Netzwerk für Modeblogs: Die Kuschelblogger von Muse Net

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Mode-Blog-Netzwerk: Geld verdienen mit Muse Net Fotos
Pablo Heimplatz Photography

Über das neu gestartete Netzwerk Muse Net lassen sich Blog-Autorinnen von der Industrie kaufen. Eine Agentur zahlt ein monatliches Einkommen, die Bloggerinnen sorgen für gute Presse. Die Gründer denken schon an Expansion.

Die Mode-Blogger-Zentrale liegt in einer Backsteinkirche im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, umgeben von Bäumen und Wohnhäusern. Vor acht Jahren ist die Gemeinde ausgezogen. Danach wurde die Kirche erst zum Eventspace umgebaut, dann zogen im vergangenen Jahr eine Social-Media-Agentur und zwei Start-up-Unternehmen ein. Raus mit der Religion, rein mit dem Kommerz.

Auch Mode-Bloggerin Anna Frost arbeitet hier. Seit fünf Jahren schreibt sie auf ihrem Blog Fashionpuppe über Mode und Styling, sie hat Unternehmen erklärt, wie man mit Bloggern in Kontakt kommt und im Auftrag Firmen-Blogs befüllt. Jetzt hat sie zusammen mit dem Digitalberater Jakob Adler die Agentur Monochrome gegründet und will Bloggern beim Geldverdienen helfen.

Viele Hersteller von Mode und Beauty-Artikeln schicken ihre Produkte nur zu gerne an Blogger oder laden sie zu Events ein, damit diese dann lobende Berichte verfassen. Frost hat auf ihrem Blog gerade Karten für die Fashionweek verlost und testet ein aktuelles Smartphone - die Unternehmen versprechen sich davon direkten Zugang zu ihren Kunden, die jungen Blogger sind glaubwürdige Markenbotschafter für Kleider und Kajal.

Markenbotschafter

Bisher können aber nur wenige Blogger davon auch leben, oft genug machen sie kostenlos Werbung. "Die Qualität vieler Blogs leidet darunter, dass die Autoren einen Hauptjob haben oder sich sonst wie über Wasser halten müssen", sagt Frost. Deswegen haben sie Muse Net gestartet, ein kleines Mode-Blog-Netzwerk. Fünf Bloggerinnen bekommen nun jeden Monat eine feste Summe. Wie viel, wollen Frost und Adler nicht sagen, aber die Bloggerinnen sollen sich keine Gedanken über ihre Miete machen müssen. "Außerdem wollen wir sichergehen, dass sie nicht über Katzenfutter oder sonstigen Mist schreiben müssen, der nicht ins Blog passt", sagt Frost.

Auch ihr eigenes Blog Fashionpuppe ist Teil des Muse-Netzwerks. "Es geht nicht um Werbung oder das Kopieren von Pressemitteilungen, am Ende steht bei uns ein persönlicher Blog-Post", versichert Frost. Und doch: Nette Blog-Artikel gegen Geld und Geschenke, so läuft das Geschäft. Wer mitspielt, kann bei einer der großen Modeschauen am Laufsteg sitzen oder sich über teure Kleidungsstücke freuen.

Wie die Blogger die Werbung kennzeichnen, ist ihre Sache, feste Regeln gibt es bei Muse Net nicht. "Die Grenzen sollte jeder für sich ziehen", sagt Frost. Fair, transparent und ehrlich wollen sie sein - gleichzeitig sollen die Berichte aber nicht all zu kritisch ausfallen: "Wir wollen ja nicht die Brücken zu den Unternehmen, die man gerade mühsam gebaut hat, wieder einreißen."

"Überall derselbe Rotz"

Im Gegensatz zu großen Blog-Vermarktern wie Glam Media, bei dem allein der Bereich Style mehr als hundert Blogs zählt, setzt Muse Net nicht auf möglichst viele Leser, sondern auf Exklusivität. "Wenn ich als Leser auf meinen zehn Lieblings-Blogs überall denselben Rotz finde, denselben Wortlaut, das interessiert mich dann nicht mehr", sagt Frost. Derzeit kommen die vier Muse-Blogs nach eigenen Angaben im Monat auf rund 750.000 Besucher, Glam Media weist 11 Millionen aus.

Was nun gekaufte Werbung, vorsorgende Freundlichkeit oder tatsächlich eigene Meinung ist, lässt sich nicht mehr erkennen. Wie auch Frost bieten die Bloggerin von This is Jane Wayne, Tea & Twigs und I love Ponys an, Unternehmen zu beraten und PR-Texte zu verfassen. Die Nähe zu den Werbekunden ist gewollt. "Über das Blog kommt man ja auch an andere Jobs in dem Bereich, man nutzt sein Blog als Portfolio", sagt Frost, "das habe ich auch so gemacht."

Nicht nur für Frost ist das Mode-Bloggen zum Beruf geworden: Bevor Julia Knolle Redaktionsleiterin der deutschen "Vogue" wurde, betrieb sie mit einer Freundin das Blog Les Mads. Das 2007 gestartete Mode-Portal war so erfolgreich, dass schon kurz nach dem Start der Burda-Verlag einstieg. Drei Jahre später wechselte Knolle zum Condé Nast-Verlag. Eine weitere Erfolgsgeschichte ist die von Sami Slimani, der auf YouTube als "Herr Tutorial" auftritt.

Markenbotschafter

Geht es nach Frost und Adler, ist das Muse Net erst der Anfang. Als nächstes könnte Monochrome sich um Netzwerke für Bastel-Blogs oder Wohneinrichtungen kümmern, sagt Jakob Adler. Außerdem wollen sie Gründer mit Potential entdecken und ihnen bei der Vermarktung helfen. Das klingt bekannt: Vor sechs Jahren gab es in der deutschen Blogger-Landschaft eine erste Professionalisierungswelle. Damals wurden Vermarkter und Blog-Netze gestartet, zum Teil bei klassischen Verlagen - richtig durchgestartet sind nur wenige. Aber vielleicht ist jetzt die Zeit reif für Werbebotschaften mit vermeintlich authentischer Quelle.

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Blog-Werbung: So sehen Stilanzeigen aus

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
spatenheimer 17.01.2013
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn2.spiegel.de/images/image-446329-thumb-xvll.jpg" /><span class="spCredit">Pablo Heimplatz Photography</span></span><span id="sysopText">Über das neu gestartete Netzwerk Muse Net lassen sich Blog-Autorinnen von der Industrie kaufen. Eine Agentur sorgt für ein monatliches Einkommen, die Bloggerinnen für gute Presse. Die Gründer denken schon an Expansion. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/netzwerk-fuer-modeblogger-muse-net-a-877005.html</span></div>
Wer hat eigentlich die Zeit, zehn verschiedene Lieblingsblogs zu lesen?
2. Nicht gerade neu
GGArtikel5 17.01.2013
Na dann schauen Sie sich mal Textbroker (http://www.textbroker.de/) an. Da werden die Artikel in Auftrag gegeben.
3. Mangelnde Glaubwürdigkeit
hazamel 17.01.2013
Wenn dann schon gesagt wird, dass die Berichte "wohlwollend" und "nicht all zu kritisch" ausfallen sollen, kann ich auch gleich den Pressetext lesen. Blog-Beiträge und Word-of-Mouth leben in meinen Augen davon, dass man der schreibenden Person auch vertraut, dass sie mal ihre eigene Meinung sagt und sich die Meinung nicht für Geld kaufen lässt. Da muss man dann auch mal damit rechnen, dass man eben von einem Verteiler fliegt, weil man seine Meinung gesagt hat und den Finger in die Wunde gelegt hat und nicht der Wirtschaft nach dem Mund geredet hat.
4. was für ein verlogener Artikel...
freeride4ever 17.01.2013
Ich interessiere mich nicht für diese Fashionblogs aber aus diesem Artikel trieft doch der Neid bzw. die Arroganz von SPON, dass ein Teil der Leserschaft gerne bei Amateuren vorbeischaut und die damit auch noch Geld verdienen. Ich habe lieber ein paar Artikel die auch als Werbung gekennzeichnet werden als die Werbeartikel auf SPON zum Thema Autos, Gadgets etc. die als Artikel erscheinen. Da kann mir doch auch keiner erzählen, dass der Autor neutral ist wenn er auf eine spendable Testreise nach Italien oder sonst wo eingeladen wird. Zudem in jeder Dorfzeitung kann man redaktionelle Werbung kaufen und diese wird teilweise noch nicht einmal gekennzeichnet.
5. Und auf den Pressekodex wird gesch....
spon-facebook-1180524140 17.01.2013
Auf den deutschen Pressekodex, hier besonders Ziffer 7 – Trennung von Werbung und Redaktion, wird dabei gesch.... Dem Leser einen unbeeiflussten Artikel vorgaukeln und ihm Markenbotschaften im Artikelkleid servieren. http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex.html
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