Neue Gebührenordnung Die Gema macht Großveranstaltungen teurer

Für die Kleinen wird es etwas günstiger, für die Großen sehr viel teurer: Weil die Musikverwertungsgesellschaft Gema ihre Gebührenverordnung vereinfachen will, könnten die Eintrittspreise für große Events bald weiter steigen.

Gema-Logo: Künftig höhere Gebühren für Großveranstaltungen
dapd

Gema-Logo: Künftig höhere Gebühren für Großveranstaltungen


München - Von 2013 an müssen Veranstalter von kleinen Musik-Events deutlich weniger Gema-Gebühren zahlen. Große Veranstaltungen werden allerdings für die Organisatoren und damit möglicherweise auch für die Gäste deutlich teurer. Die deutsche Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) hat am Montag in München ihre neue Tarifstruktur vorgestellt. Gema-Vorstandsmitglied Georg Oeller geht davon aus, dass 60 Prozent aller Veranstaltungen durch die neuen Tarife wirtschaftlich entlastet werden.

An zwei Beispielen machte die Gema die neue Tarifstruktur deutlich: Für eine kleine Tanzveranstaltung mit 300 Gästen und einem Eintrittsgeld von drei Euro waren bisher 192,80 Euro an Gema-Gebühren fällig, künftig seien es nur noch 90 Euro. Dagegen steige die Gebühr für eine Gala-Veranstaltung mit 1500 Gästen und 60 Euro Eintritt von bisher 1470,70 Euro drastisch auf 9000 Euro. Pro Person müssen also statt knapp einem Euro jetzt sechs Euro an die Gema abgeführt werden. Dies könnte sich auch auf die Eintrittspreise auswirken. Statt 60 Euro würde der Eintrittspreis beispielsweise auf 65 Euro erhöht, um die Kostensteigerung an die Gäste weiterzugeben.

Oeller erklärte, der bisherige Tarifdschungel der Gema mit elf Tarifen solle kräftig gelichtet werden. Von 2013 an gebe es nur noch zwei Tarife, die "klar, fair und nachvollziehbar und damit überschaubar für den Nutzer" sein sollen.

Ausschlaggebend für die Berechnung der Gema-Gebühren sind demnach künftig nur noch zwei Angaben: Die Veranstaltungsgröße - berechnet über die Nutzungsfläche - und die Höhe des erhobenen Eintrittsgeldes. Mit dieser Neuregelung will die Gema ihre Gebühren an die "wirtschaftliche Größe" der Veranstaltung anpassen.

Die Gema vertritt die Rechte der Musikschaffenden als staatlich anerkannte Treuhänderin. Dass die von ihr Vertretenen aber nicht immer mit dem einverstanden sind, was die Gema tut, zeigte sich unter anderem im Juni 2011, als Plattenbosse gegen die Verwertungsgesellschaft wetterten. Sie beklagten, dass es der Gema nicht gelingt, mit dem Videoportal YouTube eine Vergütungsvereinbarung zu treffen, während solche Vereinbarungen in anderen Ländern längst geschlossen seien.

YouTube-Nutzer in Deutschland können das daran erkennen, dass sie bei vielen Musikvideos statt des erhofften Clips lediglich die Fehlermeldung: "Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar", zu sehen bekommen.

mak/dpa

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