Neue Regeln: Facebook erlaubt sich Werbung mit Nutzernamen

Von Jörg Breithut und

Facebook ändert wieder mal die Nutzungsbedingungen. Es geht um Werbung mit den Namen und Profilfotos von Mitgliedern. Das Unternehmen sagt, man präzisiere die Regeln. Doch bestimmte Formulierungen geben dem sozialen Netzwerk mehr Interpretationsfreiheit.

Facebook-Logo: Der US-Konzern will mit Profilfotos und Namen der Nutzer werben Zur Großansicht
REUTERS

Facebook-Logo: Der US-Konzern will mit Profilfotos und Namen der Nutzer werben

Facebook plant neue Nutzungsbedingungen. In einem Blogbeitrag weist die leitende Facebook-Datenschutzbeauftragte Erin Egan darauf hin, dass der Abschnitt zu personenbezogenen Werbeanzeigen komplett überarbeitet worden ist. Die offizielle Begründung: Der Nutzer solle besser verstehen, wie Facebook die Profile und Aktionen der Nutzer verwende, um "Menschen auf und außerhalb von Facebook relevante Werbeanzeigen zu zeigen".

Facebook erlaubt sich Werbung mit Namen und Profilfoto

Viel klarer sind die neuen Formulierungen nicht. Drei Dinge fallen bei den Neuerungen auf:

  • Der Nutzer gibt Facebook per Nutzung des Dienstes eine generelle Erlaubnis zum Werben mit seinem Namen, Profilbild und so weiter. Facebook verspricht aber, die Auswahl der "Zielgruppe" zu "respektieren". Die neue Formulierung ("Du erteilst uns deine Erlaubnis zur Nutzung deines Namens, Profilbilds, deiner Inhalte und Informationen...") klingt stärker als die bisherige ("Du erteilst uns die Erlaubnis, vorbehaltlich der von dir festgelegten Einschränkungen...").
  • In Zukunft darf Facebook in bestimmter Werbung oder "anderen kommerziellen Inhalten" auch "Informationen" über Nutzer verwenden. Dieser vage Begriff ist neu. Bisher steht in dem entsprechenden Abschnitt lediglich etwas von "verwandten Inhalten (wie zum Beispiel der Marke, die dir gefällt)".
  • Die Möglichkeiten zum Einschränken dieser Werbung mit der eigenen Identität per "Privatsphäre-Einstellungen" erwähnen die neuen Regeln nicht mehr ausdrücklich - Facebook ist also theoretisch nicht mehr verpflichtet, diese anzubieten.

Facebook will Werbung nicht immer kennzeichnen

Solche Werbung mit dem Namen (dem echten, Pseudonyme verbietet Facebook) und dem Foto eines Nutzers muss gar nicht als Reklame gekennzeichnet sein. Das legt Facebook mit diesem Satz in den Nutzungsbedingungen fest:

"Du verstehst, dass wir bezahlte Dienstleistungen und Kommunikationen möglicherweise nicht immer als solche kennzeichnen."

Eine Facebook-Sprecherin versichert, dass Nutzer in Zukunft dieselben Optionen zum Einschränken von Werbung mit ihrem Namen haben werden wie heute:

"Die Verdeutlichungen im Text ändern nicht die Art, wie wir Werbung für Nutzer zeigen, und die Menschen haben weiterhin die Einstellungsmöglichkeiten festzulegen, mit wem sie Inhalte oder Informationen teilen wollen. Und an diese Einstellungen halten wir uns".

Wie lange das so bleibt, wird die Zukunft zeigen. Der Text der neuen Nutzungsbedingungen gibt Facebook allerdings etwas mehr Spielraum zur Interpretation als der bisherige.

Klage gegen Facebooks Werbung

Mit den neuen Datenschutzbestimmungen reagiert Facebook offenbar auf die Klagen einiger Mitglieder, die in den vergangenen Jahren immer wieder hohe Geldbeträge von Facebook gefordert haben. Erst am Dienstag hatte sich das soziale Netzwerk in einem Vergleich mit fünf Klägern geeinigt, insgesamt 20 Millionen Dollar zu zahlen. Die Sammelkläger waren vor Gericht gezogen, um gegen die von Firmen bezahlten Pinnwandeinträge bei Facebook vorzugehen. Die Kläger wollten nicht als Werbeträger eingesetzt werden, ohne Geld dafür zu bekommen oder die Möglichkeit zu haben, eine Werbekampagne mit dem eigenen Profilbild zu verhindern.

Facebook will Profilbilder zentral auswerten

Aus den Änderungen der Datenschutzbestimmungen geht zudem hervor, dass Facebook offenbar plant, die Profilbilder aller Mitglieder in eine zentrale Datenbank einzuspeisen, um die Gesichtserkennung zu optimieren. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sollen die Profilbilder dort gesammelt werden, um die umstrittene Technologie weiter auszubauen und stärker in das soziale Netzwerk zu integrieren.

In den USA wird die Gesichtserkennung derzeit lediglich angewandt, wenn die Nutzer das Foto eines Bekannten hochladen und ihn bereits auf einem früheren Bild markiert haben. Reuters zufolge könnte die Änderung bedeuten, dass künftig alle Nutzer auf den Bildern erkannt werden und für Markierungen vorgeschlagen werden.

Keine Biometrie-Datenbank für Deutschland

Die Gesichtserkennungspläne gelten laut Facebook allerdings nicht für Deutschland. Ein Facebook-Sprecher sagt: "Derzeit ist nicht geplant, die automatischen Markierungsvorschläge in Europa und Deutschland einzuführen." Auch habe man hierzulande keine biometrischen Daten erfasst.

Datenschützer hatten das soziale Netzwerk im Februar dieses Jahres dazu gebracht, die Gesichtserkennung in ganz Europa zu deaktivieren. Der Konzern hatte im Sommer 2011 damit begonnen, Porträtfotos deutscher Nutzer für die Gesichtserkennung auszuwerten. Facebook analysierte damals alle eingestellten Fotos, ohne die Nutzer um Erlaubnis zu fragen. Auf Druck der Datenschützer hat Facebook das gestoppt und die biometrisch erfassten Daten wieder gelöscht.

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1. Wie gut,
juttakristina 30.08.2013
dass ich mir nie einen Account bei Facebook zugelegt habe. Zwar hatte ich aufgrund der Einladung von Freunden öfters mit dem Gedanken gespielt, aber die Skepsis war größer. Inzwischen gibt es immer wieder neue Meldungen, die mich in meiner Entscheidung dagegen bestärken.
2. Wer sich ueber NSA beschwert
PeterStraffrei 30.08.2013
duerfte kein Facebook-Konto haben! Haben aber die meisten. Nein, ich habe nie ein solches Konto gehabt und werde mir auch niemals eines zulegen.
3. So sehe ich das auch
tweet4fun 30.08.2013
Zitat von juttakristinadass ich mir nie einen Account bei Facebook zugelegt habe. Zwar hatte ich aufgrund der Einladung von Freunden öfters mit dem Gedanken gespielt, aber die Skepsis war größer. Inzwischen gibt es immer wieder neue Meldungen, die mich in meiner Entscheidung dagegen bestärken.
Allerdings heißt das nicht, daß Ihre Daten sicherer sind. Die Teilnahme an Facebook macht es den Datenschnüfflern nur einfacher, Ihre Daten zu erhalten, da FB sehr großzügig mit mehreren Diensten kooperiert. Dafür gibt man dem Mitglied einen persönlichen Kuschelplatz im Internet. Facebooks Dienst ist ähnlich dem Angebot der Versicherer (in USA, UK z.B.) für Autofahrer, einen Discount zu erhalten, wenn man eine Kamera im Auto installieren läßt. Die gleiche Perversion, auf die die Dummen hereinfallen. Aber selbst als Kluger kann man es letztendlich kaum verhindern, nur herauszögern.
4. Annonymes Konto
nawaswohl 30.08.2013
bei Facebook ohne Profilfoto und einer Müll-Mail Adresse ist ein muss. Eigentlich angelegt um mich unbekannt umzuschauen. Herausgekommen ist, dass ich es nicht unbedingt brauche. Sollten Die mich rauschmeissen - so what. Lege ich halt ein neues Profil an.
5. Tja...
patrick6 30.08.2013
...wer sich unbedingt dort mit Schwachsinnigkeiten produzieren muss... Der muss das eben in Kauf nehmen. Wer meint, sowas wie facebook zu brauchen (wozu eigentlich??), muss mit den Konsequenzen rechnen. Denn letztlich ist das nicht wirklich ein 'soziales Netzwerk' - es ist ein gewinnorientiertes Unternehmen.
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