Instant Messenger haben ein Problem: Vielen der einst so populären Diensten laufen die Nutzer davon, seitdem soziale Netzwerke wie Facebook oder E-Mail-Anbieter wie Google Chat-Dienste in ihre Angebote integriert haben. Außerdem nagen Dienste wie Skype, die neben der Text-, Sprach- und Videokommunikation auch noch herkömmliche Telefonnummern und Verbindungen ins Festnetz anbieten, an der Nutzerbasis. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zugriffe auf reine Instant Messenger in den USA um rund ein Drittel gesunken, hat Comscore ermittelt.
Auch der 1997 gestartete AOL Instant Messenger (AIM) ist aus der Mode gekommen. Der immer noch drittgrößten Instant-Messaging-Dienst hinter Yahoos "Yahoo Messenger" und Microsofts "Windows Live Messenger" soll nun mit einer zeitgemäßen Oberfläche und offenen Standards reüssieren. Eine Betaversion steht zum Download für Windows, Mac, Android und iOS bereit - es handelt sich um einen regelrechten Neustart, keinen Versionssprung.
Nutzer können nun unter anderem webbasierte Fotos und Videos gleich im Chat-Fenster betrachten. Auch können die über den AIM verschickten Nachrichten über mehrere Geräte hinweg synchronisiert werden. Das Design des neuen AIM erinnert stark an Twitter, die Anwendung sieht aus und reagiert wie eine Website. Viele der zuletzt unübersichtlichen Einstellmöglichkeiten wurden entfernt.
Weniger Funktionen, mehr Anbindung
Auch nützliche Funktionen fehlen in der Vorschauversion - der Rechtsklick, mit dem früher allerlei Aktionen wie das Weiterleiten oder Umbennenen eines Kontakts ausgelöst werden konnten, wurde abgeschafft. Vor allem der Verzicht auf die Möglichkeit, Kontakte in Gruppen zu sortieren, dürfte Nutzer mit langer Buddy-Liste stören. Dafür lassen sich Nachrichten nun einfach an mehrere Kontakte gleichzeitig verschicken.
Nicht nur das Aussehen erinnert an Twitter: Eine "Update"-Ansicht zeigt die Statusnachrichten der Kontakte gebündelt an. Ebenso neu: Ein Nachrichtenticker mit aktuellen Meldungen, voreingestellt ist die "Huffington Post", die zu AOL gehört. Verbinden lässt sich der neue AIM mit den Chat-Diensten von Google und Facebook, sowie mit Twitter, Instagram und AOLmail-Konten. So gibt es Nachrichten über neue E-Mails oder Status-Updates gesammelt unter einer Oberfläche.
Noch macht die abgespeckte und aufgehübschte AIM-Versionen allerdings einen so rudimentären Eindruck, dass sie nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann. Für einen allumfassenden Social-Media-Hub fehlt die Integration in das Betriebssystem oder in einen Browser. Auch der zusätzliche Nutzen hält sich (noch) in engen Grenzen.
ore/dapd
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