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Niedersachsen: Verwaltung signiert digital

Statt mit Stift und Papier können Niedersachsens Beamte ab sofort digital unterschreiben. Einen entsprechenden Vertrag haben das Land Niedersachsen und die Deutsche Telekom am Montag unterzeichnet.

Hannover - Bis zum Jahr 2001 sollen rund 12.000 Landesbeamte mit Chipkarten für die elektronische Unterschrift ausgestattet werden. Die Telekom hat zudem zugesagt, die Signaturen der Mitarbeiter drei Jahre lang in einem so genannten Trust-Center zu verwalten.

Die Funktionsweise der digitalen Signatur ist einfach: Vergleichbar mit einer EC-Karte erhält der Anwender eine Chipkarte auf der sein persönliches Zertifikat - im Prinzip ein elektronischer Personalausweis - gespeichert ist. Die Karte darf nur von speziellen, von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post genehmigten Trust-Centern ausgestellt werden - gegen Vorlage des realen Personalausweises.

Um tatsächlich digital unterschreiben zu können, braucht der Anwender noch einen Kartenleser und die entsprechende Software. Die eigentliche Signatur läuft dann ähnlich ab wie das Geldabheben am Automaten: Karte ins Lesegerät stecken, Pin-Code eingeben und mit einem Mausklick unterschreiben.

Der Empfänger des digital signierten Dokuments gibt die Datei seinerseits an ein Trust-Center weiter. Dort kann mit Hilfe eines zweiten Schlüssels überprüft werden, ob die Signatur echt ist. Gleichzeitig stellt eine Prüfsumme sicher, dass die Datei nach dem Abschicken nicht mehr verändert wurde.

"Mit diesem Vertrag eröffnet sich eine neue Dimension des elektronischen Geschäftsverkehrs", erklärten der niedersächsische Finanzminister Heinrich Aller und Telekom-Vorstand Josef Brauner beim Vertragsabschluss. Niedersachsen sei, so Aller, weltweit das erste Land, das diese Technologie flächendeckend einsetze. Brauner sprach von einem "globalen Vorbildcharakter", den die digitale Signatur im Haushaltswirtschaftssystem der Landesverwaltung habe.

Der elektronische Weg verkürzt die Bearbeitungszeit bei amtlichen Vorgängen von zehn auf vier Tage. Zusätzlich zu den effizienteren Arbeitsstrukturen gewährleiste sie, so Aller, auch mehr Rechtssicherheit. Denn die Verschlüsselung genüge höchsten Sicherheitsstandards und sei sicherer als die herkömmliche Unterschrift per Hand.

Nach Angaben von Finanzminister Aller wird Niedersachsen für die Einführung und dreijährige Verwaltung der elektronischen Unterschriften 1,2 Millionen Mark an die Telekom zahlen. Die notwendigen Chipkartenleser will das Land selbst beschaffen.

Niedersachsen ist mit seinem papierlosen Büro allerdings nicht mehr allein. In Bremen läuft derzeit ebenfalls ein Modellversuch, bei dem 10.000 Privatpersonen die digitale Unterschrift erproben. Auch die Deutsche Telekom könnte ihr Monopol auf dem Bereich der digitalen Unterschrift bald verlieren: Spätestens zur Cebit will die Deutsche Post AG ebenfalls eine Chipkarte mit digitaler Unterschrift vorstellen - zu wahrscheinlich günstigeren Konditionen als die Konkurrenz.

Die Grundausstattung soll bei der Post AG bereits für 120 Mark zu haben sein, einschließlich der Nutzungsgebühren für zwölf Monate. Jedes weitere Jahr wird mit 50 Mark zu Buche schlagen - nicht viel mehr, als derzeit für eine Kreditkarte zu zahlen ist.

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