Neue Top-Level-Domains Revolution bei der Adressenvergabe im Internet

Chinesische, arabische und kyrillische Schriftzeichen bekommen eine verstärkte Internet-Präsenz: Die Organisation zur Verwaltung der Domainnamen (Icann) gab grünes Licht für Adressenendungen mit nichtlateinischen Buchstaben.


Moskau - Die Öffnung für neue Domainnamen wurde zum Abschluss einer wochenlangen Konferenz in Paris einstimmig beschlossen. Seit ihrer Gründung vor 25 Jahren hat die Icann ihr Adressensystem nie grundlegend erweitert. "Wir haben den umfassendsten Wandel auf den Weg gebracht, der Milliarden Internet-Nutzer in den kommenden Jahrzehnten betreffen wird", sagte Icann-Präsident Paul Twomey.

Adressen-Revolution: Auch Domainnamen mit chinesischen oder kyrillischen Schriftzeichen werden möglich

Adressen-Revolution: Auch Domainnamen mit chinesischen oder kyrillischen Schriftzeichen werden möglich

Unter anderem soll auch die kyrillische Schrift, in der das Russische üblicherweise wiedergegeben wird, als Standardschrift ins Internet einziehen. Wie der Wladimir Wassiljew vom russischen Informationsministerium am Sonntag mitteilte, wurde dies bereits von der Internet-Regulierungsbehörde Icann entschieden. Demnach kann das Kyrillische ab 2009 für eine neue Top-Level-Domain (TLD) im Internet benutzt werden. Russland soll dann außer den lateinischen Top-Level-Domains .ru und .su auch eine in kyrillischer Schrift erhalten.

Er erwarte durch die Neuerung einen Anstieg der Web-Nutzung in Russland, sagte Wassiljew. Viele Russen haben Schwierigkeiten, die lateinische Schrift zu entziffern. Bislang gibt es in Russland 35 Millionen Internet-Nutzer, was einem Anteil von 24 Prozent an der Bevölkerung entspricht.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedew bemühte sich bereits seit Wochen der kyrillischen Schrift im Internet mehr Präsenz zu verschaffen und damit die russische Sprache in der Welt zu stärken. Die Regierung in Moskau ist offenbar besorgt, dass Russisch – einst die Hauptsprache in der Sowjetunion – heute an Einfluss verliert, und zwar zugunsten lokaler Sprachen und vor allem des Englischen.

In der nächsten Etappe müssen Regeln für die Lizenzvergabe entwickelt werden. Mit der Ausbreitung der Internet-Nutzung ist die Nachfrage nach Adressen im chinesischen, kyrillischen oder arabischen Alphabet stark gestiegen. Details zum Antragsverfahren, zu den Preisen der neuen TLDs und zu den Registrierungsprozeduren müssen jedoch erst noch ausgehandelt werden.

Durch die Liberalisierung der Endungen könnten sich Unternehmen, Länder oder Organisationen einschlägige Adressen zulegen, die bislang wegen der begrenzten TLD-Bereiche vergeben waren. Experten zufolge dürfte dies jedoch teuer werden. Bei der Registrierung etwa von Firmendomains rechnen sie mit Preisen in Höhe von mehreren 10.000 Euro.

cjp/AFP/Reuters

Korrektur: In einer früheren Version des obigen Artikels wurde aufgrund eines Fehlers in der Meldung der Nachrichtenagentur AFP Wladimir Wassiljew als russischer Informationsminister bezeichnet, er ist jedoch im Ministerium nur Abteilungsleiter. Der derzeitige Informationsminister Russlands ist Igor Schtschogolew. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.



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