Nigeria-Connection Australier überweist Betrügern 1,28 Millionen Euro

Folgenschwerer Internet-Nepp: Um an ein lukratives Geschäft zu kommen, überwies ein Australier Unsummen an eine dubiose Firma. Sechs Männer nahm die niederländische Polizei nun fest. Die Täter gehören vermutlich zu einem Netzwerk organisierter Cyberverbrecher.


Die mutmaßlichen Betrüger hatten dem 49-jährigen Australier per E-Mail vorgegaukelt, er könne durch ein dubioses Geschäft über 90 Millionen Dollar verdienen, das sind etwa 65 Millionen Euro. Umgerechnet 1,28 Millionen Euro gingen vom Konto des Australiers ab - angeblich, um damit Dinge wie Notar-Gebühren zu begleichen.

Dollars, Dollars, Dollars: Betrugsopfer wollen an die Scheine - zahlen aber stets selbst

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Besagter Abschluss kam natürlich nie zustande. Irgendwann, als bereits eine riesige Menge Geld von seinem Konto verschwunden war, habe der Australier in Erwägung gezogen, dass er vielleicht von Betrügern ausgenommen wurde, erläuterte ein Sprecher der holländischen Polizei.

Als seine vermeintlichen Geschäftspartner ihm in Aussicht stellten, ihm in einem Hotel einen Koffer voller Geld zu übergeben, alarmierte der Mann die Polizei. Drei Männer wurden in dem Hotel in Holland festgenommen, weitere drei in einem Büro im holländischen Ort Abcoude. Die Verhafteten gehören nach Vermutungen der Polizei zu einem Netzwerk organisierter Cyberbetrüger aus Westafrika. Zwei der Verhafteten stammen aus Nigeria. Das Land gilt als Hochburg der sogenannten 419-Betrüger - das ist die Nummer des betreffenden Strafrechtsparagraphen im nigerianischen Gesetz.

Betrug mit Marketing-Methode

"Wir sprechen hier von einem massiven Betrug, bei dem regelrechte Marketing-Methoden angewendet wurden", kommentierte Harry Jongkind, Koordinator einer hollandweiten Polizeioperation gegen Internetbetrug.

Generell nutzen Internet-Betrüger bei ihren Aktionen vornehmlich die menschliche Gier aus: "Die meisten verlangen von ihren Opfern Vorauszahlungen für irgendwelche Dienste oder Informationen. Das Geld wird bei solchen Aktionen stets auf ein ausländisches Bankkonto überwiesen."

Die versprochene Goldgrube, die die Betrüger, nachdem das Geld überwiesen ist, angeblich auftun können, bekommen die Geprellten nie zu Gesicht. "Die Nepper selbst residieren, um die polizeilichen Untersuchungen zu erschweren, nie im selben Land wie ihre Opfer", sagt Jongkind.

Es wird vermutet, dass derzeit mindestens 18.000 Internet-Betrüger in Europa operieren. Nutzer, die Verbrechern auf den Leim gegangen sind, zahlten nach Polizeiangaben Geldsummen zwischen 10.000 und drei Millionen Euro.

Die holländische Polizei hat seit Oktober letzten Jahres 74 mutmaßliche Internetbetrüger festgenommen, die E-Mail-Verteiler der Betrüger wurden jeweils beschlagnahmt. Auch in anderen europäischen Ländern ist das - an sich wenig neue - Thema Internet-Betrug gerade wieder auf der Agenda.

In Großbritannien forderte das Lords Science and Technology Committee, ein Ausschuss des Oberhauses: Internet-Firmen und die Regierung müssen wesentlich mehr unternehmen, um Verbraucher vor dem "gesetzlosen Wilden Westen" des Cyberspace zu schützen. Der britischen Polizei warfen sie eine "Laisser-faire-Attitüde" vor, die zu einem "ökonomisch desaströsen Vertrauensverlust zum Internet" führen könnte.

Internet kann auch der Aufklärung von Verbrechen dienen

Dabei kann das Netz durchaus auch dazu nützen, Verbrechen aufzuklären: Im neuseeländischen Wellington wurde unlängst ein Laptop-Dieb verhaftet, nachdem ein Überwachungsvideo von seinem Raubzug auf der Videoplattform YouTube aufgetaucht war. Das Video, das mit der Filmmusik "Pink Panther" unterlegt ist, wurde über eine halbe Million Mal angeklickt. Einer der Zuschauer kannte den Dieb zufällig - und gab der Polizei einen Tipp.

Eine ganz ähnliche Geschichte trug sich Mitte Juli in Los Angeles zu, als ein Einbrecher in die IT-bewehrte Wohnung eines Geeks einstieg. Eine Webcam filmte das Verbrechen von Anfang bis Ende, Blogger dokumentierten die Geschichte Bild für Bild im Netz. Der Dieb wurde noch am Tatort gefasst

ssu/AFP/Reuters/AP

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