Tweet-Rückschau: Twitter verschickt ungefragt Newsletter-Mails

Entschleunigung für den Echtzeit-Nachrichtendienst Twitter: Das Unternehmen will seinen Nutzern einmal pro Woche eine Übersicht über wichtige Themen schicken - ausgerechnet per E-Mail.

Twitter-Managerin Stanton (auf der re:publica): Wöchentliche E-Mail für die Nutzer Zur Großansicht
dapd

Twitter-Managerin Stanton (auf der re:publica): Wöchentliche E-Mail für die Nutzer

Was in der vergangenen Woche im Twitter-Universum wichtig war, darüber soll ein wöchentlicher Newsletter die Mitglieder informieren. Ganz richtig: Twitter, das praktisch eine neue Form der Kommunikation erfunden hat, setzt auf eine jahrzehntealte Technik, die wegen Spam und Postfach-Verstopfung in Verruf geraten ist: die E-Mail.

In dieser wöchentlichen Mail sollen Themen aufgeführt werden, über die sich die eigenen Twitter-Kontakte besonders häufig ausgetauscht haben, erklärte Twitter-Manager Othman Laraki im hauseigenen Blog. Außerdem werden die Themen genannt, die auf Twitter allgemein angesagt waren. Diese Zusammenfassung kommt ganz ähnlich daher wie das, was Nutzer der App und der Website hinter dem "Discover"-Button finden.

Nutzer können den wöchentlichen Newsletter im Einstellungsmenü unter "Benachrichtigungen" nachträglich abbestellen. Die Einführung eines derartigen Features war bereits seit längerem erwartet worden. Im Januar 2012 hatte der Microbloggingdienst den News-Aggregator Summify gekauft, der persönliche Social-Media-Profile durchforstete und täglich eine Auflistung der wichtigsten Inhalte entweder via E-Mail oder über eine App für das iPhone bot.

Auch wenn davon bisher nichts zu sehen ist: Die wöchentliche E-Mail könnte ein weiterer Schritt Richtung Geschäftsmodell sein. Twitter könnte sich den Newsletter sponsern lassen oder Werbeplätze verkaufen. Bisher verkauft das 2006 gegründete Unternehmen mit seinen mittlerweile mehr als 900 Mitarbeitern sogenannte "sponsored Tweets", kurze Werbebotschaften, die den Nutzern zwischen den Tweets angezeigt werden, und experimentiert mit kostenpflichtigen Profilseiten für Unternehmen.

Die Reaktionen auf Twitters neuestes Feature fallen recht unterschiedlich aus. Damit hätten die Verantwortlichen beim Zwitscherdienst nicht gerade das Rad neu erfunden, auch Facebook habe sich bereits darum bemüht, aus dem Chaos seiner Statusmeldungen einen Feed für relevante Meldungen herauszufiltern, heißt es auf der Website des Magazins ".net". Wer die Ergebnisse gesehen habe, der hoffe, Twitters Algorithmen mögen erfolgreicher sein.

Auch "The Next Web" nimmt zunächst die Kritik auf. Die Wochenschau stehe gegen alles, wofür Twitter bekannt sei. Sie sei statisch und mit der Auslieferung im Wochentakt weit entfernt von der Twitter-typischen, größtmöglichen Aktualität.

Bloß kämen die meisten Twitter-Nutzer gar nicht dazu, alle gebotenen Inhalten überhaupt zu lesen, so der folgende Einwand. 95 Prozent der Tweets, die durch ihre Timeline rauschten, würden sie gar nicht mitbekommen. Eine wöchentliche Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte könne solchen Gelegenheitsnutzern Inhalte zeigen, die sie auf andere Weise nie zu sehen bekommen hätten.

meu/ore

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
Aguilar 16.05.2012
Zitat von sysopTwitter: Das Unternehmen will seinen Nutzern einmal pro Woche eine Übersicht über wichtige Themen schicken - ausgerechnet per E-Mail. Newsletter: Twitter schickt wöchentlichen E-Mail-Rückblick - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,833447,00.html)
Der für die Eigner Facebooks anscheinend erfolgreich zu laufende Börsengang scheint anderswo Begierden zu wecken. Das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist?
2. Schau'n mer mal...
jensvolker 16.05.2012
Ich bin nur bei Twitter weil ich's mal testen wollte.Geht sicher vielen (in Deutschland) so. Wenn ein solcher Newsletter wirklich relevante Tweets nach oben befördert, würde ich vielleicht dem einen oder anderen Menschen zusätzlich folgen. Einfach mal abwarten...
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