Netzwelt-Ticker: Wurm-Angriff auf Twitter

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Ein Wurm attackiert Twitter-Nutzer, eine Gratis-Firewall erfindet Trojaner und drängt so zum Kauf der Vollversion und Apple legt sich Gesichtserkennung zu. Das und mehr im Überblick.

Twitter: Tausende Nutzer waren von Sicherheitslücke betroffen Zur Großansicht
AFP

Twitter: Tausende Nutzer waren von Sicherheitslücke betroffen

Durch eine Sicherheitslücke bei Twitter wurden am Dienstag ungewollt unzählige Tweets mit JavaScript-Code versendet. In einzelnen Fällen verwiesen dabei Links zu einer Porno-Website aus Japan, in anderen Fällen wurde die Seite der Nutzer soweit verunstaltet, dass sie nicht weiter lesbar war.

Nicht durch eigene verseuchte Tweets betroffen waren Nutzer, die Twitter über einen Client nutzen. Sie sahen lediglich wirre Code-Zeilen in der Timeline anderer Nutzer. Viele, die den Microblogging-Dienst über die Twitter-Webseite (nur die Standard, nicht die Mobilversion) aufriefen, versendeten jedoch unfreiwillig Botschaften, die teilweise ihrerseits Funktionen enthielten und so die Verbreitung erhöhten.

Verursacht wurde die Sicherheitslücke durch eine Javaccript-Funktion "onmouseover", die eine Aktion durchführt, sobald der Nutzer mit dem Mouse-Cursor über einen bestimmten Bereich fährt. In einigen Fällen waren dies farbige Stücke in einzelnen Botschaften, gelegentlich aber auch überdimensionale Buchstaben, die sich über den Desktop erstreckten. Sogar Fälle, bei denen allein das Aufrufen der Seite genügte, um betroffen zu sein, traten auf. Am Nachmittag deutscher Zeit erklärten Twitter-Mitarbeiter die Sicherheitslücke für gestopft.

Erst nach mehreren Stunden konnte das Problem behoben werden. Die Ausdrücke "security flaw", "mouseover", "onmouseover" und "twitter got hacked" schafften es Weise in die trending topics auf Twitter. Der Angriff ist für Twitter besonders ärgerlich: Der Dienst bemüht sich gerade seine Nutzer wieder verstärkt dazu zu bringen, das eigene Web-Angebot von Twitter für das Versenden und Lesen der Kurznachrichten zu gewinnen.

dpa/adg

Antivirensoftware erfindet Trojaner

Freie Antivirensoftware wird von Millionen Netzsurfern gerne benutzt, um sich gegen unliebsame Infektionen zu schützen. Doch manchmal spielen auch die Gratis-Helferlein kein ehrliches Spiel. So vertreibt das israelische Unternehmen Check Point die Firewall Zonealarm. Die ist normalerweise zum Nulltarif zu haben, auch wenn es eine erweiterte, kostenpflichtige Version gibt. Zu deren Erwerb zum Preis von 20 Dollar fordert die englischsprachige Basis-Version 9.2 seit kurzem ihre Nutzer auf. Grund sei die Infektion mit einem Trojaner "ZeuS.Zbot.aoaq", der Bankdaten ausspäht. Zu dessen Abwehr sei "zusätzliche Sicherheit" vonnöten, also der Kauf des Komplettpakets, warnt ein Popup.

Der Zeus-Trojaner ist allerdings eine 100-prozentige Erfindung, wie "Chip" meldet. In Wirklichkeit existiere er überhaupt nicht, das ganze sei nichts weiter als ein "Marketing-Trick". Also verwandelt sich ein eigentlich hilfreiches Tool in reine Scareware. Die verängstigt Anwender mit erfundenen Schadensmeldungen und fordert zum Kauf von Produkten auf, die vermeintliche Abhilfe leisten.

Damit nicht genug, schwärzt Zonealarm auch noch die Konkurrenz an. Andere Virenscanner wie zum Beispiel die von Norton oder AntiVir würden bei "ZeuS.Zbot.aoaq" keine Warnhinweise geben. Nutzer der deutschsprachigen Version blieben vor derlei Meldungen bislang verschont.

Microsoft-Manager tönt: Kein Mensch spielt Ego-Shooter auf dem PC

Die Macher des Ballerspiels "Halo: Reach" können sich vor Freude gar nicht mehr einkriegen, so gut verkauft sich die neueste Spielentwicklung von Microsoft. Allerdings beschleunigt das jüngste Produkt aus der Halo-Spieleserie eine Entwicklung, die Microsoft-Mann Kudo Tsunoda mit einfachen Worten zusammenfasst: Fast niemand spielt Ego-Shooter noch auf dem PC. Ähnlich, wie die Entwicklung vom Personal Computer hin zur Konsole fortgeschritten sei, werde es sich mit der Spielesteuerung durch Körperbewegungen verhalten. Die hauseigene Hardware-Entwicklung Kinect verfolge genau dieses Ziel.

Auch wenn viele Gamer dieser Art der Portierung mit Zurückhaltung gegenüberstünden, gebe es dafür keinen Grund. Schon damals, "als jeder Schießspiele auf die Konsole portierte, machte es nicht soviel Spaß wie auf dem PC. Natürlich nicht, sie waren ja auch für PCs entworfen." Analog sei es mit der Bewegungssteuerung. Erst wenn Spiele die auf darauf zugeschnitten seien, entworfen würden, könnten sie das Potential ausschöpfen.

PC-User zufrieden wie nie

Der Abschied des gemeinen Rechenknechts von Ballerspielen tut seiner Beliebtheit jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil. Laut der Zahlen beim amerikanischen Index für Verbraucherzufriedenheit sind Computerbesitzer mit ihren Geräten so zufrieden wie noch nie. Auf einer Skala von 100 möglichen Punkten erreichen Heimcomputer 2009 einen Wert von 78. Geräte vom Unterhaltungselektroniker Apple scheinen ihren Besitzern besonderen Auftrieb zu verleihen, Computer mit dem Apfellogo erzielten sogar 86 Punkte. Windows-Rechner schneiden nicht ganz so gut ab, liegen aber je nach Hersteller zwischen 74 und 77 Punkten.

Apple kauft Gesichtserkennung

In der Gerüchteküche geht gerade die Nachricht vom Kauf der schwedischen Softwareschmiede Polar Rose durch Apple um. Polar Rose hat ein System entwickelt, mit dem auf Fotos Menschen erkannt und markiert werden können. Dieser Service war auch als Add-on für den Internet Explorer und Firefox zu haben. Daneben entwickelten die Techniker die Gesichtserkennung weiter und lizensierten sie an große Betreiber. Damit aber war die Zeit der Gratisangebote zum Beispiel zur Nutzung auf Flickr vorbei.

Für Apple ist die Neuerwerbung vor allem interessant, weil es nun auch Zugriff auf die Mobil-Anwendung FaceLib erhält. Die Gesichtserkennung fürs Handy wurde zwar für Android entwickelt, funktioniert jedoch auch auf dem iPhone. Ein einmal erkanntes Gesicht kann damit ohne weitere Probleme mit Diensten wie YouTube oder Facebook und darin auftauchenden Personen verknüpft werden, wie "Mac1" aus Norwegen berichtet.

Geklaute Gitarre taucht nach acht Jahren bei eBay auf

Eine Gibson Les Paul Special-Gitarre kann schon mal ein paar tausend Dollar wert sein. Entsprechend traurig war Doug Duncan, als ihm 2002 sein über 50 Jahre altes Exemplar in Minnesota gestohlen wurde. Der Verlust ließ ihn nie los, der 57-jährige Musiker richtete beim Online-Auktionator eBay eine E-Mail-Benachrichtigung für den Fall ein, sollten ähnliche Instrumente angeboten werden. Tatsächlich erfuhr er so im letzten Monat, dass eine entsprechende Gitarre in Kalifornien zum Verkauf stand. Und aufgrund der Seriennummer war klar, dass es sich um Duncans Gitarre handelte. Sogar das Klebeband, das er einst auf den Gitarrenkasten geklebt hatte, war noch an Ort und Stelle.

Der Verkäufer, ein Sammler von Musikalien, wusste nichts von dem Diebstahl. Duncan hofft nun herauszufinden, wer dem Sammler das Instrument einst angeboten hat. Und dass er auch eine andere Gitarre aus Kindertagen zurückbekommt, die zusammen mit der Les Paul gestohlen worden war.

Das auch noch:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Quasi nackt in der Öffentlichkeit
MasaGemurmel 21.09.2010
Ansich finde ich die Produkte von Apple hervorragend. Daß die iPhones bald vermutlich Gesichter erkennen können, finde ich eher gruselig. Mal unabhängig von Apple (es ist ja absehbar, daß alle Hersteller mit dieser Technologie auf den Markt kommen werden). Bei aller Technikverliebtheit geht mir das zu weit. Man stelle sich das vor: * Man geht durch die Straßen und jeder kann sein Handy auf mich halten und erhält in sekundenschnelle alle verfügbaren Daten über mich. * Ich bin auf einer Messe und Kameras erfassen mein Gesicht, und über eine Datenbank sind meine Adressdaten und sonstige Infos bekannt. (Spam-Post lässt grüßen) Mir geht das zu weit. Murmel.
2. Egoshooter auf Konsole?
Meckermann 21.09.2010
Ich würde niemals freiwillig einen Egoshooter auf der Konsole zocken. Ich schlafe ja schließlich auch nicht auf Nagelbrettern. Microsoft ist anscheinend immer noch beleidigt, dass sie es nicht geschafft haben die Spieler mit Halo 2 zum Umstieg auf Vista zu verleiten und mit dem Spiel (verdientermaßen) Schiffbruch erlitten haben. Der einzige Grund überhaupt über den Kauf einer Spielkonsole abseits der Wii nachzudenken wäre dass man dort von Securom und ähnlichen kopierschutzschickanen verschont bleibt. Aber seit dort auch die Download-Content-Seuche ausgebrochen ist und man sich für jeden Mist bei X-Box-Live registrieren muss relativiert sich der Vorteil recht schnell wieder. Hm, ok - es könnte ein paar mehr Beat'em Ups für PC geben, geb ich ja zu ;)
3. Antivirensoftware?
sigdrifa 21.09.2010
Zone Alarm free ist eine Firewall. Firewall != Antivirensoftware.
4.
micky2 22.09.2010
Zitat von sigdrifaZone Alarm free ist eine Firewall. Firewall != Antivirensoftware.
Steht ja sogar im Text. Sie sind ja soooo schlau!
5. How to melk the cash cow
Karsteman 22.09.2010
Mir wird unwohl bei dem Gedanken, daß iMoved und iBuyed imerged werden und per iVR dem interessierten iAbonnenten jede Menge i(ntim)Daten wie Umsatzinformationen, sozialer Status, Kinder, bla bla auf sein iDaten-Gerät spielen. In das linke Brillenglas die iVR einzuspiegeln wäre optimal und gut für die Optiker. Der Spaß vergeht einem langsam. Wenn irgenwann, laut Nutzungsvertrag, freiwillig an der Brust plazierte Nano-iSpys erstmals auch die private Umgebung nach "individuell nicht schützenswerten Sachdingen" abscannen und imergen können, werden sich iShop & Co die Hände reiben. Stellen sie sich vor, wie ein Verkäufer nach einem Blick auf seine iInfo Sie anspricht: "Hallo, Herr XY, Sie sind doch XY, Sie könnten mal wieder ein Geschenk für Ihre bezaubernde Frau kaufen, wir haben da schöne Dinge für sie, die mag sie garantiert, glauben Sie mir, sie mochte diese Serie schon bevor Sie mit Ihnen zusammengezogen ist. Ups, Sie sind ja abgebrannt. Macht nichts, Sie kriegen im September ja Ihre Beitragserstattung der Krankenkasse, die könnten wir jetzt gleich mit iCatchYourWallet umbuchen...".
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Zum Autor
Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


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