten, ob jeder talentfreie Benutzer nun intelligent genug ist, sich die Konsequenzen aus der Benutzung von Plastikkarten zu überlegen. Hier gibt es ja genügend, die sich darüber bewußt sind, welche Information sie damit preisgeben und das ebenso bewußt auch in Kauf nehmen. In diesem Artikel geht es um einiges mehr. Beispielsweise darum das Apple und Co. entgegen den eigenen Beteuerungen und dem unerschütterlichen Glauben so vieler Foristen nun doch persönliche Daten erheben und diese weiterleiten. Es dabei geht nicht nur um irgendeine generische ID des Telefons, die sich ständig ändert (habe ich damals schon nicht geglaubt) und ein paar Signaldaten von irgendwelchen WiFi's und Funkmasten, sondern um möglichst eindeutige, möglichst umfangreiche und wenn es geht möglichst lückenlose Daten des jeweiligen Benutzers (Telefons), die ganz klar einem Individuum zuzuordnen sind. Und es geht darum, dass der Benutzer nicht dazu gefragt wird. Er hat nicht die Entscheidung darüber. Das macht den großen Unterschied. Und übrigens: Ja, ich habe gelesen, dass alle, die solche Daten ungefragt und ohne Wissen erheben, schwer damit beschäftigt sind zu behaupten, dass sie die Daten nicht einem Individuum zuordenen können.
Torfkopp 21.12.2010
5. Tja,
Zitat von ergosum_seniorimmer schön bei der Sache bleiben. Es geht hier nicht darum zu bewerten, ob jeder talentfreie Benutzer nun intelligent genug ist, sich die Konsequenzen aus der Benutzung von Plastikkarten zu überlegen. Hier gibt es ja genügend, die sich darüber bewußt sind, welche Information sie damit preisgeben und das ebenso bewußt auch in Kauf nehmen. In diesem Artikel geht es um einiges mehr. Beispielsweise darum das Apple und Co. entgegen den eigenen Beteuerungen und dem unerschütterlichen Glauben so vieler Foristen nun doch persönliche Daten erheben und diese weiterleiten. Es dabei geht nicht nur um irgendeine generische ID des Telefons, die sich ständig ändert (habe ich damals schon nicht geglaubt) und ein paar Signaldaten von irgendwelchen WiFi's und Funkmasten, sondern um möglichst eindeutige, möglichst umfangreiche und wenn es geht möglichst lückenlose Daten des jeweiligen Benutzers (Telefons), die ganz klar einem Individuum zuzuordnen sind. Und es geht darum, dass der Benutzer nicht dazu gefragt wird. Er hat nicht die Entscheidung darüber. Das macht den großen Unterschied. Und übrigens: Ja, ich habe gelesen, dass alle, die solche Daten ungefragt und ohne Wissen erheben, schwer damit beschäftigt sind zu behaupten, dass sie die Daten nicht einem Individuum zuordenen können.
das ist aber nichts Neues. guckt man HIER (http://de.wikipedia.org/wiki/Echelon)
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