Obamas Wahlsieg: Wie das Internet seinen Champion feiert

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Unzählige Fotomontagen, Videos, Blogeinträge: Das Web quillt über vor Freude über den Wahlsieg von Barack Obama. Er wird der erste Präsident sein, dessen Erfolg ohne das Netz unmöglich gewesen wäre. Die Netzgemeinde weiß das genau - und feiert nicht zuletzt sich selbst.

Anzahl der am 5. November pro Stunde veröffentlichten Blogeinträge in denen die Begriffe "Obama" und "President" vorkommen (laut Googles Blogsuche):
etwa 10.000.

Anzahl der Twitter-Postings mit den Begriffen "Obama" und "President" pro Minute in der Wahlnacht:
etwa 100 pro Sekunde - die meisten getippte Freudenschreie oder Gratulationen.

Anzahl der Zustimmung signalisierenden Klicks auf die Story "Obama gewinnt die Präsidentschaftswahl" im techniklastigen Social-News-Portal digg.com:
mehr als 23.500, ein neuer Rekord.
Der bisherige Spitzenreiter war die Ankündigung des iPhones.

Anzahl der Kommentare unter Web-Videos, Flickr-Fotos, Blogeinträgen, Nachrichtenartikeln zum Thema:
unzählige Millionen.

Stellvertretend für sie alle sei Xeni Jardin vom für Netz-Verhältnisse altehrwürdigen Kultblog "BoingBoing" zitiert: "Yes we can. And Yes We Did. Was für eine unglaubliche und historische Nacht. Noch nie habe ich so viele Menschen überall im Land gleichzeitig so viel Hoffnung, Optimismus und Stolz zeigen sehen. Wenn die Stimmung in den USA heute Nacht ein Vorzeichen dafür ist, was jetzt kommt, könnte die Zukunft - trotz allem - besser werden als die vergangenen acht Jahre."

Das soziale Netz feiert den Wahlsieg Barack Obamas, mit einer Emotionalität und einem Enthusiasmus, der das ohnehin längst überkommene Klischee vom desinteressierten, vergnügungssüchtigen Netz-Nerd Lügen straft. Das Internet hat einem vor 20 Monaten nahezu unbekannten Mann entscheidend dabei geholfen, die Wahl zu gewinnen - und heute feiert es sich selbst dafür.

Kein Zweifel: Obama weiß, wie wichtig das Netz für ihn war und ist. Als John McCain einmal fragte, wer dieser Obama eigentlich sei, entgegnete der öffentlich, der Kontrahent möge doch einfach einen Blick auf seine Facebook-Seite werfen. In seiner Dankesrede im Grant Park in Chicago dankte er den "jungen Leuten, die den Mythos von der Apathie ihrer Generation nicht hinnahmen". Und diese jungen Leute organisierten sich nicht zuletzt übers WWW.

Obamas Facebook-Seite versammelt mehr als 2,5 Millionen Unterstützer, sein MySpace-Profil verweist auf fast 850.000 "Freunde". Viele Facebook-Nutzer legten sich auf ihren eigenen Profilseiten sogar zeitweise den Zweitnamen "Hussein" zu, den auch Obama trägt, um ihre Solidarität mit dem Kandidaten zum Ausdruck zu bringen.

Sein souveräner Umgang mit dem Web hat Obama den Weg ins Weiße Haus geebnet. Seine Anhänger nutzten die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung, um ihm das größte Spendenaufkommen aller Zeiten zu bescheren, sie engagierten sich online, um ältere Verwandte ins Obama-Lager zu holen, sie organisierten Fundraising-Dinner und Aktionen, um Nichtwähler zu Wählern zu machen. Obamas eigene Netz-Zentrale my.barackobama.com ist schon jetzt ein Modell für die Kampagnen der Zukunft, in den USA und anderswo.

Das Netz veränderte den Wahlkampf von Grund auf - und die Wahl dominiert das Netz, zumindest am 5. November. Von den hundert Suchbegriffen, die Google auf seiner " Hot Trends"-Seite sammelt, Begriffen also, nach denen aktuell besonders häufig gesucht wird, haben am 5. November 87 mit der Wahl zu tun.

Am häufigsten gesucht: die bewegende Rede, in der John McCain seine Niederlage eingestand.

Nicht allen ist nach Feiern zumute. Auch die Anti-Obama-Aktivisten, die schon seit Monaten gegen den Kandidaten der Demokraten argumentieren und zum Teil agitieren, sind weiterhin aktiv. Sogar eine Seite, die für ein Amtsenthebungsverfahren gegen den designierten Präsidenten wirbt, gibt es.

In der Facebook-Gruppe "Junge Leute gegen Obama als Präsident", immerhin 20.000 Mitglieder stark, versammeln sich die Enttäuschten. Anhänger von John McCain beklagen den Wahlausgang. "Ein großer Tag für einen Mann", schrieb einer, "aber ein schlechter Tag für die Menschheit."

Die Mehrheit seiner Altersgenossen aber sieht das völlig anders.

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