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Gruppen im Social Network: Facebook macht Surfverhalten öffentlich

Ich sehe das, was du gesehen hast, ob du willst oder nicht: Das gilt nun für die Anzeige von Aktivitäten in Facebook-Gruppen. Künftig kann jedes Mitglied sehen, wer sich was angesehen hat. Kommt das bald auch für Profilseiten?

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dapd

Facebook: Transparente Überwachung in Gruppen

Ein neues Feature für Facebook-Gruppen könnte für neuen Verdruss über den Umgang mit der Privatsphäre im weltgrößten Social Network sorgen - und gleichzeitig die Wünsche mancher neugierigen Nutzer erfüllen. Künftig wird den Mitgliedern von Facebook-Gruppen angezeigt, wer von ihnen einen Beitrag oder ein gepostetes Foto bereits angesehen hat. Unter den Einträgen erscheint ein Häkchen, beim Darüberfahren mit dem Mauszeiger wird angezeigt, wer genau den Beitrag schon gelesen, das Foto betrachtet hat. Die Funktion, die sukzessive bei allen Gruppen eingeführt wird, lässt sich nicht deaktivieren.

Damit ist es zumindest in den Gruppen des Social Networks nicht mehr möglich, sich einmal unauffällig und unbemerkt nach Neuigkeiten umzusehen, die eigenen Aktivitäten werden den anderen Gruppenmitgliedern angezeigt, ob man will oder nicht. Man könnte das auch transparente Überwachung nennen, denn Facebook selbst lagen diese Informationen natürlich schon immer vor. Nun werden sie auch den anderen Gruppenmitgliedern öffentlich gemacht.

Facebook preist das Feature als gesteigerten Nutzer-Mehrwert. Auf einer Erklärseite heißt es: "Auf diese Weise bleibst du auf dem aktuellen Stand der Gruppenaktivitäten." Zwar gibt es sogar eine "Geheim"-Option für Gruppen, aber die bezieht sich nur auf die Gruppe als Ganzes, nicht auf das interne Geschehen.

Natürlich befriedigt Facebook mit der Neuerung die Neugierde vieler Menschen. Ähnliche Features gab es bereits vor Jahren in Social Networks wie StudiVZ.Dort wurde jeder Besuch des eigenen Profils protokolliert und angezeigt. Kommunikationsdienste wie Skype oder WhatsApp zeigen an, ob der Adressat die eigene Nachricht bereits erhalten hat. In klassischen Webforen gibt es derartige Funktionen bereits seit vielen Jahren.

Andere Netzwerke wie Xing bieten derlei Zusatzfunktionen fürs Profil sogar als kostenpflichtiges Premium-Feature an: Wer hat das eigene Profil in der vergangenen Woche besucht? Und es kommt nicht von ungefähr, dass sogenannte Profilscanner-Apps seit langem im Umlauf sind und sich offenbar großer Beliebtheit erfreuen. Schon 2009 machte eine Facebook-App namens Fan Check die Runde, mit deren Hilfe Mitglieder des Netzwerks angeblich herausfinden konnten, wer das eigene Profil wie oft besucht hat. Offiziell als Anti-Stalker-Maßnahme angepriesen, war es innerhalb kürzester Zeit an die 20 Millionen Mal heruntergeladen worden. Die App erwies sich allerdings als fehlerhaft, was wiederum dazu führte, dass sich eine Reihe von Nutzern statt vermeintlicher Reparatur-Patches Viren herunterluden. Tatsächlich unterbindet Facebook solche Funktionen schon seit längerer Zeit - noch immer sind aber zahlreiche vermeintliche Profilscanner-Apps im Umlauf, bei denen es sich in Wirklichkeit um Betrugsmaschen handelt, die meist dem Einschleusen von Viren auf dem Rechner des Nutzers dienen sollen.

Unter den Facebook-Nutzern scheint es schon einige Fans der neuen Gruppen-Offenheit zu geben. Voller Ungeduld warten sie darauf, wann auch sie "das mit dem Häkchen in meiner Gruppe" einrichten können.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, die WhatsApp-App zeige an, ob der Empfänger eine Nachricht bereits gelesen hat. Tatsächlich zeigt das entsprechende Häkchen dort an, ob der Empfänger die Nachricht erhalten hat. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

meu

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Kein Titel, weil er optional sein sollte
der_durden 08.08.2012
Zitat von sysopdapdIch sehe das, was du gesehen hast, ob du willst oder nicht: Das gilt nun für die Anzeige von Aktivitäten in Facebook-Gruppen. Künftig kann jedes Mitglied sehen, wer sich was angesehen hat. Kommt das bald auch für Profilseiten? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,848828,00.html
Facebook schafft sich ab. Es wird Zeit für etwas Neues, etwas das die Bedürfnisse des Nutzers in den Mittelpunkt stellt. Dass bei XING angezeigt wird, wer auf meinem Profil war ist in Ordnung, dort geht es um berufliches Netzwerken, Recruiting, Headhunting. Bei Facebook würde ich das nicht akzeptieren und ich würde FB nicht mehr nutzen. Meine Nutzung dort ist sowieso schon immer äußerst eingeschränkt, Infos über mich nur wenige vorhanden und sämtliche, der wenigen Datenschutzeinstellungen auf ein Maximum gesetzt. Ich finde FB ganz praktisch, weil man über Veranstaltungen informiert wird und informieren und mal einen interessanten Artikel einen eingeschränkten Freundeskreis zeigen kann. Ich verteufele FB nicht, jeder akzeptiert die AGB´s, niemand ist gezwungen es zu nutzen, von daher finde ich die Diskussion etwas übertrieben. Die Währung auf diesen Portalen ist nicht der $ oder €, sondern die persönlichen Daten, das sollte nun endlich jedem klar sein. Aber ich glaube, dass FB es wirklich einmal überstrapazieren könnte und wenn dann ein neues Netzwerk bereit steht.... Ich trauere dem jedenfalls nicht nach... Zurker ist ein interessanter Ansatz: Zurker (http://www.zurker.eu) Zurker: Möchtegern-Facebook will Mitglieder bezahlen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/zurker-moechtegern-facebook-will-mitglieder-bezahlen-a-842735.html)
2. optional
carloz123 08.08.2012
[...] "Whatsapp zeigen an, ob der Adressat die eigene Nachricht bereits gelesen hat." Nein. WhatsApp zeigt lediglich an, dass die Nachricht an den Client des Empfängers übertragen wurde (Zwei Häkchen), was aber nicht bedeutet, dass dieser diese auch gelesen hat!
3. Würde des Menschen
discotieren 08.08.2012
facebook ist nur scheinbar lustig. Tatsächlich werden auf längere Zeit gesehen, Unmengen an persönlichen Daten dort angereichert, die eine tickende Zeitbombe darstellen: Woher soll ich heute wissen, dass Info xy mir morgen peinlich, ja schädlich sein wird? Woher soll ich heute wissen, dass Info y nicht morgen gegen mich verwandt wird? Es gibt bereits heute ein facebook-Prekariat, d.h. massenhaft facebookler, die sich durch ihren dortigen Auftritt öffentlich benachteiligen, bis hin zur Kündigung durch den eigenen Arbeitgeber. Einfach mal "We know what you're doing" in yahoo.de eingeben. Und die Bauernschlauen, die meinen, sie könnten per vertragswidrigem Pseudonym facebooks Datensammelwut entkommen, wollen doch nur ihrer Sucht mittels Ausrede fröhnen: Ihrer bürgerliche Identität zu ermitteln ist - zumindest für facebook selbst - eine Sache von Sekunden. Das Bundesverfassungsgericht im Jahr 1983: „Freie Entfaltung der Persönlichkeit setzt unter den modernen Bedingungen der Datenverarbeitung den Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten voraus. ... Wer nicht mit hinreichender Sicherheit überschauen kann, welche ihn betreffenden Informationen in bestimmten Bereichen seiner sozialen Umwelt bekannt sind, und wer das Wissen möglicher Kommunikationspartner nicht einigermaßen abzuschätzen vermag, kann in seiner Freiheit wesentlich gehemmt werden, aus eigener Selbstbestimmung zu planen oder zu entscheiden. Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wäre eine Gesellschaftsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.“ (1. BvR 209/83 Abschnitt C II.1, S. 43)
4.
sabaro4711 08.08.2012
Zitat von carloz123[...] "Whatsapp zeigen an, ob der Adressat die eigene Nachricht bereits gelesen hat." Nein. WhatsApp zeigt lediglich an, dass die Nachricht an den Client des Empfängers übertragen wurde (Zwei Häkchen), was aber nicht bedeutet, dass dieser diese auch gelesen hat!
Und ist ja auch völlig ok, da es nur zwischen zwei Personen, also Sender und Empfänger, geht. Gibts doch bei normalen SMS schon von Beginn an, nennt sich Sendebericht. Nur auf FB übertragen hieße dass, das jeder auf meiner Whatsapp-Liste sehen könnte wem ich was wann schreibe....unfassbar.
5. Passt schon - ABER!
jObserver 08.08.2012
Na und? Wenn es jeder weiß, ist es doch okay! Gruppen sind für kleine Netzwerke, für Gruppen, da,und da ist es oft wichtig zu wissen, wer was sieht. ABER. Es kann nicht sein, dass Facebook seit Ewigkeiten nichts dagegen tut, dass mich jeder sog. Freund in jede Gruppe hinzufügen kann, ohne dass ich zustimmen muss! Andauernd irgendwelche Quatschgruppen, heute Nacht deshalb 40 Benachrichtigungsmails bekommen....
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