Neue Bücher zur digitalen Welt: Der Google-Komplex
Ein einmaliger Blick hinter die Kulissen von Google gelingt Steven Levy, ein Buch huldigt dem iLeader und Apple-Chef Steve Jobs, und "30 Rock"-Erfinderin Tina Fey schreibt über Internet-Trolle: in Bookmarks, unserer digitalen Bücherschau.
Steven Levy: "In the Plex"
Dies ist die Geschichte von zwei Nerds, Sergey Brin und Larry Page, und wie sie mit ihrer Armee von Superhirnen die Welt verändern. Denn Google ist nicht nur eine ausgefeilte Wissensmaschine mit Datencentern und Glasfaserverbindungen rund um die Welt, sondern gleichzeitig eine Projektwerkstatt für Genies mit nahezu unbegrenzten Ressourcen. Wie keinem Journalisten zuvor gewährte das Unternehmen dem "Wired"-Autor Steven Levy Zugang zum Firmensitz im kalifornischen Mountain View, dem Googleplex.
Über Jahre hat Levy recherchiert, mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern gesprochen, an internen Konferenzen teilgenommen, um zu verstehen, wie Google funktioniert. Sein Buch "In the Plex: How Google Thinks, Works and Shapes our Lives" erzählt nicht nur die Google-Geschichte, gespickt mit netten Anekdoten, sondern fügt die vielen Entscheidungen zu einem großen Gesamtbild. Plötzlich passen sogar sich selbst steuernde Autos und eine Web-Textverarbeitung zusammen.
Brin und Page wollen unser aller Leben verbessern, sie vertrauen dabei auf rationale Entscheidungen auf Basis großer Datenmengen. Eher zufällig kam Google zu seiner größten Einnahmequelle, den auf Suchanfragen zugeschnittenen Kleinanzeigen, die über ausgeklügelte Auktion verkauft werden und die von der Website fliegen, wenn sich kein Nutzer für sie interessiert.
In The Plex.
Sprache: Englisch.
Simon + Schuster; 424 Seiten; 19,54 Euro.
So magisch das Unternehmen seinen Anfang nahm, desto desillusionierter ist auch Levy von dem ungebändigten Chaos, das sich all zu oft selbst im Weg steht. Die flache Hierarchie, die sich Google nach wie vor bewahrt, führt mit zunehmender Größe zu Problemen. Viel zu spät erkennt Google die Bedeutung von sozialen Netzwerken, dabei betreibt der Konzern in Brasilien und Indien recht erfolgreich ein eigenes. Doch in Kalifornien kümmert sich niemand so richtig um Orkut, wichtige Mitarbeiter verlassen den Googleplex und wechseln zu Facebook.
Levy beschreibt, wie Google immer mehr zu einer ganz gewöhnlichen Firma wird. Mit Tausenden Hochintelligenten Mitarbeitern, aber dennoch: eine Firma. Das Buch endet damit, das Larry Page dieses Jahr den CEO-Posten übernimmt, enttäuscht davon, dass selbst die Genies von Google in ihrer Paradiesumgebung nicht genügend visionäre Kraft für die Lösung wahnsinnig komplexer Probleme aufbringen.
Wird Google zum nächsten Microsoft, zum behäbigen Riesen? Die Antwort bleibt Levy schuldig, aber darauf kommt es letztlich gar nicht an. Viel wichtiger ist die Denkweise, die von den linken Gehirnhälften der Firmengründer in alle Firmenebenen vererbt wird. 8084 Titel listet Amazon zu dem Suchwort "Google" auf, bei dem deutschen Online-Buchhändler Libri sind es immerhin 140. Wenn man nur eins davon lesen könnte, dann unbedingt dieses. Ole Reißmann
Jay Elliot und William S. Simon: "Steve Jobs - iLeadership"
Bücher über Apple und Steve Jobs gibt es zuhauf. Doch sie alle eint ein Makel: Ihre Autoren mussten sich ihr Wissen über die Firma und ihren Chef von Insidern vermitteln lassen. Bei Jay Elliot und seinem Buch "Steve Jobs - iLeadership" ist das anders: Elliott ist selbst ein Insider, hat die Firma und vor allem Steve Jobs über Jahre persönlich kennengelernt und erst jetzt, mit reichlich Abstand, gemeinsam mit William L. Simons aufgeschrieben.
Das Inhaltsverzeichnis zeichnet allerdings ein irreführendes Bild von dem, was Elliot zu erzählen hat. Überschriften wie "Talent-Regeln", "Mannschaftssport" oder "Ganzheitliche Produktentwicklung" versprechen eine Art Management-Handbuch, das die geheimen Tricks des Steve Jobs erklärt. Tatsächlich aber schildert Elliott die Geschichte des Unternehmens Apple und vor allem, wie Steve Jobs es führt, wie er Mitarbeiter führt und wie er Produktideen entwickelt und oft auch wieder verwirft. Das allerdings tut er aus einem so persönlichen Blickwinkel, wie man es bisher eben nicht gelesen hat.
Jay Elliot, William L Simon:
iLeadership
Mit Charisma und Coolness an die Spitze.
Sprache: Englisch. Übersetzt von G. Maximilian Knauer.
Ariston Verlag; 272 Seiten; 19,99 Euro.
Das Buch lebt dabei weniger von den Management-Weisheiten, die Elliott aus Jobs Verhalten ableitet ("Produkte als Lockmittel für Talente", "Den 'Künstler' in jedem ermutigen"), sondern von dem Fundus an Details und Anekdoten, die Elliott kennt. Das fängt damit an, wie er den ihm damals noch unbekannt Jobs zufällig in einem Restaurant kennenlernt und wenig später von dem viel jüngeren Firmengründer einen Job angeboten bekommt, für den er seine sichere Anstellung beim Chip-Hersteller Intel sausen lässt. Und es endet mit einem "Brief an Steve Jobs", den Elliott mit einer weiteren Anekdote schmückt, in dem er seinem ehemaligen Chef aber vor allem noch einmal ausdrücklich erklärt, was für ein großer Fan er eigentlich ist.
Eine vollkommen überflüssige Ergänzung, denn von der ersten bis zu letzten Seite ist kaum zu übersehen, dass hier ein Fanboy seinem Idol huldigt - allerdings auf angenehm unaufgeregte, lesenswerte Weise. Matthias Kremp
Tina Fey: "Bossy Pants"
Tina Fey kennen wir in Deutschland vor allem übers Internet. Erst haben wir ihre großartige Sarah-Palin-Parodie auf YouTube entdeckt, dann haben wir uns online ihre Sitcom "30 Rock" angeschaut und uns schließlich begeistert die neuesten Folgen ... auf DVD gekauft. Tina Fey kennt uns auch übers Internet. Oder besser gesagt: die Menschen, die Böses über sie im Internet schreiben. Deshalb heißt eines der Kapitel in ihrem autobiografischen Buch "Bossypants" auch "Dear Internet".
"Eine der Sachen, die ich am meisten bedauere - abgesehen davon, der Zodiac-Killer zu sein nicht Tango tanzen zu können - ist, nicht genug Zeit zu haben, auf all die wunderbaren Zuschriften einzugehen, die ich erhalte. Wenn Leute sich schon die Mühe machen zu schreiben, dann gebieten es die guten Manieren, sie mit demselben Geschenk zu beehren", beginnt das Kapitel. Dann zitiert Fey einige Postings von Klatschblogs wie tmz ("Wann tut Tina endlich mal was gegen diese grauenhafte Narbe auf ihrer Wange?") oder Dlisted ("Tina Fey ist ein hässlicher, birnenförmiger, schlampiger, überbewerteter Troll") - und geht dann ausführlich auf sie ein.
Tina Fey:
Bossypants.
Sprache: Englisch.
Little, Brown Book Group; 17,06 Euro.
Passenderweise endet Tina Fey "Bossypants" mit einem Stoßgebet für ihre erstgeborene Tochter. Darin heißt es unter anderem: "Oh Herrgott, bitte zerstöre das Internet für immer. Auf dass sie von den falsch geschriebenen Schmähungen ihrer Altergenossen verschont bleibt - und der Online-Marketing-Kampagne von "Rape Hostel V - Mädchen wollen nur erstochen werden". Hannah Pilarczyk
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- Mittwoch, 01.06.2011 – 08:08 Uhr
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- Soziale Netzwerke: Ex-Google-Chef gibt Versagen zu (01.06.2011)
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