Offener Brief Wissenschaftler fordern Leitlinien für Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz kann gleichzeitig Fluch und Segen der Menschheit sein. So sehen das zumindest einige prominente Wissenschaftler und Unternehmer - und fordern nun die dringliche Erforschung der juristischen, politischen und ethischen Implikationen.

Roboter (Symbolbild): Welche Kontrolle sollte Menschen überlassen bleiben?
Corbis

Roboter (Symbolbild): Welche Kontrolle sollte Menschen überlassen bleiben?


Zahlreiche prominente Computer-Experten haben einen offenen Brief als Plädoyer für die Erforschung "robuster und nutzbringender" Künstlichen Intelligenzen (KI) unterschrieben. In einem dem Brief beigelegten Forschungspapier erklären sie näher, was ihnen an dem Themenkomplex wichtig ist: zunächst nämlich die Beantwortung, was überhaupt eine nutzbringende, positive Künstliche Intelligenz ist - und welche Risiken mit der Entwicklung solcher neuartiger Algorithmen und Computersysteme einhergehen.

Den Unterzeichnern geht es offenbar darum, eine systematische Erforschung der juristischen, politischen und ethischen Rahmenbedingungen und Folgen von Künstlichen Intelligenzen möglichst früh aufs Tapet zu bringen.

"Heutzutage gibt es einen allgemeinen Konsens, dass die KI-Forschung stetig voranschreitet und dass ihr Einfluss auf die Gesellschaft wohl noch steigen wird", heißt es in dem Schreiben. "Die möglichen Vorteile sind riesig, da letztlich alles, was die Zivilisation anzubieten hat, ein Produkt menschlicher Intelligenz ist; wir können nicht abschätzen, was wir noch erreichen könnten, sobald diese Intelligenz durch die Werkzeuge der KI vergrößert wird." Deshalb müsse erforscht werden, "wie man von den Vorzügen profitiert und mögliche Abgründe umschifft." Vor allem heiße das: Sicherstellen, dass unsere KI-Systeme auch das tun, was wir ihnen aufgetragen haben zu tun.

Dass das keine theoretischen Bedenken und Forderungen sind, soll das beigelegte Forschungspapier zeigen - eine lange Liste von Einsatzmöglichkeiten und Gefahren von und durch Künstliche Intelligenz. Insgesamt ist das ein auch für Laien spannender Ausblick über eine mögliche Zukunft in vielen Aspekten der Gesellschaft. Von der Vorhersage und Manipulation von Märkten, der Optimierung und Kontrolle von Algorithmen und Computersystemen bis hin zu spannenden ethischen Fragen:

  • Wie soll man ethisch, juristisch, versicherungsrechtlich mit Künstlichen Intelligenzen und den Schäden, die sie möglicherweise anrichten, umgehen?

  • Wie bringt man Maschinen eine Ethik bei, etwa bei der Abwägung zwischen "Personenschaden versus Materialschaden"? Sollen solche ethische Dilemmata in nationalen Standards festgelegt werden, wer hat Mitspracherecht bei der Ausgestaltung solcher Standards?

  • Autonome Waffen: Können tödliche autonome Waffen mit humanitärem Völkerrecht in Einklang gebracht werden - und wann ist überhaupt eine Waffe autonom? Falls sie legal würden, wie sollten sie in bestehende militärische Strukturen eingegliedert werden und welche Kontrolle sollte Menschen überlassen werden? Was sind die politischen und diplomatischen Folgen solcher Waffen - verhindern sie Kriege oder verursachen sie womöglich neue? Und wie soll man all diese Fragen transparent und öffentlich diskutieren?

  • Verletzt eine Künstliche Intelligenz den Datenschutz, wenn sie den Menschen beobachtet? Wie behalten die Menschen die Kontrolle über ihre Privatsphäre angesichts der "Synergie von KI und Big Data" - sprich: Roboteraugen, die alles sehen und kontrollieren können?

Initiator des offenen Briefes ist das Future of Life Institut (FLI), eine unabhängige Forschungs- und Lobbyorganisation aus Boston. Das FLI hat sich selbst zum Ziel gesetzt, die Menschheit bedrohende Risiken zu verringern, besonders die durch Künstliche Intelligenzen. Gegründet wurde es von amerikanischen Forschern und Forscherinnen und Skype-Mitgründer Jaan Tallinn. Zu ihrem wissenschaftlichen Beirat gehören der Unternehmer Elon Musk, der Wissenschaftler Stephen Hawking und der Schauspieler Morgan Freeman.

kno



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