Netzwelt-Ticker Zuckerberg will doch keine Kinder in sein Netzwerk lassen

Facebook sollen Kinder unter 13 weiterhin nicht nutzen dürfen, Steve Ballmer blickt in die Kristallkugel und sieht dort selbständig arbeitende Computer, EU-Parlamentarier finden Nacktscanner gut, und Sony bleibt im Visier der Hacker. Das und mehr im Überblick.

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Zuckerberg: "Das ist ein Kampf, den wir zu gegebener Zeit aufnehmen werden"
AFP

Zuckerberg: "Das ist ein Kampf, den wir zu gegebener Zeit aufnehmen werden"


Man hat ihn falsch verstanden, sagt Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef wolle, dass auch unter 13-Jährige Facebook nutzen dürfen, hatte die Mail Online berichtet. Auf einer Veranstaltung in Kalifornien habe sich der Facebook-Gründer nun für eine Gesetzesänderung ausgesprochen. Doch da habe man ihn falsch verstanden, sagte Zuckerberg nun der Agentur Reuters: Man bemühe sich explizit nicht darin, auch Kinder unter 13 als Mitglieder aufnehmen zu können. Das sei vielleicht eine Option für die ferne Zukunft, im Moment aber arbeite man daran nicht.

Allerdings tummeln sich laut einer Untersuchung trotz Altersbegrenzung schon jetzt reichlich Kinder in dem Netzwerk, womöglich rund 7,5 Millionen.

Facebook steht immer wieder in der Kritik, weil Mitglieder über die Plattform Mobbing betreiben. Erwachsene könnten versuchen, Kinder auszunutzen, von betrügerischen Links, die auf infizierte Seiten führen, bis hin zu Einladungen von Fremden reichen die Schreckensszenarien.

(cis/ore/Reuters)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, Mark Zuckerberg plane, sich für die Zulassung von Kindern unter 13 bei Facebook einzusetzen. Mittlerweile hat Zuckerberg diese Lesart seiner Äußerungen dementiert. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.

Microsoft-Computer denkt vor

Noch klingt es ein bisschen wie Science Fiction, aber in naher Zukunft werden Computer lernen, was ihre Besitzer tun und aus diesen Aktionen Vorhersagen über des Nutzers nächste Vorhaben ableiten. Sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer auf dem Developer Forum in Tokio. Tatsächlich scheint sein Unternehmen dabei zu sein, entsprechende Techniken zu entwickeln, die dereinst in PC implementiert werden sollen. So zumindest der Eindruck, den "PC Authority" aus den Äußerungen des Konzernchefs abgeleitet hat.

In Zukunft könnten Computer "an unserer Stelle handeln", so Ballmer. Diese von ihm "natürliche Sprache" genannte Technik könnte ein Durchbruch sein. Dann würde es zur Kontrolle eines Rechners ausreichen, nur seine Absicht zu äußern, die konkreten Schritte würde das Gerät dann selbst erledigen: "Mit einem PC heute ist es Datei öffnen, bla bla, bla, antworten, weiterleiten. Ich kann nicht mal eben zu meinem Rechner sagen, mach alles für die Reise nach Tokio fertig."

Schon jetzt gebe es erste Entwicklungsschritte in die entsprechende Richtung, so Ballmer. Etwa Suchmaschinen, die schon beim Eintippen Vorschläge zum wahrscheinlichen Suchbegriff machen. Es gehe stets darum, Computern ein semantisches Verständnis für Dinge und Zusammenhänge anzutrainieren.

Tatsächlich bietet Google Instant eine derartige Echtzeitsuche an, die während der Eingabe des Suchbegriffs Ergebnisse anzeigt. Und Google-´Verwaltungsratschef Eric Schmidt wird selbst nicht müde, ähnlich klingende Vorhersagen über vorhersagende Computer zu machen. Ballmers Prognose über den Rechner, der versteht, was der Mensch will, und ihm die nötigen Arbeitsschritte abnimmt, erinnert auch an eine noch deutlich ältere Zukunftvision: Apples fiktiven "Knowledge Navigator" aus den Achtzigern.

EU-Verkehrsausschuss tritt für Nacktscanner ein

Während sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf der von ihm erfundenen eG8-Konferenz für erweiterte Regierungszugriffe aufs Internet stark macht, setzt auch die EU auf verstärkte Durchleuchtung. Zumindest der Verkehrsausschuss des europäischen Parlaments, der in seiner Sitzung am Dienstag ein Votum für den Einsatz dieser Art der Passagieruntersuchung an Flughäfen abgab. Die sogenannten Nacktscanner könnten die Sicherheit verbessern. Allerdings solle diese Überprüfung nicht verpflichtend werden. Wer sich dem High-Tech-Blick unter die Wäsche verweigere, solle nach wie vor das Recht auf eine herkömmliche Kontrolle beziehungsweise ähnlich effiziente Untersuchungsmethoden haben, teilte der Ausschuss mit. Auch eine mehrmalige Verweigerung solle für den Passagier keine nachteiligen Folgen haben.

Der Ausschuss fand außerdem den Hinweis wichtig, nur solche Geräte zuzulassen, die der Gesundheit der Flugreisenden keinen Schaden zufügten. Daher sollten Geräte, die mit ionisierender Strahlung arbeiten, auf europäischen Flughäfen verboten werden. Um Grundrechte der Passagiere und den Datenschutz zu gewährleisten, dürften Flughafenmitarbeiter und Security keine Originalaufnahmen zu Gesicht bekommen, sondern nur stark verfremdete. Anders als in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, dürften die Scans auch nicht abgespeichert, sondern müssten sofort wieder gelöscht werden.

Google Deutschland sieht keine neue Dotcom-Blase

Die Bewertungen und Börsennotierungen von Internet-Unternehmen steigen in ungeahnte Höhen, bei Börsengängen erlösen Parkettneulinge Werte, die wie bei LinkedIn bis zu 34-fach über dem Jahresumsatz liegen. Trotzdem gebe es keinen Grund, von einer erneuten Dotcom-Blase zu sprechen. Das ist jedenfalls die Meinung von Googles Deutschlandchef für Sales, Stefan Tweraser. Die milliardenschweren Bewertungen von Unternehmen der Gegenwart seien keine Luftbuchungen, ihnen stünden reale Inhalte gegenüber. "Vor zehn Jahren wurden die Bewertungen häufig rein mit dem potentiellen Wachstum begründet. Die Unternehmen, die heute an die Börse gehen, haben ein substantielles Geschäft", zitiert der "Standard" den Manager. Anders als bei vielen Startups vor zehn Jahren gehe es heute nicht hauptsächlich um Erwartungen an kommende Erfolge. Die Geschäftsmodelle von Facebook, Groupon oder LinkedIn hätten sich bereits seit Jahren bewährt.

Weitere Angriffe auf Sony

Zur Abwechslung mal wieder eine Nachricht von der Hackerwelt und Sony. Diesmal hat es Sony Ericsson Kanada erwischt, dessen Webshop Ziel einer Attacke wurde. Bei dem Angriff wurden die Nutzerdaten von 2000 Kunden gestohlen, erklärte laut AFP ein Sony-Sprecher am heutigen Mittwoch. Bereits am Dienstag war der Webauftritt von Sony Griechenland gehackt worden, hier waren knapp 9000 Nutzer betroffen. Ihre Daten, Benutzernamen, Passwörter und E-Mail-Adressen landeten umgehend im Internet und tauchten auf einer Seite namens "Hacker News" wieder auf. Die Hackerszene scheint sich inzwischen so richtig auf den japanischen Konzern eingeschossen zu haben.

Verbraucherschutzministerin bringt Lebensmittelklarheit.de an den Start

CSU-Ministerin Ilse Aigner arbeitet beständig an ihrem Bild als starke Anwältin für den Verbraucherschutz. Doch noch im vergangenen Jahr verhinderte sie die Einführung einer Lebensmittelampel. Die sollte durch die Farben rot, gelb oder grün auf der Verpackung über den jeweiligen Zucker-, Fett-, Salz- und Kaloriengehalt von Lebensmitteln informieren. Lieber setzt die Verbraucherschutzministerin auf das Internet. Dort soll im Juli die Seite Lebensmittelklarheit.de freigeschaltet werden. Wie das "Handelsblatt" erfahren haben will, wird die Ministerin heute eine entsprechende Ankündigung machen.

"Ich setze mich für Klarheit und Wahrheit bei der Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln ein", so die Kernaussage im Redemanuskript der Ministerin. Mit einer einheitlichen und übersichtlichen Kennzeichnung von Lebensmitteln wird das neue Portal jedoch nichts zu tun haben. Es soll Verbrauchern lediglich die Möglichkeit geben, auf der Seite Lebensmittel zu nennen, von deren Inhaltsangaben sie sich getäuscht fühlen. Die Hersteller dürfen dann "Stellung beziehen und ihre Botschaft erklären". Klingt nicht gerade nach einem besonders aufklärerischen Ansatz. Doch selbst das geht der Wirtschaft zu weit. Sie befürchtet einen Pranger-Effekt und ist schon dabei, Klagen vorzubereiten.

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Arckenheidt 26.05.2011
1. Ballmer mal wieder ...
Neal Stephenson hat es in seinem Essay "In the beginning was the command line" treffend auf den Punkt gebracht: Man kann entweder seine Entscheidungen automatisiert aus einem Baukastensystem für sich treffen lassen, dann kann man auch die Klappe halten, wenn einem diese Entscheidungen nicht gefallen; oder man macht sich die Arbeit und trifft seine Entscheidungen selber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ballmer dieses Essay nicht kennt. Expertensysteme wie Watson können bei der Entscheidungsfindung helfen, am Ende des Tages muss der ganze Ablauf aber von einer "nicht-künstlichen Intelligenz" abgenickt werden, ausser Microsoft übernimmt auch die juristische Haftung für Fehlentscheidungen seiner Software. Da dies nicht passieren wird, kann man sich wohl auf den Wiedergängar von Karl Klammer freuen, diesmal auf Steroiden und größenwahnsinnig geworden. Naja, Ballmer gefällt so eine Idee, was für eine Überraschung.
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