Peinlichkeit statt Propaganda Unbekannte kapern Nordkoreas Twitter-Account

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un mit Schweinsnase und einer Micky Maus auf dem nackten Bauch: Dieses Bild wurde am Donnerstag über Flickr und Twitter verbreitet - ausgerechnet von einem Account der Regierung. Jemand hat sich offenbar Zugang verschafft.

Karikatur des Diktators: Normalerweise verbreitet der Kanal Propagandameldungen

Karikatur des Diktators: Normalerweise verbreitet der Kanal Propagandameldungen


Seoul - Mitten in den politischen Spannungen im Korea-Konflikt haben unbekannte Angreifer am Donnerstag offenbar mindestens zwei Onlineauftritte geknackt, die von der nordkoreanischen Regierungsorganisation betrieben werden. Dabei handelte es sich um den Twitter- und den Flickr-Account von Uriminzokkiri, einem von der Regierung unterhaltenen Onlinedienst, der über seine eigene Webseite und soziale Netzwerke Berichte, Videos und Bilder verbreitet - und zwar ausschließlich solche, die der Regierung passen.

Am Donnerstag allerdings erschien ein Bild auf der entsprechenden Flickr-Seite, das sicher nicht von der Regierung stammte: ein Fahndungsplakat mit der Karikatur des Diktators Kim Jong Un, dargestellt mit Schweinenase und Micky-Maus-Bild auf dem entblößten Bauch. Darunter steht, der Gezeigte bedrohe den Weltfrieden mit Interkontinentalraketen und Atomwaffen und verschwende "Geld, während sein Volk zu Tode hungert". Die Rede ist weiter von Konzentrationslagern und Menschenrechtsverletzungen. Wer den Account übernommen hat, ist unklar, in einem späteren Posting hieß es "We are Anonymous".

Auch der Twitter-Account von Uriminzokkiri war offenbar in fremde Hände gefallen. Links auf mehrere Websites wurden mit dem Kommentar "gehackt" gepostet, auch ein Link auf den mittlerweile geschlossenen Flickr-Account Nordkoreas. Auch am Freitagmorgen noch waren die entsprechenden Tweets nicht gelöscht.

Der Angriff fiel mitten in die politischen Spannungen in Nord- und Südkorea, die in den letzten Tagen stark zugenommen haben. Zuvor hatten sich beide Seiten gegenseitig beschuldigt, Cyberangriffe auf den jeweiligen Nachbarn ausgeübt zu haben. Erst kürzlich fielen in mehreren südkoreanischen Sendern und Banken reihenweise die Rechner aus, und in Nordkorea funktionierte das Internet zwischenzeitlich nicht.

juh/AP

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insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
andy_c 05.04.2013
1.
Da kommt er ja noch gut bei weg ...
rodelaax 05.04.2013
2. Das passt ja
Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen!
dhbean 05.04.2013
3.
....schweinebacke". wie treffend. schickt mal den willis hin....die hard 6
Esib 05.04.2013
4. Die einzigen, die Schweine sind (nämlich arme Schweine),
Die einzigen, die Schweine sind (nämlich arme Schweine), sind die, die für die Sicherheit der nordkoreanischen Webseite verantwortlich sind. Was für den Westen ein lustiger Spaß ist, ist für die und ihre Familien blutiger Ernst. So etwas sollte man sich überlegen, bevor man so eine "tolle Aktion" startet. Man könnte die Bilder auch über anonyme Accounts veröffentlichen, ohne dass unschuldige Menschen die Folgen zu tragen haben...
tobiash 05.04.2013
5. Oh Mann,...
... der verantwortliche Parteisekretär wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hingerichtet. Schade!
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