NN-Crew: Zoll-Hacker prahlen mit weiterem Datendiebstahl

Die Hacker, die in einen Server des Zolls eindringen und Daten veröffentlichen konnten, legen nach: Sollte eines ihrer Mitglieder verhaftet werden, würden noch mehr geheime Dateien preisgegeben. Die Sorge kommt nicht von ungefähr.

Zoll: Hackergruppe droht mit weiteren Veröffentlichungen Zur Großansicht
DPA

Zoll: Hackergruppe droht mit weiteren Veröffentlichungen

Hamburg - Dem Zoll steht womöglich eine weitere Blamage bevor: Die Hacker-Gruppe NN-Crew hat nach eigenen Angaben ein verschlüsseltes Archiv mit E-Mails, Meldungen und vertraulichen Daten ins Internet gestellt. Solle eines der führenden Mitglieder der Gruppe verhaftet werden, soll das Passwort für die Dateien veröffentlicht werden.

Vor rund einer Woche veröffentlichten die Hacker brisantes Material von mindestens einem Rechner des Zolls. Dabei handelte es sich unter anderem um Bewegungsprofile eines Überwachungssystems namens Patras, mit dem die Daten von GPS-Peilsendern ausgewertet werden. Der Zoll bestätigte das Datenleck, die Bundespolizei nahm den Patras-Server vorläufig vom Netz und warnte alle Nutzer. Einsatzdaten von Bundespolizei oder BKA sollen nicht betroffen gewesen sein.

Offenbar hatten die Hacker Zugriff auf einen Download-Server der Bundespolizei, auf dem Software für diverse Dienststellen bereitgestellt wurde. Darauf deuten die veröffentlichten Dokumente jedenfalls hin. In ihrer neuesten Mitteilung prahlen sie damit, die über den Server bereitgestellten Programme "umgehend infiziert" zu haben.

Weiter heißt es, Bundeskriminalamt, Bundespolizei und Zoll hätten "immer fleißig die neueste Version installiert. Wir haben ein Jahr lang jeglichen Netzwerkverkehr in den Netzwerken des BKA's, der Bundespolizei und des Zolls gesnifft", damit ist ein Mitlesen der Netzwerk-Kommunikation gemeint. Die Angaben ließen sich zunächst nicht verifizieren.

Das Portal Gulli.com will von der NN-Crew eine Datei aus der verschlüsselten Sammlung erhalten haben. Dabei soll es sich um ein angeblich vertrauliches Papier der Bundespolizeiinspektion aus dem Jahr 2009 handeln, Titel: "Maßnahmen der Bundespolizei im Zusammenhang mit der aktuellen Gefährdungslage islamistischer Terrorismus vor dem Hintergrund der Bundestagswahl".

Das Sicherheitspaket, die verschlüsselte Datei mit angeblich weiteren vertraulichen Daten, könnte die NN-Crew dringend brauchen: Im Internet kursiert ein Blog-Eintrag, in dem der vermeintliche Anführer der Hacker-Gruppe enttarnt wird. Ob es sich dabei tatsächlich um einen der Zoll-Hacker handelt, ist bisher unklar: Behörden waren am Sonntagabend nicht zu erreichen, bei dem Beschuldigten ging niemand ans Telefon und die örtliche Polizeidirektion wusste von keinem Einsatz.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Vernetzung
Meckermann 17.07.2011
Gerade Behörden, aber nicht nur die, sollten mal gründlich überlegen, welche Systeme überhaupt vernetzt sein müssen, und wo dies nur der Bequemlichkeit dient...
2. Zoll Hacker
Clawog 18.07.2011
Was diese Spaßmacher alles mit Leichtigkeit können, wird um das Vielfache durch Gruppen der organisierten Kriminalität übertroffen. Also brauchen wir den Zoll in dieser Form noch?
3. .
sosonaja 18.07.2011
Als Steuerzahler würde ich schon gerne wissen, welche kriminellen Taten unsere Beamten täglich verüben!
4. ...
TiNgElTaNgEl 18.07.2011
Die BRD war noch nie bekannt dafür, sich erpressen zu lassen... Ok, bei der Umfaller-Regierung kann das schon anders aussehen, aber ich freue mich schon, wenn die ersten Hacker gefasst werden. Dann ist die Heulerei wieder groß. Klar, man kann Spaß haben, und es gibt sicherlich auch "vernünftige" Hacker, aber was in letzter Zeit publik wird, sprengt alle Grenzen.
5. Kellerkinder
hellfish 18.07.2011
Für wen halten sich diese "Hacker"? Ich glaube die haben zuviel Fernsehen geguckt und zu wenig Tageslicht gesehen. Wenn sie wirklich Missstände aufdecken würden - und NUR diese - wäre das ja eine interessante neue Kontrollinstanz, aber die veröffentlichen einfach ALLES, ohne Rücksicht auf Verluste. Womöglich werden Namen und Adressen von Beamten bekannt, ganze Ermittlungen gegen den organisierten Drogenhandel und gegen Kinderpornoringe fliegen auf und sind für den Arsch. Irgendwo hab ich gelesen (Google Cache), dass Drkhammer harte Drogen konsumiere. So einer lässt natürlich gern den Zoll auffliegen. Hoffentlich gehen die hoch und wenn sie in meiner Nähe "hausen", wird denen mal gezeigt, vor welchen Taten die Polizei uns Bürger schützt.
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Begriffsfindung: Wer sind eigentlich Hacker?

Steven Levys Hacker-Ethik
1. Zugang zu Computern - und sonst allem, was einem etwas über das Funktionieren der Welt beibringen könnte - sollte unbegrenzt und vollständig sein.
2. Eigenhändiger Zugang soll stets den Vorrang haben.
3. Alle Information sollte frei sein.
4. Misstraue Autorität - fördere Dezentralisierung.
5. Hacker sollten nach ihren Hacks beurteilt werden, nicht aufgrund von Scheinkriterien wie Abschlüssen, Alter, Rasse oder Position.
6. Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
7. Computer können dein Leben zum Besseren verändern.
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Neue Hacker: Marodierende Teenager piesacken das Netz

Die Web-Guerilla Anonymous
Die Namenlosen
Anonymous ist eine lose Gruppierung, die ihren Ursprung einst im anarchischen Bilderforum 4Chan hatte. Zunächst konzentrierten sich Aktivisten auf Aktionen gegen Scientology. Inzwischen werden DDoS-Attacken, bei denen Websites durch massenhafte Anfragen überlastet werden, gegen eine Vielzahl von Zielen durchgeführt. Die Gruppe erklärte sich solidarisch mit den Aufständischen in Ägypten, Libyen, Syrien und anderswo, sie verteidigt WikiLeaks und bekämpft die Branchenverbände der Musik- und Filmbranche. Freie Information und das Recht auf Anonymität gehören zu den wenigen geteilten Zielen der zahlreichen Netznutzer weltweit, die sich zu Anonymous zählen.
Masken und Anzüge
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Die Maske kommt aus Alan Moores Kultcomic "V wie Vendetta" und steht dort als Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung, Überwachung und Zensur: Man erkennt die Gruppenzugehörigkeit, nicht aber den anynomen Träger. Angelehnt ist die Maske an Guy Fawkers, einen englischen Offizier, der 1605 den König und das Parlament in die Luft sprengen wollte, um die Verfolgung der Katholiken anzuprangern. Der Mann im Anzug ohne Kopf, das Logo der Bewegung, steht für eine Organisation ohne Anführer: Jeder kann Anonymous sein. Eine Vielzahl von Websites und Foren, Social-Network-Profilen und YouTube-Angeboten propagiert die Grundideen und -ziele der Bewegung.
Dauerfeuer aus Ionenkanonen
Anonymous setzt häufig auf Distributed-Denial-of-Service- oder kurz DDoS-Attacken. Darunter versteht man Angriffe über das Internet, bei der eine Vielzahl von Rechnern für so massenhafte Seitenaufrufe sorgt, dass die angegriffenen Server mit der Überlast nicht mehr fertig werden und kollabieren. Meist sind sie Stunden später aber wieder am Netz. Die "Niederorbit-Ionenkanone" ist ein Tool, das DDoS-Attacken für jedermann ermöglicht - und den freiwilligen Anschluss an ein Botnetz. Klingt cool, ist bei Einsatz aber kriminell. Anonymous hat mehrere zehntausend dieser DDoS-Tools für sogenannte Raids in Umlauf gebracht.
Anonymous gegen Scientology
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Anlass zur Gründung der Bewegung waren 2008 Versuche von Scientologen, das Internet zensieren zu lassen: Ein ganz besonders wirres Video, in dem der Schauspieler Tom Cruise über Scientology redet, sollte aus dem Web entfernt werden. In den Foren einiger Imageboards (vor allem 4Chan, wo alle Teilnehmer Anonymous heißen) wurde daraufhin eine DDoS-Attacke verabredet. Seitdem protestiert ein "Arm" von Anonymous regelmäßig, auch ganz in echt auf der Straße, gegen Scientology.
Unterstützung für WikiLeaks
Bekannt wurde Anonymous durch Blockade-Angriffe auf Mastercard und Visa, die "Operation Payback". Die Finanzdienstleister hatte der Enthüllungsplattform WikiLeaks die Unterstütung entzogen. Später startete Anonymous "Operation Leakspin", eine Crowdsourcing-Initiative, um die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente nach interessanten Geschichten zu durchsuchen. Sympathisanten sollen ihre Energie darin investieren, Enthüllungen in "bürgerjounalistischer" Aufmachung auf allen denkbaren Kanälen so weit wie möglich zu verbreiten.
Anonymous und Sony
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Sony möchte nicht, dass die Nutzer der Playstation auf der Spielkonsole eigene Software laufen lassen. Der Hacker GeoHot veröffentlichte eine Anleitung, wie es trotzdem geht - und bekam deshalb juristischen Ärger. Anonymous blies als Reaktion Mitte April zum DDoS-Angriff, zur "Operation Sony". Unbekannte stahlen parallel mehr als hundert Millionen Nutzerdaten des Playstation-Networks, weitere Hacker-Angriffe folgten - und Sony verdächtigt Anonymous, beschuldigt die Gruppe der Mittäterschaft.
Im Visier der Ermittler
Die Website-Blockaden provozieren staatliche Gegenwehr: Das FBI ermittelt, Anfang des Jahres wurden Wohnungen durchsucht und Verdächtige festgenommen. In Deutschland durchsuchten Ermittler im Mai, mitten im Wahlkampf, Server der Piratenpartei: Auf einer offenen Plattform soll, ohne Wissen der Partei, ein DDoS-Angriff geplant worden sein. Im Juni nahm die Polizei in Spanien drei mutmaßliche Anonymous-Mitglieder fest, mehr als zwei Millionen Chat-Protokolle sollen ausgewertet worden sein. Auch das Militärbündnis Nato, das sich für den Cyber-War rüstet, hat Anonymous im Visier.
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Cyberwar: Vom Internet-Angriff zum bewaffneten Konflikt


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