NSA-Überwachung Nachfrage nach Mail-Verschlüsselung sprunghaft gewachsen

Zwei Anbieter verschlüsselter E-Mails schließen aus Protest gegen die Forderungen der US-Geheimdienste. Neue Daten belegen das wachsende Interesse an sicherer Kommunikation im Web. Seit den ersten Snowden-Enthüllungen hat sich die Zahl täglich neu angelegter Schlüssel nach dem PGP-Verfahren verdoppelt.

PC-Nutzer (Symbolbild): Immer mehr PGP-Schlüssel
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PC-Nutzer (Symbolbild): Immer mehr PGP-Schlüssel


In den Vereinigten Staaten haben zwei Unternehmen ihre verschlüsselten E-Mail-Dienste eingestellt. Die Firmengründer von Lavabit und Silent Circle begründen ihre Entscheidung mit der Bedrohung durch US-Nachrichtendienste. Lavabit-Chef Ladar Levison schreibt, er sei gezwungen, "entweder mitschuldig an Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu werden oder zehn Jahre harte Arbeit aufzugeben und Lavabit zu schließen". Ende Juli hatte Lavabit 406.000 registrierte Nutzer.

Auf Wunsch hat Lavabit die auf seinen Servern gespeicherten Kopien der E-Mails von zahlenden Kunden verschlüsselt. Die Firma versprach, sie könnte diese Kopien selbst nicht entschlüsseln, das sei allein den Anwendern möglich.

NSA-Enthüller Edward Snowden soll den Dienst genutzt haben - das könnte einen Hinweis von Lavabit auf ein Geheimgerichtsverfahren erklären. Womöglich ordnete dieses Geheimgericht an, dass der Dienst die Zugangsdaten seiner Kunden zu den verschlüsselten E-Mail-Archiven herausgeben muss.

E-Mail-Dienste wie Lavabit sind für Überwacher ein attraktives Ziel, weil hier schlimmstenfalls zentral die gesamte Kommunikation einer Zielperson gespeichert ist. Darüber hinaus können bei E-Mail-Diensten auch Protokolldateien darüber Auskunft geben, von welchen IP-Adressen aus und zu welchen Zeiten E-Mail-Konten abgerufen worden sind.

E-Mail-Dienst anonym per Bargeld bezahlen

Wer besorgt über Zugriffe von US-Nachrichtendiensten auf diese Daten auf den Servern von E-Mail-Anbietern ist, sollte zu einem europäischen Anbieter wechseln.

Beim deutschen Anbieter Posteo kann man beispielsweise einen Account anonym per Bargeld bezahlen, man kann E-Mail-Konten ohne Angabe persönlicher Daten führen. Der norwegische Anbieter Runbox betont, dass er nach norwegischem Recht keine Log-Dateien speichern muss und persönliche Informationen über Nutzer nur preisgeben darf, wenn ein norwegisches Gericht das anordnet.

Natürlich könnten sich nationale Sicherheitsbehörden auch bei diesen Anbietern Zugang verschaffen, wenn auch unter deutlich rechtsstaatlichen Verfahren und nicht unter einem lediglich rechtstaatlich wirkenden Verfahren wie in den USA.

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Kryptografie: So verschlüsseln Sie Ihre E-Mails
Wer die Inhalte seiner Kommunikation geheimhalten will, kommt nicht daran vorbei, sie auf dem eigenen Rechner zu verschlüsseln. Und zwar bevor die Texte auf den Server eines Anbieters übertragen werden - sprich: im Editor schreiben und verschlüsseln, dann ins E-Mail-Programm kopieren.

Wie man E-Mails mit dem PGP-Standard (Pretty Good Privacy) verschlüsselt, beschreibt unsere Anleitung.

Anzahl veröffentlichter PGP-Schlüssel steigt

Nach den Snowden-Enthüllungen der totalen Internetüberwachung durch US-Nachrichtendienste ist das Interesse an PGP stark gestiegen. Seit den ersten Veröffentlichungen der Snowden-Dokumente steigt die Anzahl neu hochgeladener PGP-Schlüssel auf den Schlüsselservern, das zeigen Statistiken der SKS-Keyserver. Seit Anfang Juni hat sich die Anzahl täglich neu veröffentlichter Schlüssel auf rund 1200 um Schnitt verdoppelt. Im selben Zeitraum 2012 war keine Veränderung zu sehen, es kamen täglich um die 420 neue Schlüssel hinzu. Insgesamt sind auf den SKS-Keyservern derzeit mehr als 3,3 Millionen öffentliche Schlüssel gespeichert.

Zwischen dem 1. Juni und 8. August 2012 wurden 28.733 neue Schlüssel auf die SKS-Server geladen, im selben Zeitraum 2013 waren es 82.041 Schlüssel - fast dreimal so viele.

SKS-Server: Neu hochgeladene PGP-Schlüssel 1/2013 bis 8/2013
Konrad Lischka

SKS-Server: Neu hochgeladene PGP-Schlüssel 1/2013 bis 8/2013

SKS-Server: Neu hochgeladene PGP-Schlüssel 1/2012 bis 8/2012
Konrad Lischka

SKS-Server: Neu hochgeladene PGP-Schlüssel 1/2012 bis 8/2012

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teutoniar 09.08.2013
1. Verschlüsseln ist gut, reicht aber nicht!
Verschlüsseln ist gut. Wir dürfen aber vor allem nicht hinnehmen, dass wir in einem Überwachungsstaat leben. Das ist weitaus wichtiger.
Zünsler 09.08.2013
2. Mein Bauch tut mir weh ...
vom vielen Lachen! Glaubt ein Mensch wirklich, dass das gegen die bösen Datenlutscher hilft? Unglaublich, die Naivität! Oder ist es Dummheit? Frage mich allerdings - allen Ernstes - was dieser Zacken in den Charts Anfang Juli bedeuten könnte? Hat da die NSA auf den PGP-Servern ein Update aufgeladen?
Dosenpirat 09.08.2013
3. Die Aussage"BND leitet seit 2007 Daten an die NSA weiter" ist nicht ganz richtig!
Nach meinem Kenntnisstand wurde in Bad Aibling bereits in den 90iger Jahre Software entwickelt um laufende Telefonate nach Suchbegriffen abzuhören. Hier war das "Testgebiet" der Chiemsee Bereich Rosenheim. Das bedeutet die USA haben Live an deutschen Telefonierern geübt. Der BND war auch beteiligt. Das absurde, die Gegend hatte viele Menschen mit dem Hobby Schützenverein. Was glauben Sie, wie oft man sich in die Gespräche von Kameraden eines Schützenvereines eingeklinkt hat? Es war dann so, dass die Mitarbeiter in Bad Aibling alles über die Schützenvereine der Umgebung wussten...heute ist die damalige Software Programmstandard und ist Teil von Prism & Co....
jojomax 09.08.2013
4.
Der Spiegel hat es geschafft, das Wort rechtsstaatlich lässt sich steigern! Wenn es den Begriff rechtsstaatlicher gibt, gibt es dann auch das Wort unrechtsstaatlicher? Und Wo endet dann die Abstufung weniger rechtsstaatlich? Das könnte man dich an den Beuspielen Deutschland und USA durchdeklinieren!
regierungs4tel 09.08.2013
5. Chance für die EU?
Die US-Provider jedenfalls bangen mittelfristig um ihren Unternehmensstandort: http://www.businessinsider.com/lavabit-shuts-down-fbi-2013-8
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