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Netzwerk-Kameras: Britische Datenschützer fordern Abschaltung von Spähseite

Livebilder aus dem Vorgarten und dem Wohnzimmer: Eine Webseite zeigt die Bilder von schlecht gesicherten Überwachungskameras - auch aus Deutschland. Datenschützer wollen dagegen vorgehen, die Betreiber der Seite offenbar Geld machen.

Überwachungskamera vor einem Plakat in London: Ohne Passwortschutz im Netz Zur Großansicht
Getty Images

Überwachungskamera vor einem Plakat in London: Ohne Passwortschutz im Netz

Mehrere Tausend mit dem Internet verbundene Kameras sind von ihren Besitzern nur schlecht abgesichert: Sie sind über das Netz erreichbar, aber entweder nicht mit einem Passwort gesichert oder sie verwenden ein Standardpasswort.

Wer so eine Netzwerkkamera findet, und dafür können schon einfache Google-Abfragen reichen, kann sich unerlaubt Zugang verschaffen und die Bilder abrufen. Unbekannte Hacker haben ein riesiges Verzeichnis solcher Kameras ins Netz gestellt, offenbar über Server in Russland. Diverse Medien hatten in den vergangenen Tagen über die Seite berichtet, die mit teils zwielichtiger Werbung gepflastert ist. Offenbar versuchen die Betreiber, mit Sicherheitslücken und der Neugier von Internetnutzern, Geld zu verdienen. Der angebliche Administrator behauptete dem Magazin "Vice" gegenüber stattdessen, nur mit einer Website könne man "auf das Ausmaß des Problems hinweisen".

Die britische Datenschutzbehörde, das Information Commissioner's Office (ICO), fordert nun von Russland ein Eingreifen gegen das Verzeichnis. Das berichtet unter anderem das "Wall Street Journal". Schließlich sind die Aufnahmen der Überwachungskameras nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Über die Seite lassen sich auch mehr als 550 Netzwerkkameras in Großbritannien ansteuern. Zu sehen sind zum Beispiel Wohnzimmer in London, ein Fitnessstudio in Manchester oder ein Wartezimmer in Newport. Die Betroffenen ahnen offenbar nicht, dass Aufnahmen von ihnen live ins Web übertragen werden.

Pferdekoppel im Bergischen Land

Der Name der Seite erinnert an den der Foto-App Instagram. Nur dass die Nutzer bei Instagram freiwillig mitmachen. Die Kameraseite stellt Menschen bloß, noch dazu ohne deren Wissen. "Vice" hatte die Seite Ende Oktober entdeckt und unter anderem berichtet, man habe einem jungen Mann in Hongkong beim "Entspannen am Laptop" zugesehen.

Die Betreiber der Seite erklären, sie hätten keine einzige Kamera gehackt. Webcams und per USB an Computer angeschlossene Geräte seien nicht betroffen, man habe sich auf Netzwerkgeräte konzentriert. Wer nicht wolle, dass seine Überwachungskamera auf der Seite auftauche, müsse nur ein eigenes Passwort einrichten.

Auch auf Kameras in Deutschland lässt sich über die Seite zugreifen. Rund 300 Kameras haben die Hacker hierzulande gefunden, deren Besitzer sich kein neues Passwort eingerichtet haben. Darunter sind eine Bar in Berlin, ein Computerraum in Stuttgart und eine Pferdekoppel in Radevormwald. Dort kann man einem Schimmel beim Grasen zusehen.

ore

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