Von Matthias Kremp
Der Windows-Konzern macht ernst: Am 3. Juni geht die neue Suchmaschine von Microsoft an den Start. Nebulöse Andeutungen über einen Web-Service, der Suchergebnisse "menschenlesbar" machen soll, geistern seit Monaten durchs Internet. Über den angeblich von Microsoft gewählten Namen gab es heftige Spekulationen.
Nun haben sich die Vermutungen bestätigt: Der Google-Gegner wurde Bing getauft - nicht Bong oder Bang.
Doch nicht nur der Name ist anders, auch die Art, wie Bing mit Suchanfragen und deren Ergebnissen umgeht, unterscheidet sich deutlich vom Gewohnten. Denn auch wenn Microsoft selbst Bing immer mal wieder als Suchmaschine bezeichnet, würde man den Dienst doch lieber als Entscheidungsmaschine sehen.
Wieso das eine viel treffendere Bezeichnung für Bing wäre, versucht Dorothee Ritz zu erklären, General Manager Consumer & Online bei Microsoft Deutschland. Viel zu häufig führten Web-Suchen heutzutage ins Leere - das ist das Ergebnis einer Comscore-Studie, die Microsoft in Auftrag gegeben hat und aus der Ritz zitiert: "Ein Drittel aller Suchanfragen werden unbefriedigt abgebrochen, zwei Drittel aller Suchen müssen in einem zweiten Schritt verfeinert werden." Zudem würden 66 Prozent der Endkunden Web-Suchen zur Entscheidungsfindung nutzen - und genau die soll Bing künftig vereinfachen.
Konkrete Antworten auf konkrete Fragen
Als Zielsetzung der neuen Microsoft-Suchmaschine bezeichnet Ritz es denn auch, schneller und informativer zur Entscheidungsfindung zu führen. Und das auch bei komplexen Suchanfragen. Im Idealfall soll man auf eine Suchanfrage eine konkrete Antwort bekommen, statt mit einer Linksammlung im Google-Stil abgespeist zu werden.
Eine Suchanfrage, die nur eine Flugnummer enthält, etwa LH1234, werde von Bing etwa mit aktuellen Informationen zu jenem Flug beantwortet. Die Eingabe von "Wetter München" führe zu einer Wettervorhersage der bayerischen Hauptstadt. Das erinnert an die erst vor kurzem eingeführte Suchmaschine Wolfram Alpha, die sich selbst als Antwortmaschine bezeichnet und in erster Linie auf wissenschaftliche Anfragen spezialisiert ist.
Ähnlich wie Wolfram Alpha bei manchen Anfragen beeindruckende Ergebnisse liefert, bei ihr unbekannten Themen aber versagt, kann Microsofts "Instant Answer" genannte Funktion nicht bei jeder beliebigen Anfrage funktionieren - schon gar nicht in Deutschland.
Während Microsoft nämlich in der kommenden Woche in den USA bereits die Endversion von Bing ins Netz stellt, die sich beispielsweise mit Flugauskünften, Aktienkursen und Sportergebnissen auskennt, kommt in Deutschland zunächst eine abgespeckte Version zum Einsatz.
Deren Spezialwissen wird von der Shopping-Website Ciao zugeliefert, die Microsoft erst vor kurzem gekauft hat und die insofern Entscheidungshilfen beisteuern kann, indem sie etwa Produktbewertungen und Preise bereithält.
Zunächst soll die Verlinkung von Seiten und eine Anpassung des Designs von Ciao eine "relativ durchgängige User-Experience" schaffen, sagt Ciao-Geschäftsführer Stephan Musikant.
Weitere Funktionalitäten sollen Stück für Stück in Bing eingebunden werden. Eine konkrete Timeline dafür gibt es aber ebenso wenig wie einen Termin, wann Bing in Deutschland aus der Beta-Phase entlassen werden soll.
Kunden, die wissen wollen, wie das Gesamtangebot von Bing aussieht, empfiehlt Microsoft-Managerin Ritz, nach der Einführung von Bing am 3. Juni einfach auf deren US-Version umzuschalten, was über einen Menüpunkt auf der Suchseite möglich sein soll. Außer zum Schnuppern werden solche Ausflüge aber nicht taugen. Bings Stärke sind schließlich gerade die auf das jeweilige Land angepassten Suchergebnisse.
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