Offene Abstimmung Merkels Internetdialog lässt sich manipulieren

Sind die Klicks nichts wert? Beim Bürgerdialog der Bundeskanzlerin lässt sich offenbar auf einfache Art tricksen. Die Abstimmung über die eingereichten Vorschläge erfolgt anonym, mehrfache Klicks können kaum verhindert werden.

   "Dialog über Deutschland": "Ihre Vorschläge sind mir wichtig."


"Dialog über Deutschland": "Ihre Vorschläge sind mir wichtig."


Angela Merkels gerade erst gestartete Dialog-Website hat ein Problem - und zwar nicht, weil die Top-Themen eher befremdlich wirken. Die Kategorie "Wie wollen wir zusammenleben?" wird derzeit angeführt von Forderungen nach "offener" Islamkritik, der Legalisierung weicher Drogen und mehr Deutschlandliebe gegen Migranten.

Doch der "Dialog über Deutschland", den die Bundeskanzlerin mit ihren Bürgern führen will, hat auch ein technisches Problem. Das hat der in Berlin lebende Theaterpädagoge Johannes Ponader herausgefunden. Denn die Abstimmung über die eingereichten Vorschläge lässt sich einfach manipulieren, wie der Anhänger der Piratenpartei herausgefunden hat.

Das Grundproblem: Die Abstimmung ist auch anonym möglich. So aber könne man die Anzahl der abgegebenen Stimmen nahezu beliebig beeinflussen. Dazu müsse man nur das Cookie löschen, die von der Seite auf dem Rechner des Nutzers gespeichert wird. Dabei handelt es sich um eine kleine Textdatei, die meisten Browser bieten das Löschen von Cookies mit wenigen Klicks an. Hat man als Nutzer die Cookie-Funktion ohnehin ausgeschaltet, soll sich die Abstimmung noch einfacher manipulieren lassen.

Ponader hat außerdem ein Skript veröffentlicht, mit dem sich automatisch Stimmen abgeben lassen sollen - so ließe sich über Nacht die Zustimmung einer mittleren Großstadt erreichen, schreibt er in einem Blog-Eintrag. "Dass das immense Probleme mit sich bringt, müsste jedem minderbegabten Programmierer sofort klar sein", so Ponader. Er hat das mit der Realisierung beauftrage Unternehmen am Donnerstagnachmittag per E-Mail informiert.

Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, von dem der "Dialog über Deutschland" verantwortet wird, erklärte auf Anfrage, man wolle die Hürden zum Mitmachen niedrig und offen halten. "Sollten sich jedoch Manipulationen zeigen, behalten wir uns entsprechende Maßnahmen zur Sicherung der Seite vor." Durch die anonyme Abstimmung soll offenbar ein Debakel abgewendet werden: Diverse Dialog-Plattformen von Ministerien kranken an mangelnder Beteiligung.

Bislang, so die Betreiber, seien keine Manipulationen bestätigt worden. Man wolle jedoch jedem Hinweis nachgehen.

Nachtrag, 2. Februar 2012, 18.10 Uhr: Entgegen der ersten Stellungnahme des Bundespresseamts wurde die Abstimmfunktion am Donnerstagabend doch noch geändert. Nun muss zur Abgabe einer Stimme eine zufällig angezeigte Buchstabenfolge, eine sogenannte Captcha, eingegeben werden.

ore

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 02.02.2012
1. Hihi :D
Zitat von sysopSind die Klicks nichts wert? Beim Bürger-Dialog der Bundeskanzlerin lässt sich offenbar auf einfache Art tricksen. Die Abstimmung über die eingereichten Vorschläge erfolgt anonym, mehrfache Klicks können kaum verhindert werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,813009,00.html
Politiker sind halt alle DAUs, deswegen beauftragen sie auch DAUs wenns um Computer, Internet, etc. geht. Die haben doch 'Spezialisten' beim BMD und BKA. Obwohl...
Invenire 02.02.2012
2.
Zitat von sysopSind die Klicks nichts wert? Beim Bürger-Dialog der Bundeskanzlerin lässt sich offenbar auf einfache Art tricksen. Die Abstimmung über die eingereichten Vorschläge erfolgt anonym, mehrfache Klicks können kaum verhindert werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,813009,00.html
Dieses Internetangebot der Bundesregierung sollte die technischen Gegebenheiten schaffen, damit jede Stimme gleich viel zählt, ansonsten sind die Abstimmungsergebnisse fragwürdig. Auch die nun erforderliche Buchstabenfolge löst dieses Problem nicht, es erschwert zwar die Manipulation etwas, sie ist aber weiterhin möglich. Angebliche 14982 Unterstützungen des Beitrages "Open Source statt schlechter Software" innerhalb eines Tages bedeuten den deutlichen Platz 1 und lassen erhebliche Manipulationen vermuten. Platz zwei in der Kategorie "Wie wollen wir lernen?" kommt aktuell auf 582 Unterstützungen. Meine drei Beiträge "Problem Schulkantine: Hochwertige Speisen sind Mangelware", "Verlängerung der Verjährungsfristen bei Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch" und "Rauchverbot im Auto - Wenn Kinder mitfahren!" kommen zusammen auf 47 Stimmen. Ich betone: Ohne Manipulation! Philipp Schmagold
mr.ious 02.02.2012
3. Mangelnde Beteiligung...
..steht da im Artikel. Ja sowas aber auch, selbst der bei youtube eingerichtete Kanal wird wohl in diesem Leben die zweistellige Tausendermarke nicht erreichen. Obwohl doch bekannter Maßen was darüber zu erfahren ist. Wie schaffen nur noch weit weniger bekannte Sachen wie unbekannte Dateien bei Megaupload, die vielen Millionen Interessenten ? Telepathie,.......das wird's sein. ;) Aber was weniger obskures, nämlich die tweets für die oberste Oberredakteuerin der New York Times, die selbst 1.1 Millionen Abonenten hat und Online statistisch auf über 14 Seiten pro Abonenten kommt mit 14 Millionen gemittelten Onlineusern. naja, Statistik eben.................zurück zu den tweets der Chefin, sage und schreibe 57 seit diese letztes Jahr online über sich auf einer extra Seite postete und selbstverständlich mit Empfehlungsmöglichkeit für Twitter und Facebook, da sind es 31. Das für den "new executive editor" eines kleinen Medienimperiums ! Wie wird man nachgefragt ? Das bleibt das Geheimnis der PR Maschinerie die für bewegte Bilder sorgt. Als Handwerker kann ich's auch nur bestaunen und registrieren. Aber das mit einem gewissen Vergnügen.
MarkusRiedhaus 02.02.2012
4. Manipuliert scheint das allerdings dennoch nicht zu sein.
Die Kernpunkte sind das, was die Menschen jenseits von Altenheimen und Journalisten tatsächlich interessiert. Drogenlegalisierung, Religionskritik und Kritik an Hofierung von Großunternehmern, Banken und der Lobbyisten. Da interessiert keine Casa Wulff etc.
Fassmann 02.02.2012
5. Volk, das unbekannte Wesen
Was ist da den Eliten wieder eingefallen, jetzt plötzlich soll Volkes Stimme zählen? Wissen unsere Granden etwa nicht mehr weiter? Zu Zeiten vor der Einführung von Oi und Oiro, Rettungsringen und sonstigem Geflügel war uninteressant was das Volk wollte, allenfalls als populistisch bezeichnet, die feinen Damen und Herren wußten ja alles besser...und jetzt, was jetzt? Wieso werde ich jetzt gefragt? Nee meine Lieben, das ist Eure Suppe, löffelt sie schön selber aus, ich lasse mich nicht in Mithaftung nehmen, das ist Eurer Ding, mit allem drum und dran, auch dem schmerzhaften Ende!
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