Bildmanipulation Diese App enttarnt Fotofälschungen

Die neue App Izitru stellt Bildern im Internet ein Zeugnis aus: "Dieses Foto ist mit hoher Sicherheit authentisch", heißt es, wenn das Programm keine Bildmanipulation entdecken kann. Der Dienst soll Fotografen helfen, die Echtheit ihrer Bilder zu belegen. Das klappt ganz automatisch - und zuverlässig.

World Press Photo 2013: "Es ist eindeutig, dass das veröffentlichte Foto im Hinblick auf allgemeine und einzelne Farbgebung und Farbtiefe retuschiert wurde."
Paul Hansen/ Dagens Nyheter

World Press Photo 2013: "Es ist eindeutig, dass das veröffentlichte Foto im Hinblick auf allgemeine und einzelne Farbgebung und Farbtiefe retuschiert wurde."


Ob ein Bild echt oder frisiert, original oder kopiert ist, ist im Internet oft schwer festzustellen. Nur Experten können nachweisen, ob ein Bild nachträglich manipuliert wurde. Das ist ein Problem für all diejenigen, die authentische Bilder im Internet anbieten wollen: Wie können sie nachweisen, dass ihr Bild echt und nicht gefälscht ist?

Der neue Online-Dienst Izitru (gesprochen "Is It True?", zu Deutsch: "Stimmt's?") will eine Antwort auf diese Frage gefunden haben. Er analysiert fragwürdige Bilder und gibt ein Urteil ab: "Starkes Vertrauen, Originaldatei von der Kamera" oder "Manipulation wahrscheinlich". Das Ergebnis wird als öffentliche Urkunde samt Bild und Analysedaten ausgestellt. Wer mit einem der automatischen Urteile nicht einverstanden ist, kann eine Neubewertung anregen. Schließlich lautet das Izitru-Motto "zweifellos echte Fotos". Es richtet sich an Fotografen, nicht an Konsumenten.

Hinter Izitru stecken zwei erfahrene Digitalbild-Experten, Kevin Connor und Hany Farid, letzterer ist ein ausgewiesener Experte im Nachweisen von Bildmanipulationen. Seine statistischen Methoden kommen auch bei Izitru zum Einsatz, wo Eingriffe mathematisch bewiesen werden können.

Wenn Izitru ein Bild bemängelt, dann mit Recht

Tatsächlich gibt es viele Ansätze, um einem Fotopfusch auf die Spur zu kommen. Die meisten Experten verlassen sich zunächst auf ein geübtes Auge, um typische Artefakte von Bildbearbeitungssoftware in verschiedenen Bestandteilen des Bildes aufzuspüren. Erstaunlich eindeutig funktioniert die sogenannte Error Level Analyse (ELA), mit der verschobene Bildelemente identifiziert werden können (hier ausprobieren).

Izitru wendet nicht alle bekannten Algorithmen auf die zur Prüfung hochgeladenen Bilder an. Es geht um eine schnelle und trotzdem sichere Einschätzung. Und wenn Izitru ein Bild bemängelt, dann mit Recht. Eine komplexere oder gar subtilere Manipulation ist derzeit bestenfalls manuell nachweisbar - und oft nicht einmal mit großer Sicherheit, wie die Diskussion um die angebliche Bildmanipulation beim World Press Photo Award 2013 zeigte.

Dort führte das all zu "magische" Siegerbild des norwegischen Fotografen Paul Hansen zu Streit um dessen Authentizität. Erst ein Experten-Gutachten anhand der originalen Raw-Dateien ("frisch von der Kamera") konnte Hansen entlasten: "Es ist eindeutig, dass das veröffentlichte Foto im Hinblick auf allgemeine und einzelne Farbgebung und Farbtiefe retuschiert wurde. Darüber hinaus finden wir jedoch keinen Beweis für signifikante Fotomanipulation oder eine Zusammensetzung aus mehreren Bildern."

fko



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insgesamt 26 Beiträge
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bbär 06.05.2014
1. Grandiose Englischkenntnisse!
"Is it true?" = "Stimmts?" - Aua!
csar 06.05.2014
2. Noch nicht brauchbar
Eben mal drei Bilder ausprobiert: Eins mit Retuschen, eins "ohne" Änderungen in der RAW Konvertierung, eins mit Photoshop Manipulationen. Verdict bei allen "Potential file modification" - scheint bisher nur für Smartphones und andere Knipsen zu funktionieren
mullah_nd 06.05.2014
3. gerade mal getestet den Spielkram
"Our forensic tests suggest this file has been re-saved since initial capture. Because this file is not a camera original, it is possible that it was modified." Das hätte ich dazu auch sagen können, anderer Seits ist die hochgeladene Bilddatei eine Reproaufnahme und soll 100% der Vorlage entsprechen. Dennoch laut Software: "es könnte manipuliert sein". Wenn das "re-saven" den Verdachtsmoment auslöst, sollte wohl noch etwas Entwicklung investiert werden.
quark@mailinator.com 06.05.2014
4. :-)
Cool, endlich eine Möglichkeit zu checken, ob die Manipulation auffällt, oder ob man noch was hinbiegen muß :-) ... Evtl. vollautomatisch mit der App im Regelkreis ...
zila 06.05.2014
5. Fast alle Bilder werden nachbearbeitet
Mir fallen da Instagram-Filter, Smartphone-Linse fuer Crop und Autofix, Lightroom beim Amateur ein. Ist eine HDR-Aufnahme oder andere Ueberlagerungstechnik wirklich eine Manipulation? Sorry, aber von so einer Anwendung erwarte ich eine Aussage, ob da mit Photoshop groessere Bildelemente reinkopiert oder geklont wurden, nicht ob einfach die Saettigung, der Kontrast oder beim kopieren ein paar Metadaten veraendert wurden.
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