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Neue Handy-Suchfunktion: Google baut den Weltscanner

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Das Handy vor ein Gebäude, eine Flasche Wein oder ein Logo halten, klick! ein Foto machen - und schon erscheinen auf dem Display alle relevanten Informationen zu dem Objekt: Per Handysoftware will Google jetzt die reale Welt erschließen - und gleichzeitig das Web in Echtzeit durchforsten lassen.

Suchfunktionen: So verleibt sich Google die Welt ein Fotos
REUTERS

Mit Google kann man die Welt jetzt auch per Handy-Kamera durchsuchen. Auf einer Presseveranstaltung in Kalifornien zeigte das Unternehmen eine neue Handysoftware namens Google Goggles. Sie soll es ermöglichen, Gegenstände, Gebäude oder Kunstwerke zu fotografieren und sich dann sofort Informationen über die jeweiligen Objekte ausgeben zu lassen.

Wie das funktioniert, zeigte Google-Manager Vic Gundontra: Mit seinem Handy fotografierte er eine Flasche Wein - und erhielt daraufhin in seinem Handybrowser Auskünfte darüber, wo der Tropfen angebaut wurde, welche Geschmacksnuancen er aufweist und wo man ihn kaufen kann. Auf ähnliche Weise soll das System auch Informationen zu unzähligen anderen Objekten liefern.

Klingt revolutionär.

Doch noch steckt die Technologie in den Kinderschuhen:

  • Sie beschränkt sich vorerst auf Sehenswürdigkeiten, Bücher, Kunst, Lokale, Wein und Logos.
  • Sie ist zunächst nur für Mobiltelefone mit Googles Android-Betriebssystem verfügbar. Besitzer eines solchen Handys können sich die "Google Goggles"-Applikation kostenlos aus dem Android Market, Googles Handysoftwareshop, herunterladen. Ob oder wann auch andere Mobiltelefonbetriebssyteme mit entsprechender Software bestückt werden können, lässt Google noch offen. Gut möglich aber, dass das System ausschließlich Android vorbehalten bleibt - so wie es auch mit der Navigationssoftware Google Maps Navigation ist.
  • Google warnt vor zu hohen Erwartungen: Die Software, die unter Leitung des deutschen Entwicklers Hartmut Neven entwickelt wurde, befinde sich noch in einem frühen Stadium, sei bei weitem noch nicht perfekt und werde kontinuierlich erweitert und verbessert.

Trotzdem: Erste Tests des neuen Angebots beeindruckten Blogger, etwa die Experten des Branchendienstes Techcrunch.

Welche Technik hinter der digitalen Google-Brille steckt, hält das Unternehmen bislang geheim. Klar ist allerdings, dass man Google Goggles nicht mit Programmen aus dem Bereich Augmented Reality verwechseln sollte: Während sich solche Applikationen ausschließlich an GPS- und Kompassdaten orientieren, scheint Googles Goggles tatsächlich eine Analyse des Bildinhalts durchzuführen, etwa so wie es auch die Gesichtserkennung von Google Picasa oder Apples iPhoto macht.

Zeitgleich mit der Suche per Foto will Google nun offenbar mehr und mehr auch Business-Funktionen in sein System integrieren. Das hauseigene Handy-Betriebssystem Android spielt dabei eine wichtige Rolle. Digitales Kartenmaterial und GPS-gestützte Online-Navigation waren nur die ersten Schritte auf dem Weg, die physische Realität "googlebar" zu machen.

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Suchfunktionen: So verleibt sich Google die Welt ein

So verschickte der Internetkonzern diese Woche massenweise Aufkleber mit sogenannten QR-Codes an Restaurants, Firmen, Kinos und andere Geschäfte in den USA. Eine Aktion, bei der sich einmal mehr Googles ausuferndes Datenbankwissen auszahlte. Denn die QR-Codes, eine moderne Version jener Barcodes, die man aus dem Supermarkt kennt, wurden an jene 100.000 Unternehmen verschickt, nach denen Nutzer von Google und Google Maps besonders häufig suchen. Deshalb bezeichnet das Unternehmen die Orte kurzerhand als " Favorite Places".

Für Besitzer von Google-Handys sollen diese Aufkleber-Codes einen konkreten Nutzwert bringen. Und so funktioniert's:

  • Per Handy-Kamera scannt man den Code ein.
  • Auf dem Display erscheinen dann Informationen über das jeweilige Restaurant, Kino oder Geschäft, darunter auch Tipps anderer Nutzer.
  • Die Ergebnisse können mit einem Sternchen markiert werden - zur Erinnerung, dass man sie später aufsuchen will.
  • Teilnehmende Unternehmen können Online-Coupons bereitstellen. Wer also beispielsweise den QR-Code eines Cafés einscannt, bekommt dort beim Besuch eine Tasse Kaffee kostenlos. Wer in einem Restaurant gegessen hat, kann via QR-Code selbst ein Gastro-Kritik schreiben.

Zwei Einschränkungen gibt es bei diesem Service allerdings: Zum einen gibt es Googles QR-Codes nur in den USA, zum anderen braucht man zum Auslesen der Codes eine spezielle Handysoftware. Beispiele für solche Programme nennt Google auf einer Favorite-Places-Website.

Mit Google zusehen, wie das Web wächst

Parallel zu diesen neuen Möglichkeiten, die echte Welt zu durchsuchen, hat Google eine Funktion angekündigt, die das Internet in Echtzeit durchsuchen lässt: Womit beschäftigen sich in diesem Moment die meisten Nutzer von Twitter, Facebook und bestimmter Blogs? Was äußern Menschen jetzt gerade im Netz über Google? Wie reagieren sie auf neue Produktankündigungen?

Sucht man gegenwärtig Antworten auf solche Fragen, sind die Ergebnisse, die Googles neue Echtzeitsuche ausgibt, noch enttäuschend. Die Suche verarbeitet zwar Twitter-Nachrichten und Updates von Facebook-Seiten - oft ist der Dienst aber nicht verfügbar. Erhält man dann doch mal ein Ergebnis, hinterlässt es oft einen schalen Beigeschmack - wie es beispielsweise in einem Twitter-Kommentar treffend resümiert wurde: "Ist das hier nicht eine kontextsensitive Twitter-Suche, die in Googles Suchergebnisse integriert wurde?"

Einerseits ist es das. Andererseits steht hinter diesem Twitter-Kommentar "1 minute ago" - vor einer Minute wurde er geschrieben. Googles Marketing-Verantwortliche könnten also fast in Echtzeit verfolgen, wie technikaffine Menschen neue Ideen des Unternehmens kommentieren.

Derzeit ist Googles Echtzeitsuche eine Art ungefilterter "Bewusstseinsstrom" zu einem Stichwort: Jeden Moment verändert sich die Seite mit den Suchergebnissen. Man sieht, wie das Web wächst. Aber man erfährt nicht, welche Informationen wirklich interessant sind, in welcher Beziehung die neuen Inhalte zueinander stehen, welche Themen gerade heiß diskutiert werden, wie relevant die Quellen im Web eingeschätzt werden.

Der Haken ist beim jetzigen Stand einfach, dass Google die hereinströmenden Suchergebnisse nicht so auswertet, dass für den Nutzer ein echter Mehrwert entsteht. Man muss die Masse an neuen Texten, Meinungen und Hinweisen umständlich und zeitraubend durchkämmen. Twitter-Treffer dominieren, von den versprochenen MySpace- und Facebook-Updates ist nicht viel zu sehen. Möglicherweise liegt das daran, dass Facebook dem Konkurrenten Google die große und wirklich interessante Masse an Echtzeitinhalten vorenthält: Google erfährt nur, worüber Firmen und Prominente auf Facebook-Seiten schreiben. Was die Masse von Privatpersonen öffentlich auf ihren Profilseiten schreibt, gibt Facebook nicht weiter.

Google als Werkzeug für Öffentlichkeitsarbeiter

Sollte sich das ändern, käme es einer kleinen Revolution gleich: Schafft es ein Such-Unternehmen, alle Meinungsquellen im Netz stimmig auszuwerten und die Ergebnisse so aufzubereiten, dass ein echter Erkenntnisgewinn entsteht, dürfte dies eine Goldgrube für Marktforscher, Öffentlichkeitsarbeiter, Unternehmen und auch Medien sein. Viele Firmen arbeiten sich schon heute daran ab, herauszufinden, womit Menschen sich im Netz beschäftigen, wofür sie sich interessieren und was sie über bestimmte Dinge denken.

Microsoft hat für seine Suchmaschine Bing bereits Verträge mit Facebook und Twitter zum Abgreifen von Daten unterzeichnet. Die Bing-Twittersuche ist Googles Echtzeitfunktion zumindest in der Analyse derzeit voraus. Doch Google tut nun auch einen ersten Schritt in diesen Markt - man darf gespannt auf den nächsten sein.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Ha
mavoe 08.12.2009
Zitat von sysopDas Handy vor ein Gebäude, eine Flasche Wein oder ein Logo halten, klick! ein Foto machen - und schon erscheinen auf dem Display alle relevanten Informationen zu dem Objekt: Per Handysoftware will Google jetzt die reale Welt erschließen - und gleichzeitig das Web in Echtzeit durchforsten lassen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,665776,00.html
Und wenn ich wildfemde Personen fotografiere (Am Besten mit Digitalkamera und Teleobjektiv), bekomme ich von Google deren Konsumvorlieben, Surfverhalten und gar deren Lebenslauf oder polizeiliches Führungszeugnis? Naja, für sowas brauche ich dann halt n Google account. Das wird unsere deutschen Datenschützer ja freuen, weil Google ja in US of A beheimatet ist.
2. Gut und Böse
Gegengleich 08.12.2009
Das ganze ist vom Grundsatz her nicht schlecht. Werden z.B. noch Infos zu Produkten über EAN-Code o.Ä. angezeigt, so kann das im Rahmen von Ernährungsplänen, wg. Produktrückrufen oder anderen Zwecken sehr hilfreich sein. Fraglich ist nur, ob dies dann nicht wieder ein Stück mehr von uns ist, was wir Google preisgeben.
3. Das deutsche Wesen
Peter Sonntag 08.12.2009
Zitat von mavoeUnd wenn ich wildfemde Personen fotografiere (Am Besten mit Digitalkamera und Teleobjektiv), bekomme ich von Google deren Konsumvorlieben, Surfverhalten und gar deren Lebenslauf oder polizeiliches Führungszeugnis? Naja, für sowas brauche ich dann halt n Google account. Das wird unsere deutschen Datenschützer ja freuen, weil Google ja in US of A beheimatet ist.
Quasi weltweit fotografiert Google Straßenzüge, und ich finde es nicht schlecht, wenn man sich zum Beispiel vor einer Reise mit einer Stadt oder einem Badeort vertraut machen kann. Aber nicht so in Deutschland: Wir sind gegen alles ! Volkszählung, Atom, Gen, Chemie, Banken (besonders die Deutsche ), McDonald's, Coca-Cola, Google...... Nur wenn wir selbst im Fernsehen erscheinen, grinsen oder lachen wir uns kaputt: geschmeichelt.
4. Jubel Jubel - Freu Freu
DefTom 08.12.2009
Das ganze ist schlicht der Hammer! An alle Datenparanoiker da draussen: Eure Daten sind jetzt schon jedem Unternehmen bekannt, was macht ihr nur für einen Wind um solche richtig nützlichen und sinnvollen Anwendungen?! Ich habe ein nettes Google-Handy, freue mich schon auf die Goggles. Schon jetzt gibt es ähnliche Programme, auf die ich nicht mehr verzichten möchte (Stichwort Augmented Reality)
5. Nützlich und sinnvoll...
kaba06, 08.12.2009
Zitat von DefTomDas ganze ist schlicht der Hammer! An alle Datenparanoiker da draussen: Eure Daten sind jetzt schon jedem Unternehmen bekannt, was macht ihr nur für einen Wind um solche richtig nützlichen und sinnvollen Anwendungen?! Ich habe ein nettes Google-Handy, freue mich schon auf die Goggles. Schon jetzt gibt es ähnliche Programme, auf die ich nicht mehr verzichten möchte (Stichwort Augmented Reality)
Eine interessante Frage ist doch: Ist das überhaupt nützlich oder sinnvoll. Das funktioniert ja nur, wenn ich relevante Informationen auch schnell finde. Und das vernünftig hinzubekommen ist verdammt schwer. Ich glaube ehrlich gesagt noch nicht, dass das so einfach geht, wie die Juhu Buben jetzt schon schreien. Wenn ich einen Bus fotografiere, was interessiert mich dann? Eher nicht der Hubraum, die Zahl der möglichen Fahrgäste usw. usw, sondern der Fahrplan. Wenn ich einen LKW fotografiere, interessiert mich was anderes. Wenn ich einen Lieferwagen fotografiere, interessiert mich vielleicht eher die Aufschrift. Wenn ich eine Flasche deutschen Wein fotografiere, muss unter den ersten drei Hits die Gault Millau Wertung sein, sonst ist das sinnlos. Bei Wein aus dem Ausland sieht das ganz anders aus usw.
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Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen

Googles Werbeprogramme
Google verdient sein Geld fast ausschließlich mit Werbung - mit zwei nahezu vollautomatisierten Programmen.
AdSense
Mit diesem Programm können Blogger und kleine Unternehmen schnell und einfach Werbeeinnahmen erzielen: Auf ihren Internetseiten erscheinen nur kontextbasierte Suchwörter. Die sind auf den Seiteninhalt abgestimmt. Der Seitenbetreiber erhält pro Klick einen Betrag in US-Dollar gutgeschrieben. Google zahlt ab 100 Dollar Werbeeinnahmen per Scheck in US-Dollar oder als Überweisung in Euro aus. Welches Suchwort wie hoch bewertet wird und wie viel Prozent Google für seine Dienste einbehält, erfährt der Seitenbetreiber nicht.
AdWords
Werbende Unternehmen buchen Suchwörter, die in Google-Suchergebnissen oder auf anderen Internetseiten erscheinen. Das Wort "Orchidee" beispielsweise erscheint nur dann, wenn nach Orchideen gesucht wird oder sich die Web-Seite mit dem Thema beschäftigt. Der Werbetreibende bezahlt nur, wenn ein Nutzer auf das gebuchte Suchwort klickt. Der Preis für jedes Suchwort wird in einem Auktionsverfahren ermittelt. Je beliebter das Wort ist und je weiter oben es in den Suchergebnissen auftauchen soll, desto teurer ist es.
Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.


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