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Webvideopreis 2013: News aus dem Paralleluniversum

Vertauschte Mütter, pünktliche Handwerker und tote Topfpflanzen - das hat echten Nachrichtenwert. Zumindest für den Postillon, einem der erfolgreichsten Satireformate im Netz. Die dazugehörige Sendung ist für den Webvideopreis nominiert.

Es ist ein bewegendes Schicksal, eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt: Vor zwei Jahren kam es bei einer Geburt in einem Krankenhaus zu einer Verwechslung, die sich jetzt erst nach und nach aufklärt. Weinend erzählen Familienmitglieder ihre Geschichte, das Ganze unterlegt mit dramatischer Musik. Allerdings: Nicht etwa ist ein Säugling versehentlich verwechselt worden, sondern dessen Mutter. Die lebt nun seit zwei Jahren mit einem Kind und einem Mann zusammen, die ihr beide fremd sind - und langsam kommen ihr Zweifel.

Die satirische Website "Der Postillon" ist schon seit Jahren erfolgreich im Netz und erreicht mit Galgenhumor, Wortspielen und Pointen mittlerweile mehrere Millionen Leser. Dahinter steckt Stefan Sichermann aus Fürth, der von seinem anfänglichen Hobby längst auch leben kann. Nach dem großen Erfolg seiner Satire-Website erschien im Jahr 2012 die erste Folge der "Postillon24 Nachrichten" auf YouTube. Ein seriös wirkendes Nachrichtensprecher-Duo trägt dort Nachrichten aus einem schrägen Paralleluniversum vor: Etwa, dass eine Topfpflanze tot in einer Wohnung aufgefunden wurde und die Polizei ermittelt oder von Protesten gegen "Honig aus Massentierhaltung".

Ähnlich Groteskes gibt es in Folge vier zu sehen, die als Beispiel für das Format für den Webvideopreis nominiert ist. Neben den "harten" News hören die Zuschauer auch von menschlichen Schicksalen, wie etwa den Skandal um die vertauschten Mütter - weniger berührend als tatsächlich urkomisch. Etwa, wenn Ehemann Mark Andresen mit Tränen in den Augen erklärt, wie es überhaupt unbemerkt bleiben konnte: "Klar hab ich bemerkt, dass Sandra nach der Geburt nicht mehr so aussah wie früher, mich nicht mehr kannte", sagt er, "und dieser holländische Dialekt! Aber ich dachte: Sie hat gerade ein Kind geboren, da verändert sich eine Frau nun mal eben."

Während die Sprecher todernst weitere brandheiße Neuigkeiten vortragen, wie etwa die Geschichte, dass ein Handwerker ausnahmsweise einmal pünktlich erschienen ist, liest der Zuschauer unten auf einem Laufband Kurznachrichten im typischen Postillon-Stil, der vielen auch schon von dessen Website und Twitter bekannt sein dürfte: "Unkreativ: Müller malt Getreide", zum Beispiel, "Gesellschaftsspiel gefressen: Hund bricht Tabu" oder "Waffenlieferungen: Deutschland macht gute Mine zum bösen Spiel".

Ob der spezielle Humor aus Fürth auch in Video-Form ein Brüller ist oder nicht, dürfen jetzt die Zuschauer entscheiden, indem sie das Video auf der Seite des Webvideopreises bei Twitter, Facebook oder Google+ teilen oder in ihrem Blog verlinken.

Deutscher Webvideopreis 2013
  • European Web Video Academy
    Der deutsche Webvideopreis wurde im Jahr 2011 zum ersten Mal vergeben. Bis zum 28. April konnten Publikum und Jury über die Nominierungen abstimmen. In diesem Jahr wurden in 13 Kategorien Dutzende Netzfilme nominiert. Aus allen nominierten Einreichungen können bis zum 23. Mai die Finalisten bestimmt werden. Dabei zählen außer geteilten Links auf Twitter und Facebook auch Verlinkungen in Blogs. Die Gewinner der Abstimmung werden zusammen mit den Jury-Preisträgern am 25. Mai 2013 in Düsseldorf gekürt. SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des Deutschen Webvideopreises.

juh

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insgesamt 12 Beiträge
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1. wundervoll
felisconcolor 20.05.2013
für mich hat dieses Video schon gewonnen. Herrlich, habe Tränen gelacht
2. Gelungen! SpOn ist aber auch nicht zu verachten.
lezel 20.05.2013
Danke für den Artikel! Das eröffnet mir ganz neue Welten! A propos Artikel: SpOn verwendet Artikel auch recht kreativ und bemüht sich insbesondere vorbildlich um den Erhalt des Dativs. Langweiliges NormSprech: *Der* Postillion, *ein* erfolgreiches Format *Des* Postillions, *eines* erfolgreichen Formats *Dem* Postillion, *einem* erfolgreichen Format *Den* Postillion, *ein* erfolgreiches Format Kreativites SpOnSchreib: *Der* Postillion, *einem* erfolgreichen Format *Des* Postillions, *einem* erfolgreichen Format *Dem* Postillion, *einem* erfolgreichen Format *Den* Postillion, *einem* erfolgreichen Format Für den Akkusativ kann man das in der Einleitung bewundern: "für den Postillon, einem der erfolgreichsten Satireformate ..." Im Genitiv ist das ohnehin der Standard der SpOn-Redaktion: "Laut Aussage des Referenten, einem treuen Parteisoldaten ..." Was tatsächlich noch fehlt, ist allerdings ein Nominativ, dem sich dann stilvoll und konsequent zum Dativ wandelt.
3. Stimme
Freibeutler 20.05.2013
Meine Stimme hat der Postillon.
4. ganz schön investigativ und mühevoll
albert schulz 20.05.2013
Zitat von sysopVertauschte Mütter, pünktliche Handwerker und tote Topfpflanzen - das hat echten Nachrichtenwert. Zumindest für den Postillon, einem der erfolgreichsten Satireformate im Netz. Die dazugehörige Sendung ist für den Webvideopreis nominiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/nominiert-fuer-den-webvideopreis-2013-postillon24-nachrichten-a-900619.html
Es muß wahnsinnig schwierig sein herauszubekommen, daß es sich um eine Sendung des Bayrischen Rundfunks handelt, offensichlich ein drittes Programm. Der Postillon - BAYERN 3 - Download, MP3, Video | Podcast | BR (http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern3/mp3-download-podcast-der-postillon.shtml) Und dann gibt es noch ein Satireportal, das mutmaßlich dazu gehört: Der Postillon (http://www.der-postillon.com/)
5.
Mimimat 20.05.2013
Zitat von lezelDanke für den Artikel! Das eröffnet mir ganz neue Welten! A propos Artikel: SpOn verwendet Artikel auch recht kreativ und bemüht sich insbesondere vorbildlich um den Erhalt des Dativs. Langweiliges NormSprech: *Der* Postillion, *ein* erfolgreiches Format *Des* Postillions, *eines* erfolgreichen Formats *Dem* Postillion, *einem* erfolgreichen Format *Den* Postillion, *ein* erfolgreiches Format Kreativites SpOnSchreib: *Der* Postillion, *einem* erfolgreichen Format *Des* Postillions, *einem* erfolgreichen Format *Dem* Postillion, *einem* erfolgreichen Format *Den* Postillion, *einem* erfolgreichen Format Für den Akkusativ kann man das in der Einleitung bewundern: "für den Postillon, einem der erfolgreichsten Satireformate ..." Im Genitiv ist das ohnehin der Standard der SpOn-Redaktion: "Laut Aussage des Referenten, einem treuen Parteisoldaten ..." Was tatsächlich noch fehlt, ist allerdings ein Nominativ, dem sich dann stilvoll und konsequent zum Dativ wandelt.
Wenn sie andere korrigieren müssen, dann schreiben sie doch wenigstens das Thema richtig: "Postillon" hat nur ein "i" im Wort.
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