Neuer Konzernchef Larry Page: Googles freundlicheres Gesicht

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Larry Page beerbt Top-Manager Eric Schmidt als Google-Chef. Der Machtwechsel wirkt völlig überraschend, der Mitgründer des Internet-Giganten gilt als schüchtern und öffentlichkeitsscheu. Das zeigt vor allem eines: Page wurde bisher grandios unterschätzt.

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REUTERS

Larry Page: Der Mann im Hintergrund tritt vor

Wer im Licht der Öffentlichkeit steht, über den gibt es in der Regel einen Wikipedia-Eintrag. Liest man den deutschen Eintrag über den Google-Mitgründer Larry Page, kann man zu dem Schluss kommen, dass dieser Mann allenfalls ein kleines bisschen wichtig ist: Bescheidene drei Absätze kurz war der Eintrag an diesem Freitagmittag, obwohl die wichtige Nachricht bereits darin stand: Page übernimmt die Konzernspitze.

Das ist typisch. Larry Page, als Lawrence Edward Page 1973 in Michigan geboren, ist zwar der wohl federführende Mitgründer von Google, für viele aber ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

Typisch ist oder war bisher, dass er selten viel sagt. Wenn er öffentlich auftritt, dann immer freundlich, fast schüchtern erscheinend. Seine kehlige und oft brüchige Stimme scheint wie dafür gemacht, von kleinen, beiläufig eingestreuten Witzchen unterbrochene Endlosvorträge zu vorzugsweise staubtrockenen Themen zu halten. Page ist anders als viele andere amerikanische IT-Unternehmer kein versierter Entertainer, sondern ein Nerd, wie er im Buche steht.

Ein Nerd aus einer Familie von Nerds sogar, in der Papa Informatik-Professor, Mama Programmiererin war und der ältere Bruder ein IT-Unternehmer, der mal eine Firma gründete und diese für 400 Millionen Dollar an Yahoo verkaufte. Vermutlich wird die Gründung von Großunternehmen in solchen Familien als normal verbucht: Pages Background dürfte dazu beigetragen haben, dass seine Qualifizierung für spätere Jobs früh begann. Angeblich soll er in Kinderzeiten einmal einen funktionierenden Tintenstrahldrucker aus Legosteinen konstruiert haben. Man wäre fast enttäuscht, wenn es nicht wenigstens solche Legenden gäbe - denn Abenteuergeschichten, Jugendsünden, Skandale oder sonstige Würze im dünnen Süppchen der Page-Biografie sucht man vergeblich.

Kompetent, aber hölzern

Am ehesten kennt man ihn von Fotos, auf denen er entweder schräg hinter seinem Gründer-Partner Sergey Brin oder dem langjährigen Firmenlenker Eric Schmidt zu sehen ist. Fast immer lächelt er, stets steht oder sitzt er sehr, sehr gerade. Die Bühne strebt er nur selten an, wie etwa bei der legendären CES-Keynote 2006, einem Meilenstein der Tech-Drögheit. Keine Frage: Die Rampensau-Qualitäten eines Steve Jobs oder Larry Ellison gehen Page völlig ab.

Dabei steht seine Qualifikation völlig außer Frage, er ist offensichtlich nur kein Kameramensch - auch Bill Gates brauchte mehr als zwanzig Jahre, bevor er auf eine Bühne treten konnte ohne auszusehen, als habe er soeben einen Wellensittich erwürgt.

Bezeichnend ist, wie Page selbst im internen Zirkel der Google-Mitarbeiter auftritt. Das folgende Video zeigt ihn im Oktober 2009 bei einer internen Veranstaltung. Wer versucht, sich der Person Page auf solchen Wegen zu nähern, darf sich dabei fast wie ein Pfadfinder fühlen: Das bei YouTube veröffentlichte Video gehört zu den ausführlichsten, besten Mitschnitten eines Page-Auftrittes. Bis zum 21. Januar 2011, 12.35 Uhr, wollten exakt 2961 Menschen das Video sehen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass das Interesse an Larry Page bisher eher verhalten war:

Dass es nun Page und nicht der weniger öffentlichkeitsscheue, vermeintlich bissigere Sergey Brin ist, der Schmidt als Firmenlenker ablöst, deutet darauf hin, dass diese Wahrnehmung seiner Person nicht ganz vollständig war. Selbst in diesem Video legt er ja - wie in allen öffentlich zugänglichen Videodokumenten - nicht nur eine merkliche Steifheit an den Tag, sondern durchaus auch Souveränität. Menschen, die ihn kennen oder getroffen haben, schildern ihn als sehr selbstbewussten Zeitgenossen, der sich des eigenen Einflusses absolut bewusst ist - eine lächelnde, aber knallharte Autorität.

Sucht man nach seinen Spuren, egal ob im Web oder in Pressearchiven, wird man dagegen kaum fündig. Über Eric Schmidt, Sergey Brin, selbst über Marissa Mayer, die "Angestellte Nr. 18" von Google, gibt es genügend Porträts, um damit Brockhaus-dicke Bände zu füllen. Pages Spuren finden sich eher in Nebensätzen, kurzen Zitaten, in bisher eher seltenen Auftritten.

Ein Hintergrund-Mann? Ja, aber der, der die Fäden zieht

In all diesen Dingen aber finden sich so viele Indizien für die Unterschätzung des Herrn Page, dass man sich fragt, wie sie überhaupt geschehen konnte. Schon einmal, von 1998 bis 2001, stand Page ja an der Spitze des Unternehmens.

Wer auch sonst? Google basierte auf seiner Idee, ursprünglich als akademische Forschungsarbeit gedacht. Weil Page schnell erkannte, wie viel Potential darin steckte, legte er seine Promotion auf Eis, suchte erst einen Programmierpartner (Sergey Brin), dann ein Team. Als der Versuch scheiterte, die zu der Zeit führenden Internetunternehmen für die Technologie des Google-typischen Page-Rankings zu begeistern, machte er eine Firma aus der Sache.

Die Technik heißt übrigens keineswegs Page-Ranking, weil sie Internetseiten (Pages) analysiert. Der technologische Kern des Google-Erfolges ist nach seinem Entwickler benannt.

Der zeigte schnell, dass er nicht nur ein Ingenieur, ein Wissenschaftler und Tüftler ist, sondern auch eine feine Nase für das Geschäft besitzt. Gegen den Trend der Zeit bot Page Google nicht etwa einem mächtigen Venture-Capital-Finanzier an, sondern hausierte bei diversen Geldgebern, um kleinere Summen zusammenzubekommen. Sein Ziel: Vom ersten Tag an die Kontrolle über das Projekt nicht abzugeben. Es gelang mit Bravour. Selbst nach dem Börsengang hielt das Gründer-Duo, inzwischen durch den Ex-Novell-Manager Eric Schmidt als CEO zum Triumvirat erweitert, genügend Anteile, um Google bis heute unangefochten zu kontrollieren.

Zurück zu Page heißt auch, zurück zu einem "weicheren" Image

Es mag also durchaus nüchterne Gründe geben, den Posten des Mannes, der Google nach außen repräsentiert, wieder mit Page zu besetzen. "Reif zu führen" sei der, konstatierte der bisherige CEO Eric Schmidt, der Google durch eine Phase führte, in der das Unternehmen von 200 Mitarbeitern auf 24.400 Angestellte anschwoll. Auf diesem Weg aber verlor die Firma - gerade in den letzten zwei, drei Jahren - viel von ihrem jugendlichen Sex-Appeal, von ihrem Charme, ihrem Community-nahen, hemdsärmeligen Image.

Schmidt, dem kühlen, glatt wirkenden Manager, traute man nie wirklich Humor zu. So manche seiner mitunter scherzhaft gemeinten Äußerungen kamen nur arrogant rüber - andere waren es wohl wirklich. Das Bild vom netten "Don't be evil"-Unternehmen, das die Welt verbessern wollte, deckte sich nicht mehr mit dem des Multimilliarden-Konzerns mit dem überbordenen Datenhunger, geführt vom vermeintlichen Zyniker Schmidt. Der trat in letzter Zeit meist auf, um Google gegen massive Vorwürfe zu verteidigen: Datenschutz-Vergehen, Markt-Monopolisierungen, Einbrüche in die Privatsphäre von Nutzern. Aus dem Kumpel Google war in der öffentlichen Wahrnehmung der Krake geworden - das Microsoft des neuen Millenniums, wenn man so will, der neue Buhmann der IT-Welt.

Wenn es da noch einen gibt, der für Googles altes Image steht, dann ist das Larry Page. Als Top-Manager des Konzerns verantwortete er in den vergangenen zehn Jahren die Produktentwicklung, während Schmidt die Firma auf Effizienz und Profit bürstete. Effizienz hat auch der Ingenieur Page mit Löffeln gefressen, er sieht dabei nur so aus, als wolle er in Wahrheit nur spielen. Weniger bürokratisch solle es unter seiner Ägide nun wieder werden. "Back to the roots", signalisiert das, mehr Hemdsärmel und weniger Nadelstreifen und Krawatten.

Auch das soll aber wohl vor allem der Belebung der Kreativität des Unternehmens dienen. "Ich kümmere mich um die Realität", hat Page 2009 in einem Gespräch am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos einmal gesagt, "nicht ums Image." Uwe Jean Heuser, der das Treffen für die "Zeit" protokollierte, zitierte Page dann noch mit einem Witz: In Zeiten der Krise, habe Page gesagt, soll man keine Krawatte tragen. Das verringere die Blutzufuhr zum Gehirn.

Wäre es möglich, dass das gar kein Witz war?

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insgesamt 20 Beiträge
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1. gewohnt mies
fu##uismyname 21.01.2011
mal wieder ein gewohnt uebertriebener Artikel von Spon, der mit Halbwissen punktet. Ein Blick auf Wikipedia haette genuegt um herauszufinden, dass Page einen Tintenstrahldrucker aus Legosteinen nicht im Kindesalter, sondern als Arbeit an der Uni gemacht hat. weiter so...
2. ixquick
karinkapturak 21.01.2011
Ist mir alles egal, wer bei google an der Spitze steht. Ich bin inzwischen bei ixquick und hoffe dass ich weniger registriert, überwacht und mit Werbung bedacht werde
3. ..
gabriel76 21.01.2011
.. ein sympathischer Multimilliarden-Dollar schwerer, spontaner, Dont-be-evil Typ..
4. Google
Lumpenhund 21.01.2011
Zitat von karinkapturakIst mir alles egal, wer bei google an der Spitze steht. Ich bin inzwischen bei ixquick und hoffe dass ich weniger registriert, überwacht und mit Werbung bedacht werde
Hallo Karin, ich habe auch vor etwa zwei Jahren angefangen, Ixquick parallel zu Google zu benutzen. Der Vorteil ist 1. daß Ixquick mehrere Suchmaschinen inklusive Yahoo und Google verwendet, um eigene Trefferlisten zu generieren, und 2. daß Ixquick seine eigene IP und nicht die des Auftraggebers der Suche verwendet. Mittlerweile habe ich die Google-Toolbar entfernt und benutze nur noch Ixquick. Das reicht aber bei weitem nicht aus, Sie glauben gar nicht, wie tief sich Google in die Windows-Registry reingefressen hat. Ich habe lange gebraucht, um alle Einträge, die Google betreffen, zu löschen. Das betrifft insbesondere Google-Update. Nach dieser Reinigungsaktion ist mein Windows-Rechner deutlich spürbar schneller betriebsbereit. Ich habe über die letzten Jahre auch den Eindruck gewonnen, daß sich das Google-Suchkonzept überlebt hat. Google weiß das selbst am besten und verlegt sich zunehmend auf neue Geschäftsbereiche. Die Qualität der abgelieferten Treffer einer Suche verschlechtert sich stetig, man merkt es gar nicht, man wird sich einfach daran gewöhnen müssen. Der Grund dafür liegt darin, daß Webseiten zunehmend nicht mehr hart als html-Seiten, sondern als Ergebnis einer Datenbankabfrage via php generiert werden. Das beste Beispiel dafür ist das SPON-Forum und dieser Thread hier: all die Beiträge, die Sie hier lesen, existieren nicht wirklich, es gibt einzig und allein eine Schablone, in die die Beiträge der Diskussionsteilnehmer, die in der Datenbank des SPIEGEL-Servers abgelegt sind, hineingepresst werden. Wenn Sie anfangen sollten, nach irgendeinem der Beiträge hier via Google zu suchen, werden Sie nichts finden. Warum? - Weil Google keine Rechte hat, die Datenbanken des SPIEGEL-Servers zu durchsuchen. Und sollte es Google tatsächlich mal gelungen sein, einen Snapshot einer Webseite zu speichern, so bedeutet dies nicht, daß dieser Snapshot Gültigkeit hat. Beispiel: Sie suchen via Google nach "Bundespräsident Köhler". Sie bekommen von Google natürlich ohne Ende Treffer geliefert, Sie klicken einen an, fangen an zu lesen, und Sie lesen dann plötzlich einen Artikel über den japanischen Walfang in der Arktis! Ich bin mir 100%ig sicher, daß das jedem Internet-Benutzer schon mal passiert ist. Jetzt könnten Sie natürlich sagen: ok, dahinter steckt ein miserables Content-Management-System (CMS). Aber es verdeutlicht die Problematik, die in der Technik des WEB 2.0 (PHP + MySQL) verborgen liegt, um so mehr. Ich habe die Befürchtung, daß das Internet sich zunehmend selbst zerstören wird, die einzige Auswegmöglichkeit wird sein: das gute, alte Usenet. PS: SPON verfügt über ein beispielhaftes und exzellentes Content-Management-System - das ist keine Schleimerei, sondern aufrichtige Bewunderung.
5. jaja, natuerlich...
frank_lloyd_right 21.01.2011
Zitat von gabriel76.. ein sympathischer Multimilliarden-Dollar schwerer, spontaner, Dont-be-evil Typ..
...sind sie da von allein drauf gekommen, haben sie den artikel gelesen, oder sich das foto angesehen ? sind sie satiriker oder hoffen sie auf ein spon-volontariat ?
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Web-Konzern: Alles, was Sie über Google wissen müssen

Google
Der Konzern
Reuters
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.

Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.


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