Von Judith Horchert
Die Veröffentlichung der Bewerbungen um die neuen Top Level Domains (TLD) könnte der Auftakt für einen langen Wettstreit um die Adressendungen im Web werden. Internetriesen wie Amazon und Google haben zum Teil dieselben Endungen beantragt. Einigen sie sich nicht, wird das Vergabeverfahren zum Elefantenrennen.
Die Icann hat am Mittwoch die Bewerbungen für die Adressendungen bekanntgegeben und in einer Liste veröffentlicht. Insgesamt 1930 Wunschendungen wurden eingereicht, viele Unternehmen und Organisationen haben mehrere Vorschläge ins Rennen geschickt.
Google zum Beispiel hat offenbar 101 Bewerbungen abgegeben. Allerdings tauchen sie in der Liste nicht mit dem Namen Google auf, sondern unter dem Bewerbernamen "Charleston Road Registry Inc.". Zu Googles Wunschendungen gehören nicht nur, wie schon vorab angekündigt, .google und .youtube, sondern auch .love, .pet, .inc, .dot, .film und viele mehr.
231 potentielle Streitgründe
Die Streuung kann sich lohnen, denn einige Endungen sind besonders beliebt: Die knappe Nachsilbe .app zum Beispiel hat 13 Bewerber, darunter Unternehmen wie Google und Amazon. Die beiden Konzerne konkurrieren in 21 Fällen, für manche Endungen wie .talk oder .drive sind sie sogar die einzigen beiden Rivalen. Ansonsten ist auch die Endung .web begehrt - sieben Antragsteller haben sich das Suffix gewünscht. Hier mischt Google ebenfalls mit, so wie auch ein Antragssteller aus Deutschland, die Schlund Technologies GmbH.
Gibt es mehrere Anwärter auf eine TLD, sollen sich die Kandidaten laut Icann untereinander einigen. Schaffen sie das nicht, will die Icann die Adressen unter den jeweiligen Kandidaten versteigern. 231 potentielle Streitgründe gibt es, denn so viele Domainendungen wurden mehrfach gewünscht.
Unklarheit über Icann-Millionen
Mancher Domainstreit dürfte also für den Adressenvergeber Icann noch zum einträglichen Geschäft werden - und teuer für die Anwärter. Das gilt schon für die erste Runde der Vergabeprozedur. Jede Bewerbung um einen Namen hat die Bewerber mindestens 185.000 Dollar gekostet. Eine Gebühr, die nicht zurückgezahlt wird, selbst wenn der Antrag erfolglos ist.
Mit dem aktuellen Bewerbungsverfahren hat die Icann nach eigenen Angaben bereits 352 Millionen Dollar eingespielt. Wie sich die sechsstellige Antragsgebühr zusammensetzt und wie genau die Non-Profit-Organisation diese Beträge einsetzt, sagt sie bei der Gelegenheit nicht. Auf ihrer Webseite wird jedoch versichert, dass es bei der TLD-Vergabe nicht um Profit gehe. Es wird auf die vorläufige Kostenschätzung für das "New gTLD Program" verwiesen, die im Jahr 2010 veröffentlicht wurde und in der als Rechengrundlage von 500 Bewerbungen ausgegangen wird.
Deutsche Bewerber sind oft konkurrenzlos
Aus Deutschland kamen 70 Anträge für neue Adressendungen. Anders als die begehrten englischsprachigen Suffixe dürften viele davon gute Chancen haben, ohne Einigungs- oder Versteigerungsverfahren bei den Antragstellern anzukommen. Zwar geraten auch deutsche Bewerber in den Wettstreit um begehrte Endungen wie .gmbh, .immo, .vip oder .taxi, doch die Mehrheit der aus Deutschland angefragten Adressendungen ist konkurrenzlos.
Sowohl .berlin als auch .bayern, .hamburg oder .lidl wurden jeweils nur einmal gewünscht. Die etwas sperrige Endung .deutschepost hat ebenfalls nur die Deutsche Post beantragt. Für die noch sperrigere .allfinanzberatung gibt es ebenfalls nur einen Bewerber. Im Fall der .vermögensberatung ist - wie auch zum Beispiel kyrillische oder arabische Schriftzeichen erlaubt sind - jetzt ein "ö" möglich. Aber auch diese TLD trifft auf keine internationale Konkurrenz. Und auch für .spiegel gibt es keine weitere Bewerbung als die vom SPIEGEL-Verlag selbst.
Mit Material von Reuters und AP
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