Hacker NSA soll Bankensystem Swift geknackt haben

Wer das Bankennetz Swift hackt, erhält Zugriff auf unzählige Transaktionsdaten. Glaubt man der mysteriösen Gruppe "Shadow Brokers", hat der US-Geheimdienst NSA genau das getan - und Geldhäuser im Nahen Osten ausgespäht.

NSA-Rechenzentrum im US-Bundesstaat Utah
REUTERS

NSA-Rechenzentrum im US-Bundesstaat Utah


Der US-Geheimdienst NSA hat sich möglicherweise Zugang zum internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift verschafft und eine Reihe von Banken im Nahen Osten überwacht. Das geht aus Dokumenten hervor, die die Hacker von "Shadow Brokers" am Freitag veröffentlichten. Experten gehen davon aus, dass die Dokumente tatsächlich von der NSA stammen und bei einer geheimen Hacker-Einheit namens "Equation Group" innerhalb der NSA gestohlen wurden.

Mit dem Swift-Netzwerk verschieben Banken täglich gewaltige Geldbeträge rund um die Welt. Das macht es untere anderem für Cyberkriminelle attraktiv. Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen Angriff auf das Swift-System gegeben. Damals erbeuteten Hacker rund 81 Millionen US-Dollar von der Zentralbank Bangladeschs.

Aber auch die NSA scheint größtes Interesse an den Daten des Netzwerks gehabt zu haben. Den aktuellen Dokumenten zufolge verschaffte sich der US-Geheimdienst offenbar Zugang zu zwei Swift-Servicebüros, darunter EastNets, das für Swift und andere Finanzinstitutionen technische Dienste im Nahen Osten leistet. Über diesen Zugang soll die NSA Transaktionen mehrerer Banken und Finanzinstitutionen in Kuwait, Dubai, Bahrain, Jordanien, Jemen und Katar überwacht haben.

"Wenn man ihr Servicebüro hackt, bekommt man Zugang zu all ihren Klienten, all ihren Banken", sagte Matt Suiche der Nachrichtenagentur Reuters. Er betreibt in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Cyber-Sicherheitsfirma.

Swift redet sich raus

Die NSA wollte sich bisher nicht zu dem Vorgang äußern. EastNets wies die Angaben in einer Erklärung auf seiner Internetseite zurück. Die Berichte seien "komplett falsch". EastNets-Kundendaten seien "in keiner Weise" betroffen gewesen. Swift verwies darauf, dass die Angaben nur die Servicebüros und nicht das eigene Netzwerk beträfen.

Die Hackergruppe "Shadow Brokers" war im vergangenen Jahr erstmals aufgetaucht. Damals hatte sie Cyberspionage-Werkzeuge der NSA zum Verkauf angeboten. Unklar ist, wer sich hinter der Bezeichnung "The Shadow Brokers" verbirgt. Nicht einmal, ob es sich um eine Einzelperson oder eine Gruppe handelt, ist bekannt.

Eine These lautet, dass nur ein NSA-Mitarbeiter dahinterstecken könne. Tools wie die von den "Shadow Brokers" veröffentlichten, würden auf einem sicheren Server liegen, der nicht mit dem Internet verbunden sei. Auf diesen könnten also nur Insider zugreifen, argumentierte im August ein ehemaliger NSA-Analyst.

jok/AFP/AP



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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
sven2016 15.04.2017
1.
Und wer waren gleich die Guten? Die NSA scheint vorzugsweise an Komplettdaten von Allem interessiert zu sein. Und es war wieder mal ein Subcontractor, der für den Leak verantwortlich ist?
gelbesvomei 15.04.2017
2. Und?
Ich erwarte regelrecht, dass Geheimdienste den Zahlungsverkehr überwachen und so z.B. Terrorfinanzierungskanäle stilllegen und Geldwäsche (Geld aus illegalem Waffen- und Drogenhandel, Mafiagelder ...) bekämpfen. Ich hoffe, der BND verfährt genauso - auch dafür zahle ich Steuern!
denker_2 15.04.2017
3.
Warum sollte die NSA versuchen SWIFT zu hacken? Ohne die NSA würde es SWIFT vermutlich überhaupt nicht geben.
herbert_schwakowiak 15.04.2017
4.
Um es mal mit Otto Reutter zu sagen: Ick wunder mir über jarnüscht mehr. Alles was technisch möglich ist, werden die machen.
_buntspext_ 15.04.2017
5. Und hat es funktioniert?
Zitat von gelbesvomeiIch erwarte regelrecht, dass Geheimdienste den Zahlungsverkehr überwachen und so z.B. Terrorfinanzierungskanäle stilllegen und Geldwäsche (Geld aus illegalem Waffen- und Drogenhandel, Mafiagelder ...) bekämpfen. Ich hoffe, der BND verfährt genauso - auch dafür zahle ich Steuern!
Das war nicht ernst gemeint oder? Hat ja bisher super funktioniert.... Sämtliche Möglichkeiten zur Terrorfinanzierung sind trockengelegt, es gibt keinen illegalen Waffen- und Drogenhandel mehr etc. etc? Für sinnlose Dinge wie den BND oder andere Nachrichtendienste zahle ich keine Steuern.
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