Soziales Netzwerk: Facebook verliert junge Nutzer in Deutschland und USA

Nicht eingeloggt: Gerade unter den Jüngeren melden sich offenbar viele von Facebook ab Zur Großansicht
DPA

Nicht eingeloggt: Gerade unter den Jüngeren melden sich offenbar viele von Facebook ab

Facebook ist im Jahr 2013 offenbar out - zumindest bei manchen jungen Erwachsenen in westlichen Ländern. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Nutzer zwischen 18 und 34 Jahren in Deutschland und den USA abwandern. Dafür boomt Facebook andernorts.

Hamburg - Vor allem in den westlichen Ländern kehren viele jüngere Nutzer Facebook den Rücken, verlassen es ganz oder nutzen es seltener; ein Wachstum gibt es momentan nur noch in der Altergruppe über 45. Das jedenfalls legen Zahlen der Analysefirma Socialbakers nahe. Der Dienst zeigt nach Ländern sortiert, wie es um die Nutzerzahlen sozialer Netzwerke steht. Und Facebook scheint gerade in den USA zu Beginn des Jahres nicht mehr ganz so angesagt zu sein.

Laut der Zahlen von Socialbakers verabschiedeten sich in den USA viele junge Menschen im ersten Quartal 2013 von Facebook. In der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren gab es in diesem Zeitraum demnach einen Rückgang von gut 1,2 Millionen Nutzern. Zu beachten ist dabei, dass derartige Zahlen mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten sind - die Zahl der aktiven Facebook-Nutzer unterliegt seit jeher relativ starken Schwankungen.

Konkurrenten: Snapchat, Tumblr, Instagram

Die Zahlen von Socialbakers sind aber nicht das einzige Indiz, dass Facebook in den USA unter jungen und sehr jungen Nutzern an Boden verliert. In der US-Techszene wurde in den vergangenen Monaten beispielsweise viel über Snapchat gesprochen, eine Smartphone-App, mit der man Bilder verschickt, die sich der Empfänger nur Sekunden lang ansehen kann, dann verschwinden sie. Die Privatsphäre ist damit gewissermaßen eingebaut, und die Flüchtigkeit erzeugt gleichzeitig Intimität. Snapchat scheint unter US-Teenagern ein rasantes Nutzerwachstum zu erleben. Daneben gilt die Bloggingplattform Tumblr als großer Facebook-Konkurrent um Aufmerksamkeit und Nutzungszeit der Jüngeren.

Möglicherweise manifestiert sich hier tatsächlich ein Trend: Gerade die mit der digitalen Welt, mit Smartphones Aufgewachsenen nutzen bestimmte, dedizierte Dienste für bestimmte Zwecke - Tumblr und Instagram zum Ansehen von Fotos, Snapchat, WhatsApp, WeChat und andere zur direkten, persönlichen Kommunikation. Facebook wird für manche Teenager zu einer Art LinkedIn: Digitale Infrastruktur für nicht allzu Persönliches, ein Ort, an dem auch Eltern und Großeltern, Lehrer und Fußballtrainer anzutreffen sind.

"Jüngere Nutzer nutzen andere Produkte als Ersatz für Facebook"

Bei Facebook ist man sich des Problems längst bewusst. Im Jahresbericht an die Börsenaufsicht SEC aus dem Dezember 2012 heißt es: "Wir glauben, dass manche unserer Nutzer, vor allem jüngere Nutzer, andere Produkte und Dienste, die unseren ähneln, kennen und als Ersatz für Facebook aktiv nutzen." Explizit genannt wurde hier Instagram. Der Absatz schließt mit den Worten: "Wir könnten eine Abnahme der aktiven Nutzung erleben, und das könnte unserem Geschäft schaden."

In den USA scheint der Trend am ausgeprägtesten, doch auch hierzulande wandelt sich Facebooks Nutzerschaft langsam - sie altert. In Deutschland musste das Netzwerk in den ersten drei Monaten Verluste vor allem in der Altergruppe zwischen 25 und 34 Jahren hinnehmen: 121.600 Nutzer weniger hat Socialbakers gezählt, bei den 18 bis 24-Jährigen waren es noch fast 90.000 weniger. Bei diesen beiden Altersgruppen handelt es sich um die Kernklientel von Facebook, sie sind insgesamt am stärksten vertreten. Auch unter den 35- bis 44-Jährigen gab es Einbrüche statt Zuwachs: Der Rückgang beträgt mehr als 41.000.

Derzeit hat Facebook laut Socialbakers in Deutschland gut 25 Millionen Nutzer. Auf diese Zahl kommt auch das Blog allfacebook.de. Basierend auf den Zahlen der Analysefirma Quintly lässt sich dort an einer Kurve ablesen, dass es seit Beginn des Jahres 2013 mit den Zahlen der aktiven Nutzer in Deutschland insgesamt bergab geht, wenn auch nur leicht. Im zweiten Halbjahr 2012 zeigte die Kurve für die deutschen Nutzerzahlen insgesamt noch deutlich nach oben, allerdings war auch das schon "kein dauerhafter Trend", heißt es in der Analyse. Im Sommer etwa gab es bereits Einbrüche.

Insgesamt gab es im April 2013 immerhin fast 1,8 Millionen deutsche Nutzer mehr als im April 2012. Das klingt zwar viel, ist aber für das Riesennetzwerk im Vergleich zum Jahr 2011 mickrig: Da wuchs das Netzwerk nämlich laut allfacebook.de um mehr als 50 Prozent, ganze 8,2 Millionen Menschen kamen als Neunutzer hinzu.

Der rasante Aufstieg des Netzwerks und das rasche Nutzerwachstum scheint zumindest in Deutschland also vorbei zu sein. Lediglich die Nutzer ab 45 Jahre traten dem Netzwerk seit Januar vermehrt bei - allerdings insgesamt weniger als 50.000, also längst nicht so viele, als dass sich der Verlust bei den Jüngeren hätte ausgleichen lassen.

Aus Brasilien kommen mehr als eine Million junge Nutzer hinzu

In den USA ist laut Socialbakers die Gesamtnutzerzahl innerhalb der vergangenen drei Monate um rund 3,7 Millionen Nutzer gesunken, auf momentan rund 163 Millionen. In dieser Größenordnung ist das immer noch ein vergleichsweise kleiner Schwund. Trotzdem ist die einzige Gruppe in den USA, die zumindest ein kleines Wachstum über den Drei-Monats-Zeitraum vorweisen kann, die der Nutzer über 65 Jahre.

In anderen Regionen der Erde sieht das derweil ganz anders aus - da wächst das Netzwerk, vor allem unter den jungen Menschen: In Vietnam beispielsweise kamen seit Januar knapp 200.000 Nutzer zwischen 18 und 24 Jahren hinzu, in Ägypten noch etwas mehr. Brasilien hat laut Statistik seit Anfang des Jahres mehr als eine Million neue aktive Facebook-Nutzer zwischen 18 und 24 Jahren hinzugewonnen.

juh/cis

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 86 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Na,
hairforce 03.04.2013
Zitat von sysopFacebook ist im Jahr 2013 offenbar out - zumindest bei manchen jungen Erwachsenen in westlichen Ländern. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Nutzer zwischen 18 und 34 Jahren in Deutschland und den USA abwandern. Dafür boomt Facebook andernorts. Nutzerzahlen von Socialbakers: Jugend wendet sich von Facebook ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/nutzerzahlen-von-socialbakers-jugend-wendet-sich-von-facebook-ab-a-892266.html)
das ist doch schon mal positiv. Es scheint mittlerweile Leute zu geben die diesen Schwachsinn erkannt haben. Ich weiss garnicht wie blöd man sein muss um bei Facebook sein Leben offen zu legen wie es so viele tun.
2. ....
jujo 03.04.2013
Zitat von sysopFacebook ist im Jahr 2013 offenbar out - zumindest bei manchen jungen Erwachsenen in westlichen Ländern. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Nutzer zwischen 18 und 34 Jahren in Deutschland und den USA abwandern. Dafür boomt Facebook andernorts. Nutzerzahlen von Socialbakers: Jugend wendet sich von Facebook ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/nutzerzahlen-von-socialbakers-jugend-wendet-sich-von-facebook-ab-a-892266.html)
Na das gibt Hoffnung das die jüngere Generation langsam auf den Trichter kommt welche Verarschung das Ganze ist.
3. der grund?
kurosawa 03.04.2013
Zitat von sysopFacebook ist im Jahr 2013 offenbar out - zumindest bei manchen jungen Erwachsenen in westlichen Ländern. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Nutzer zwischen 18 und 34 Jahren in Deutschland und den USA abwandern. Dafür boomt Facebook andernorts. Nutzerzahlen von Socialbakers: Jugend wendet sich von Facebook ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/nutzerzahlen-von-socialbakers-jugend-wendet-sich-von-facebook-ab-a-892266.html)
...es könnte auch mit einer entwicklung wie hier beschrieben zusammenhängen. "Shitstorms ab 4.999 Euro Eine Guerilla-Marketing-Agentur verspricht anonymen Auftraggebern negative Kommentare auf Facebook-Fanseiten von Unternehmen" Shitstorms ab 4.999 Euro | Telepolis (http://www.heise.de/tp/blogs/6/154032) einen candy-storm gibts auch zu kaufen. das sich dieses "geschäftsmodell" auch auf foren übertragen lässt ist ebenfalls nicht. in zukunft wird sich die frage stellen ist dieser kommentar/ diese internetbewegung auf natürliche weise zustande gekommen oder ist es astroturfing? sind es bezahlte meinungsmacher/ trolle? welchem kommentar kann man noch trauen. ich glaube damit kann die ganze diskussionskultur im internet beschädigt werden.
4. Trendsetter
Ernst August 03.04.2013
Ich geh nie auf den Zuckerberg und ich sing nie Zuckerberglieder.
5. <->
silenced 03.04.2013
Meiner Einer ist seit den 90ern im Internet, aber alles was irgendwie ein soziales Netzwerk war wurde aktiv vermieden. Bis heute bereue ich diese Entscheidung absolut nicht und Nichts und Niemand wird mich jemals dahin bringen können. Ich muss immer lächeln wenn ich junge und vermehrt auch ältere Menschen in den Cafés sitzen sehe, jeder hat sein Smartphone in der Hand und unterhält sich offenbar mit ganz anderen Leuten als mit am Tisch sitzen. Übrigens, es gibt auch heute noch Menschen unter 30 (da zähle ich vom Alter her leider nicht mehr dazu) die KEIN Internet in ihrem Zuhause haben. Es sind nicht viele, aber auch deren Anzahl wächst.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Facebook
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 86 Kommentare
  • Zur Startseite

Die zehn größten Börsengänge der Welt
Rang Firma Jahr Volumen in Mrd Dollar Land
1. General Motors 2010 23,1* USA
2. AgBank 2010 22,1 China
3. AIA (Versiche- rer) 2010 22,0 Hongkong
4. ICBC (Bank) 2006 21,97 China
5. Visa (Kredit- karten) 2008 19,65 USA
6. NTT Mobile 1998 18,05 Japan
7. Enel (Energie) 1999 16,59 Italien
8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland
* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.