Netzwerk-Niedergang StudiVZ kündigt Mitarbeitern

Mitarbeiter werden entlassen und in eine andere Firma geschoben: Hinter den Kulissen der VZ-Netzwerke wird umgebaut. Erst am Montag will sich das Unternehmen zu seiner Zukunft äußern. Bisher hieß es, das Holtzbrinck-Netzwerk werde im Sommer neu gestartet.

StudiVZ-Screenshot: Unternehmen will sich Montag erklären

StudiVZ-Screenshot: Unternehmen will sich Montag erklären


Hamburg - Die zu Holtzbrinck gehörenden VZ-Netzwerke - StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ - stehen offenbar vor einer grundlegenden Neuordnung. Am Montag soll verkündet werden, wie es mit dem Unternehmen weitergeht.

Klar ist bisher nur: Die Firma trennt sich von Angestellten. 25 von rund 70 Mitarbeitern sei gekündigt worden, bestätigte das Unternehmen dem Branchendienst "Meedia". Außerdem soll das Technikteam in eine neue Firma namens Devbliss überführt werden, wie Holtzbrinck gegenüber "Horizont" erklärte. Die neue Firma solle die Neupositionierung der VZ-Netzwerke technisch umsetzen, wird VZ-Chefin Stefanie Waehlert zitiert. Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte das Unternehmen nicht beantworten.

Mitte April hatte der Geschäftsführer von Holtzbrinck Digital, Markus Schunk, in einem Interview von einem "Relaunch im Sommer" gesprochen und davon, die VZ-Netzwerke nicht aufgeben zu wollen. Darüber hinaus wolle man mehr Geld für Werbung ausgeben, sagte er "Welt Online".

Aber lohnt sich ein Neustart überhaupt noch? Oder wird im Hintergrund schon an der Abwicklung der VZ-Netzwerke gearbeitet? Weniger als 50 Millionen Visits zählten die VZ-Netzwerke im April dieses Jahres laut IVW. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 225 Millionen, im Jahr 2010 sogar fast 450 Millionen. Dem Netzwerk laufen die Nutzer davon, zwischen vier und fünf Millionen könnten es noch sein. Facebook zählt nach einer inoffiziellen Statistik auf Basis von Werbedaten unterdessen mehr als 23 Millionen Mitglieder in Deutschland.

Zuletzt hatten Holtzbrinck-Verantwortliche betont, dass die VZ-Netzwerke im vergangen Jahr durchaus erfolgreich gewirtschaftet hätten. Die Werbekunden seien hochzufrieden, so Schunk im Interview. Das Schüler-Netzwerk galt als erfolgreiche Nische, mit einem Fokus auf Datenschutz positionierte man sich gegen Facebook. Dort dürfen Kinder unter 13 Jahre offiziell gar nicht Mitglied sein - doch gerade wurde bekannt, dass Facebook spezielle Zugänge für Kinder testet.

Holtzbrinck hatte StudiVZ im Jahr 2007 für angeblich 85 Millionen Euro gekauft. Verhandlungen mit Facebook über eine Übernahme von StudiVZ, womöglich im Gegenzug für eine Beteiligung, hatte der Holtzbrinck-Konzern ausgeschlagen. Neben dem rasanten Aufstieg von Facebook hat das Verschlafen technischer Neuerungen wie Angebote für Smartphones und Anwendungen von Drittanbietern für den Niedergang der VZ-Netzwerke gesorgt.

ore



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