Nokia Here, Google Maps und OpenStreetMap: Welcher Kartendienst ist der beste?

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Mit dem neuen Dienst Here will Nokia sich als Anbieter von Online-Landkarten profilieren. Auch auf Smartphones und Tablets soll die Software bald laufen. Wir haben Nokias Web-Angebot mit Google Maps und OpenStreetMap verglichen - wer weiß die besten Wege?

Nokia Here, Google Maps, OpenStreetMap: So sehen die digitalen Landkarten aus Fotos
SPIEGEL ONLINE

Mit Macht drängt Nokia in den Markt für digitale Karten. Knapp sechs Milliarden Euro zahlte das Unternehmen 2007 für die Übernahme des Kartenherstellers Navteq. Jetzt soll sich die Investition rechnen. Unter der Marke Here will der finnische Konzern sein um ortsbezogene Informationen angereichertes Kartenmaterial jetzt auf Webbrowser und Smartphones bringen - auch wenn die von der Konkurrenz kommen.

Das von Nokia-Boss Stephen Elop ausgerufene Ziel: Sein Konzern soll eine Führungsposition unter den Anbietern digitaler Karten übernehmen. Der Aufwand, den das Unternehmen dafür betreibt, ist beachtlich. Allein in der Berliner Nokia-Niederlassung sind 600 Mitarbeiter mit der Entwicklung ortsbasierter Dienste beschäftigt.

Kartenmaterial und Begleitinformationen sollen Nokias Plan zufolge auf allen nur denkbaren Plattformen nutzbar sein. Bereits jetzt kann man sie im Web mit jedem aktuellen Browser nutzen. In Kürze werde zudem eine App für iOS-Geräte kostenlos verfügbar sein, stellte der Konzern in Aussicht. Android-Entwicklern wurden Software-Werkzeuge bereitgestellt, damit sie Nokias neue Karten in ihren Apps verwenden können.

Aber wie schlägt sich Nokias Kartenwerk eigentlich im Vergleich mit der Konkurrenz? Haben die Finnen wirklich eine Chance, sich gegen weiter verbreitete Angebote durchzusetzen? Da die Mobilversionen für Android und iOS noch nicht verfügbar sind haben wir die Web-Variante von Nokia Here stichprobenartig mit den Browser-Versionen von Google Maps und dem Community-Projekt OpenStreetMap verglichen.

Die wichtigsten Ergebnisse des Vergleichs im Überblick:

  • Hinsichtlich der Orientierung auf Straßenebene geben sich die drei Konkurrenten keine Blöße. Alle liefern, zumindest in den meisten Regionen der Welt, gute Karten (es gibt Ausnahmen, siehe Fotostrecke).
  • Die Integration von Verkehrsinformationen gelingt nur Google Maps und Nokia Here, auf den Webseiten von OpenStreetMap sind solche Informationen nicht zu finden.
  • Zwar bieten alle drei Anbieter Linienpläne öffentlicher Verkehrsmittel, die taugen aber entweder nur zur groben Orientierung oder bieten nur in einzelnen Städten echte Routenplanerfunktionen.
  • Die eigentlichen Routenplaner von Nokia und Google liegen etwa gleichauf. OpenStreetMap bietet keinen eigenen Routenplaner, kann aber über Portale von Drittanbietern zur kostenlosen Routenplanung genutzt werden.
  • In abgelegenen Regionen patzen die beiden kommerziellen Anbieter mit großen weißen Lücken auf ihren Karten. Hier kann das Community-Projekt OpenStreetMap mit Karten punkten, die selbst in wenig besiedelten Gegenden noch detaillierte Angaben liefern.
  • Die besten Karten für Radfahrer und Fußgänger liefert OpenStreetMap, dessen Daten auch kleine Wege, teils sogar Trampelpfade enthalten. Das Angebot an ortsbezogenen Daten scheint dagegen bei Google und Nokia größer zu sein.

Einen echten Gewinner gibt es nach diesem Vergleich nicht. OpenStreetMap trumpft mit den meisten Details auf, überfordert mit seiner Informationsflut manchmal aber auch. Nokia und Google bringen es dagegen fertig, je nach Zoomstufe nicht benötigte Daten auszublenden und können mehr ortsbezogene Daten liefern. Spannend wird es noch einmal, wenn Nokias Karten tatsächlich als App auf dem iPhone und Android-Geräten angekommen sind. Schließlich braucht man gutes Kartenmaterial unterwegs viel dringender als zu Hause.

Alle Ergebnisse des Kartenvergleichs sehen sie in unserer Fotostrecke.

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Und Apple?
Toby1874 15.11.2012
@SPON Und was ist mit eurem Liebling Apple, hat der nicht auch einen Kartendienst im Programm? *duck, lach und weg* ;-)
2.
Thom-d 15.11.2012
Zitat von Toby1874@SPON Und was ist mit eurem Liebling Apple, hat der nicht auch einen Kartendienst im Programm? *duck, lach und weg* ;-)
Darüber will Kremp lieber nicht sprechen. ;-)
3. Höhenlinien
peterherold 15.11.2012
Die OpenStreetMaps beiten nicht nur detaillierte Angabendie in wenig besiedelten Gegenden und Pfade für Radfahrer und Fußgänger, sodern auch Höhenlinien. Der drei Möglichkeiten sind die eigene, die für Outdoorsportler geeignet sind.
4. Nicht erwähnen...
nurmeinsenf 15.11.2012
...ist auch eine Form des Kommentars. Daß Apples Kartendienst zu den Besten gehört, hätte nach bisherigem Stand auch niemand unterstellt.
5. Und die Reichenau gehört zur Schweiz
jokoenen 15.11.2012
Zumindest laut Google Maps. Habe es vor Wochen schon moniert, aber das dauert wohl noch ein bischen
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