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21. November 2015, 17:27 Uhr

Kostenloskultur

Zwei neue Serien im Stream - und weitere Netztipps fürs Wochenende

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Serienfans können den Krimi "The Fall" jetzt kostenlos streamen, ein Online-Archiv bietet 100 Jahre alte Musikaufnahmen, und es gibt ein neues Spiel fürs Handy: fünf Gratisangebote aus dem Netz.

1. Die Sicht des Mörders: Krimi-Serie "The Fall"

Am Tag berät er verzweifelte Paare, nachts tötet er Frauen: Paul Spector, Hauptfigur der BBC-Serie "The Fall - Tod in Belfast", ist Familientherapeut und Serienkiller zugleich. "Ich finde Serienkiller auf eine erschreckende Weise faszinierend", gesteht Autor Allan Cubitt in einem Beitrag für den "Guardian". So geht es in seiner Serie nicht darum, den Täter zu finden - es geht um seine Persönlichkeit.

Spectors Rivalin ist Kriminalkommissarin Stella Gibson, gespielt von "Akte X"-Darstellerin Gillian Anderson. Mal rätselt der Zuschauer mit der Kommissarin über Spectors Motive, mal wird der Zuschauer zusammen mit Spector (Jamie Dornan) selbst zum Voyeur. In Großbritannien war gerade das umstritten: Kritiker bezeichneten die Serie als "Vergewaltigungsfantasie". Allan Cubbit will "The Fall" dagegen als kritische Studie verstanden wissen, wie er im "Guardian" erklärt.

Die ersten beiden Staffeln von "The Fall - Tod in Belfast" sind in sechs Folgen auf Deutsch und Englisch in der ZDF-Mediathek abrufbar, aber nur zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Eine dritte Staffel ist geplant.

2. Russland besetzt Norwegen: Polit-Serie "Occupied"

Die Ereignisse sind frei erfunden: In der neuen Polit-Serie "Occupied" will der norwegische Ministerpräsident auf die Förderung von Öl und Gas verzichten. Um das zu verhindern, schließen die EU und Moskau einen Pakt - über eine russische Invasion Norwegens.

Die Handlung wirkt konstruiert, und doch erschafft Autor Jo Nesbø mit "Occupied" einen wendungsreichen Polit-Thriller, der dem norwegischen Umweltbewusstsein schmeichelt und geschickt mit der Angst vor einer russischen Bedrohung spielt.

Im Vergleich mit den Charakteren der dänischen Polit-Serie "Borgen" wirken die Figuren aus "Occupied" aber eher eindimensional: Ministerpräsident Berg scheint einfach nur überfordert; sein Gegenspieler Eriksen kommt kaum über das Klischee des unermüdlich zweifelnden Journalisten hinaus.

Die Serie wird seit dem 19. November in Doppelfolgen auf Arte ausgestrahlt; die Folgen sind jeweils eine Woche lang in der Mediathek abrufbar.

3. Der Held muss kullern: "Beneath the Lighthouse"

Er sieht aus wie ein Sack mit Matrosenmütze und er kann sich nicht bewegen: Der Spieleheld der App "Beneath the Lightouse" ist der Schwerkraft hilflos ausgeliefert. Um ihn von Level zu Level zu bringen, muss der Nutzer die runde Spielumgebung mit dem Finger drehen und den schlaffen Helden zum Ziel kullern lassen.

Die Gratis-App in Pixel-Optik ist für iOS und Android erschienen und lässt sich auch ohne In-App-Käufe spielen. Der Fortschritt wird von Level zu Level gespeichert. Warum die Spielewelt unter einem Leuchtturm verortet ist - und zwar im Inneren eines Felsen - ist der Fantasie des Nutzers überlassen.

4. Browser-Werkzeug: Texte speichern mit "Simple Savr"

"Simple Savr" ist das Browser-Werkzeug für alle, die schnell einen Text vom PC aufs Smartphone kopieren wollen. Oder die bei einer Teamarbeit untereinander Links tauschen möchten - und zwar ohne Chatprogramm.

Wer "Simple Savr" im Browser öffnet, sieht zunächst ein leeres Textfeld. Was auch immer der Nutzer nun eintippt, wird automatisch gespeichert - und ist auf allen Geräten sichtbar, die dieselbe WLAN-Verbindung nutzen. Wer also "Simple Savr" zum Beispiel am PC aufruft und dort eine Liedzeile eingibt, kann genau diese Liedzeile auch auf seinem Smartphone abrufen. Vorausgesetzt, beide Geräte nutzen dieselbe Internetverbindung.

Das funktioniert, weil die Geräte in diesem Fall mit derselben IP-Adresse auf die "Simple Savr"-Website zugreifen. Nutzer einer anderen Internetverbindung können die Liedzeile nicht sehen. Auf seiner Website verspricht Entwickler Rishab Bhatt, dass die Texte auf seinen Servern verschlüsselt sind.

Das Browser-Werkzeug ist kostenlos und finanziert sich durch Werbebanner. Welche Cookies "Simple Savr" verwendet, lässt sich in einer Erklärung zum Datenschutz nachlesen.

5. Hundert Jahre alter Jazz: Das Wachszylinder-Archiv

Gustav Schönwald singt: "Wo wird man geboren, wo schläft man so fein? Wo geht's so schwer raus und so leicht wieder rein? Ins Bett, ins Bett, ins Bett!" Die Tonaufnahme stammt aus dem Jahr 1906, der Tonträger ist heute kaum noch bekannt: Es ist ein Wachszylinder. Erfunden im späten 20. Jahrhundert wurde der Wachszylinder schon bald von der Schelllackplatte abgelöst.

Mehrere Tausend solcher Wachszylinder-Aufnahmen sind kostenlos auf der Website "UCSB Cylinder Archive" zu hören. Dazu gehört zum Beispiel auch das Lied "Der Walzer beim Sachsenhauser Äbbelwoi" in Frankfurter Mundart. Die meisten Stücke sind aber auf Englisch - neben Country, Jazz und Walzern gibt es auch Lieder aus der Zeit des ersten Weltkriegs und humorvolle Geschichten.

Das Archiv ist ein Projekt der Universitätsbibliothek Santa Barbara, Kalifornien. Wer selbst gut erhaltene Wachszylinder besitzt, kann sie dem Archiv spenden und dort digitalisieren lassen, wie die Betreiber auf ihrer Website schreiben.


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