Nur bei Facebook Microsofts Online-Office macht Google Konkurrenz

Word, Powerpoint und Excel laufen jetzt auch im Browser. Auf der Facebook-Konferenz f8 hat Microsoft eine Web-Version seines Bürosoftware-Pakets Office vorgestellt. Die Software ist kostenlos nutzbar, arbeitet mit ihrem Desktop-Pendant zusammen, hat aber eine wichtige Einstiegsvoraussetzung.


Am Mittwochabend hat Microsoft sein Online-Office live geschaltet. Auf der Facebook-Konferenz f8 wurde die Bürosoftware, die im Browser läuft, erstmals vorgestellt und gezeigt. Als Grundlage für die Entwicklung des kostenlos nutzbaren Programmpakets soll die Office-2010-Programmsammlung gedient haben, die in diesen Tagen fertig gestellt und zur Produktion freigegeben worden sein soll. Nutzbar ist die Software allerdings nur für Mitglieder des sozialen Netzwerks Facebook.

Mit einem entsprechenden Facebook-Login kann man sich ab sofort auf der Webseite des neuen Angebots unter Docs.com einloggen. Vorerst allerdings besteht auch für Facebook-Mitglieder nur die Möglichkeit, sich einige Demo-Dokumente anzuschauen und für den Betatest anzumelden. Microsoft verspricht, neue Nutzer nach und nach, je nach Ausbaustand der Kapazitäten, zum Testprogramm zuzulassen. Die Warteschlange dürfte allerdings schnell stattliche Ausmaße annehmen, da Facebook angeblich 400 Millionen Nutzer hat. Microsoft ist zu 1,6 Prozent an dem Unternehmen beteiligt, der Softwarekonzern zahlte 2007 satte 240 Millionen Dollar für den kleinen Anteil.

Mit Docs.com bringt sich Microsoft einmal mehr gegen Google in Stellung, was man in diesem Fall als Notwehr deuten kann: Das Suchmaschinenunternehmen Google hat bereits einige Millionen Nutzer für seine kostenlose Online-Bürosoftware Text & Tabellen begeistern können. Mittlerweile zählen auch einige Großunternehmen zu den Kunden. Einer IDC-Studie zufolge nutzten Ende 2009 bereits 20 Prozent der US-Firmen Google Docs, teilweise als Ergänzung, teilweise als Ersatz für Microsofts Bürosoftware.

Eine Win-Win-Situation - für Microsoft und Facebook

Diesen Markt gilt es für Microsoft nun zurückzuerobern. Dabei soll Docs.com die etablierte Desktop-Software aber offensichtlich nicht vollkommen ersetzen, sondern nur als Online-Erweiterung dienen. Im Gegensatz zu der Kauf-Version ist die Online-Variante funktionell deutlich abgespeckt worden. Trotzdem dient sie nicht nur als Betrachter-Applikation, wie im Vorfeld vielfach befürchtet wurde. Stattdessen lassen sich Texte, Tabellen und Präsentationen damit erstellen, bearbeiten und vor allem mit Kollegen oder Freunden teilen und gemeinsam bearbeiten.

Die Facebook-Integration dient hierbei als Schlüssel und Beschränkung zugleich. In Docs erstellte Dokumente lassen sich nur anderen Facebook-Mitgliedern zugänglich machen, sind für Außenstehende nicht erreichbar. So entsteht für die Partner Facebook und Microsoft eine Win-Win-Situation: Beide haben von der Kooperation Vorteile. Microsoft kann auf die Facebook-Infrastruktur und, nach Angaben von Facebook, auf 400 Millionen untereinander vernetzte Mitglieder zugreifen, Facebook bekommt neugierige Neumitglieder zugeschanzt, die Docs ausprobieren wollen - zumindest aber einen exklusiven zusätzlichen Mehrwert für seine Mitglieder, für den diese nicht bezahlen müssen. Das wertet auch Facebook auf.

Da muss noch viel geschliffen werden

Beim Versuch, das neue Online-Office zu testen, hakte und knarzte es aber noch an allen Ecken und Enden. Der Versuch, eines der Demo-Dokumente zu laden, scheiterte wiederholt, klappte nur in seltenen Fällen auf Anhieb. Auch der Versuch, eines dieser Dokumente im Browser oder in einer normalen Version von Word zu öffnen, lief auf mehreren unterschiedlich konfigurierten Testrechnern von SPIEGEL ONLINE ins Leere. Warum das so ist, war zunächst nicht nachzuvollziehen: Angaben über Mindestanforderungen, erforderliche Programmversionen oder ähnliches fehlen derzeit noch völlig.

Ganz offensichtlich hat Microsoft also noch einiges zu tun, bevor das Online-Office wirklich und für jedermann brauchbar wird. Dann aber könnte es, schon seines Bekanntheitsgrades wegen, eine kräftige Konkurrenz zu Google Docs werden. Aus dem wenigen, was bisher über die Software bekannt ist, lässt sich aber kein abschließendes Urteil bilden. Dafür müsste man das kostenlose Angebot erst einmal ausführlich testen, ausprobieren, wie gut die Online-Zusammenarbeit funktioniert, wenn mehrere Personen an einem Dokument arbeiten. Google hat hier gerade angekündigt, sein Text & Tabellen werde bald die gleichzeitige Bearbeitung von Dokumenten durch bis zu 50 Personen erlauben - da muss Microsoft erstmal gleichziehen.

Dafür könnte das Windows-Unternehmen als gewaltigen Vorteil für sich verbuchen, dass Online- und Offline-Office nahtlos miteinander zusammenarbeiten und ineinandergreifen - sofern das denn wirklich so sein sollte. Das werden wir erst wissen, wenn Docs soweit ist, dass man es einem echten Stresstest aussetzen kann. Noch hakt es im virtuellen Räderwerk.

mak



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