Netzwerk: Datenschützer startet Bußgeldverfahren gegen Facebook

Monatelang hat Facebook iPhone-Telefonbücher von Nutzern ausgelesen. Betroffene protestierten, Facebook reagiert zaghaft - inzwischen können Nutzer die Datensätze nachträglich löschen lassen. Das ist dem Hamburger Datenschutzbeauftragten zu wenig: Er leitet ein Bußgeldverfahren ein.

Facebook: So saugt das Netzwerk Telefonbücher Fotos

Das hat gedauert: Im Februar fiel Facebook-Nutzern auf, dass private Kontaktinformationen aus ihren iPhone-Telefonbüchern auf den Facebook-Seiten auftauchen und nicht gelöscht werden können. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar - Facebooks deutsche Niederlassung sitzt in der Stadt - nannte gegenüber SPIEGEL ONLINE das Verfahren "klar unzulässig" und "untragbar."

Auf Fragen zu der Angelegenheit von SPIEGEL ONLINE antwortete Facebook bis heute nicht. Inzwischen können Nutzer das sozialen Netzwerks aber dem Auswerten ihrer Telefonbuchdaten widersprechen und die Informationen löschen lassen. Ausgestanden ist das Datenschutzdebakel damit aber nicht für das US-Unternehmen.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat ein Bußgeldverfahren wegen der Datenspeicherung eingeleitet. Facebook hat nun die Möglichkeit, zu den Vorwürfen bis zum 11. August Stellung zu nehmen. Dass die aus Telefon- und E-Mail-Adressbüchern hochgeladenen Daten nun nachträglich gelöscht werden können, schützt Facebook nicht vor dem Verfahren. Caspar sagte SPIEGEL ONLINE: "Wenn das Unternehmen diese Praxis einstellen sollte, können wir das bei der Bemessung der Bußgeldhöhe einbeziehen."

Das Verfahren beziehe sich aber auf Facebooks Verhalten in der Vergangenheit. Caspar zieht diese Parallele: "Einem Autofahrer, der durch die 30er-Zone rast, wird das Bußgeld ja auch nicht erlassen, wenn er verspricht, das nie wieder zu tun."

Theoretisch ist ein Bußgeld in einer Höhe von bis zu 300.000 Euro möglich. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte warnt aber vor schnellen Schlussfolgerungen: "Ob wir ein Bußgeld festsetzen und wie hoch das gegebenenfalls sein wird, kann man derzeit nicht sagen." Wie das Verfahren weiterläuft, hänge davon ab, wie Facebook reagiert und inwieweit das Unternehmen den Dienst deutschen Datenschutzstandards anpasst.

Ende August werden die Datenschützer die Auswertungspraxis bei E-Mail-Adressbüchern und Telefonbüchern noch einmal mit US-Vertretern des Unternehmens diskutieren.

Caspar zufolge ist dieses Verfahren das erste derartige gegen ein US-Unternehmen. Interessant dürfte die Frage werden, ob die deutsche Facebook-Tochterfirma oder die US-Mutter juristisch der richtige Ansprechpartner ist. Die Hamburger Datenschützer sind derzeit nach den ihnen vorliegenden Erkenntnissen der Ansicht, dass nicht die Facebook-Tochterfirma in Deutschland, sondern die US-Muttergesellschaft die Daten erhebt und verarbeitet.

Sollte tatsächlich die US-Mutterfirma juristisch der eigentliche Ansprechpartner sein, könnte das für Facebook unangenehme Konsequenzen haben. Caspar: "Es ist durchaus denkbar, dass die Datenschutzbeauftragten jedes Bundeslandes entsprechende Verfahren einleiten und Bußgelder verhängen könnten."

lis

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Forum - Verletzt das Netzwerk Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer?
insgesamt 258 Beiträge
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1. Privatsphäre bei Facebook
Thomas Hutter 31.05.2010
Die Privatsphäre-Einstellungsmöglichkeiten bei Facebook sind gigantisch und bietet gute Schutzmöglichkeiten. Das Problem mit der Privatsphäre auf Facebook liegt darin, dass Facebook grundsätzlich zu offene Privatsphäre-Einstellungen vorschlägt. Auf Grund der sehr vielen Funktionen, welche Facebook seinen Benutzern bietet, kann die Tragweite von einem ungeübten oder weniger erfahrenen Benutzer nicht wirklich abgeschätzt werden. Aus diesem Grund habe ich einen sehr umfassenden Privatsphäre-Leitfaden erstellt: http://www.thomashutter.com/index.php/2010/05/facebook-der-ultimative-facebook-privatsphaere-leitfaden-30052010/
2.
Jettenbacher 31.05.2010
Zitat von sysopOder verletzt das Netzwerk die Privatsphäre seiner Nutzer?
Nein. Die Nutzer verletzen ihre Privatsphäre selbst.
3. ... derer von Dummsdorf
frigenium 31.05.2010
Jooooh - genau ! Alle sind gleich und die Partei weiss alles !
4.
nrw_waehler2010 31.05.2010
Die Einstellungen bei Facebook sind spätestens jetzt genügen, um die Privatsphäre zu schützen. Das wohl größere Problem ist die Einstellung der User. Die Leute scheinen einfach nicht zu begreifen, dass alles, was einmal im Internet ist praktisch nie wieder zu entfernen ist. Doch immer mehr scheint das nicht zu interessieren. Also sind es nicht die Unternehmen oder die Politik, die unsere Privatsphäre "verkauft", sondern wir selbst. Wer sich bei Facebook anmeldet, bei Google oder Yahoo, oder irgendeinem anderen amerikanischen Unternehmen sollte sich immer bewusst sein, dass die US-Geheimdienste mitlesen. Doch den meisten scheint das wohl egal zu sein!
5.
utuvien 31.05.2010
Ich verweigere mich solchen zur Selbstdarstellung verkommenen "Social Networks", denn mit sozial hat das Ganze wenig zu tun. Und wenn man dann noch den Fehler begeht, sich nackt bei 4chan zu präsentieren, wird man schnell zur nächsten allseits "beliebten" "Facebook Whore". Da kann Facebook nichts für, sie bieten lediglich die Plattform. Naja, wers braucht.
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Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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