Neue Regeln Twitter gängelt unabhängige Entwickler

Das Kerngeschäft für die Firma, der Rest für die Entwickler: Twitters Plattformchef will keine Twitter-Clients mehr von unabhängigen Entwicklern sehen - den Zugang zum Dienst will das Unternehmen selbst anbieten. Entwickler sind empört.

Twitter-Mitbegründer Biz Stone: Sein Unternehmen sucht ein Geschäftsmodell
AFP

Twitter-Mitbegründer Biz Stone: Sein Unternehmen sucht ein Geschäftsmodell


Die neue Richtung gab Twitter schon im September vor: Auf einmal integrierte der Dienst in sein Web-Angebot viele Erweiterungen, die unabhängige Entwickler bislang mit Drittprogrammen zugeliefert hatten. Twitter zeigte plötzlich Fotos und Videos, auf die in Tweets verwiesen wird, direkt in einer Seitenspalte an. Zuvor hatte das Unternehmen die Entwicklungsfirma der sehr populären Twitter-App Tweetie für Apple-Rechner und für das iPhone gekauft. Das Unternehmen will mehr direkten Kontakt zu den Nutzern, das geht auf Kosten unabhängiger Entwickler.

Nun machte Twitters Plattformchef Ryan Sarver das offiziell. In einem Beitrag in einer Gruppe von Twitter-Entwicklern erklärt er: "Entwickler fragen uns, ob sie Software entwickeln sollen, die den Programmen Twitters ähnelt. Die Antwort lautet: nein."

Das ist natürlich mehr als ein Ratschlag - Entwickler können ihre Anwendungen nur mit Twitter zusammenarbeiten lassen, wenn sie die Programmierschnittstellen (APIs) des Unternehmens nutzen dürfen. Diesen einmal gewährten API-Zugriff kann Twitter jederzeit wieder unterbinden, zum Beispiel, wenn ein Entwickler gegen die Richtlinien verstößt.

Twitter-Manager Sarver führt als Gründe für seinen Rat an Entwickler an, Twitter wolle eine einheitliche Benutzerführung durchsetzen, allen Kunden identische Funktionen bieten und ein hohes Datenschutzniveau garantieren.

Kerngeschäft für Twitter, Nischen für unabhängige Entwickler

Es stimmt schon: Je größer der Anteil der Nutzer der offiziellen Twitter-Anwendungen ist, desto einheitlicher dürften sie das Produkt erleben. Wenn allerdings die meisten Nutzer Twitter über die offiziellen Twitter-Anwendungen nutzen, bringt das für die Firma noch einen weiteren Vorteil mit sich: Sie hat direkten Kundenkontakt, auf dem sich ein Geschäftsmodell aufbauen ließe.

Viele Entwickler sehen die Ausführungen von Ryan Sarver kritisch. In der Entwickler-Mailingliste halten Programmierer ihm vor, Twitter würde andere unabhängige Anbieter von Anwendungen herausdrängen, zum Beispiel indem Twitter den eigenen Programmen exklusive Zusatzfunktionen spendiere. Gegenüber dem Technikmagazin " Wired" äußert sich Jonnie Hallman, Entwickler der Anwendung DestroyTwitter, verärgert über die Politik der Firma: "Es ist schade, dass Twitter sich nun so entscheidet, zumal sie einen Großteil ihres frühen Wachstums den unabhängigen Entwicklern verdanken."

Ähnlich kommentieren viele Entwickler die Entscheidung Twitters, das Kerngeschäft lieber selbst zu übernehmen und Drittentwicklern die Nischen zu überlassen.

lis



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 15.03.2011
1. .
Wenn man je ein tragfähiges Geschäftskonzept entwickeln will, war das relativ unvermeidlich. Ich benutze Echofon im Firefox. Ich sehe keine Werbung, ich gehe nicht auf die Twitter Website. Ich verursache nichts als Kosten, ohne irgendwas einzubringen. Ich frag mich eh schon lang, womit Twitter je Umsatz machen will.
jocurt, 15.03.2011
2. Vielleicht mit der Steuerung von Menschen und Interessengruppen
Zitat von DJ DoenaWenn man je ein tragfähiges Geschäftskonzept entwickeln will, war das relativ unvermeidlich. Ich benutze Echofon im Firefox. Ich sehe keine Werbung, ich gehe nicht auf die Twitter Website. Ich verursache nichts als Kosten, ohne irgendwas einzubringen. Ich frag mich eh schon lang, womit Twitter je Umsatz machen will.
da lässt sich gut dran verdienen.
Ex-Kölner 15.03.2011
3. Ich habe mich schon immer gefragt...
...womit die Geld verdienen wollen. Über den "Börsenwert" des Ladens kann man nur schmunzeln.
inmado 15.03.2011
4. Twitter? Wozu?
Ehrlich gesagt versetehe ich den ganzen Hype bzgl. Twitter nicht. SMS? Sorry, ist mir schon immer zu umständlich gewesen, dieses Getippsel auf einer Telefontastatur. Und dann nur 160 Zeichen. Und bei den Preisen. Ich hab' ne Flatrate und rufe lieber an, wenn ich 'was zu sagen hab. Ansonsten schreibe ich 'ne Email. Und Twitter? Also, schätzungsweise 99% der Tweets sind doch vermutlich Müll. Was ist das für ein Medium, bei dem ich erst ein "Follower" werden muß, um... Also, ich brache das nicht.
zick-zack 15.03.2011
5. Ich mag schon Apple nicht...
...und der Laden wird mir auch langsam unsympatisch. Aus den selben oder ähnlichen Gründen.
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