Oberlandesgericht: Richter verbietet gemeinsame Online-Plattform der Privatsender

ProSiebenSat.1 und RTL wollen eine gemeinsame Online-Plattform starten - daraus wird erstmal nichts: Nach dem Kartellamt hat nun auch das Oberlandesgericht Düsseldorf die Pläne zurückgewiesen. Die beiden Unternehmen dominieren zusammen den Fernsehwerbemarkt.

Fernseher in den siebziger Jahren: Kartellamt und Richter fürchten Online-Dominanz Zur Großansicht
DPA

Fernseher in den siebziger Jahren: Kartellamt und Richter fürchten Online-Dominanz

Düsseldorf - Aus dem kostenlosen gemeinsamen Internetportal der privaten Fernsehsender wird wohl nichts. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht folgte am Mittwoch der Argumentation des Bundeskartellamts. Die Kartellwächter hatten das Vorhaben vor gut einem Jahr verboten. Die TV-Sendergruppen ProSiebenSat.1 und RTL wollten eine gemeinsame Internet-Plattform schaffen, auf der die Zuschauer - wie bei den bereits existierenden Mediatheken einzelner Sender - nachträglich verpasste Sendungen ansehen können. Kostenlos, werbefinanziert und offen für andere Sender sollte das Angebot sein.

Doch das Bundeskartellamt argumentiert, dass damit das "marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen" auf dem Markt für Fernsehwerbung in Deutschland verstärkt werde. Auf dem rund vier Milliarden Euro schweren bundesdeutschen Fernsehwerbemarkt verfügten beide Unternehmen zusammen über einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent.

Zwar liege ihr Marktanteil bei den gesehenen Videos im Internet bei insgesamt lediglich etwa fünf Prozent, aber die Rückwirkung auf den Fernseh-Werbemarkt sei entscheidend, befand das Gericht. "Das bestehende Duopol wird verstärkt. Wir halten das im Ergebnis für zutreffend", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Kühnen. Die Entscheidung des Gerichts soll am 20. Juni verkündet werden.

ARD und ZDF wollen unter dem Arbeitstitel "Germany's Gold" ebenfalls eine gemeinsame Plattform im Internet schaffen. Eine Vertreterin des Bundeskartellamts betonte, "Germany's Gold" sei zwar vorläufig freigegeben, stehe aber unter Vorbehalt: Die kartellrechtliche Prüfung der öffentlich-rechtlichen Pläne sei noch nicht abgeschlossen.

Privatsender: "Es kann nicht zu einer Verschlechterung kommen"

Das Marktvolumen für den Online-Werbemarkt im Internet wird auf 70 bis 220 Millionen Euro beziffert. Im Vergleich zu den Umsätzen im Fernsehen ist das bescheiden, doch das Online-Geschäft gilt als Zukunftsmarkt mit entsprechendem Wachstumspotential.

Die Anwälte der privaten Sendergruppen zeigten sich von der vorläufigen Rechtsauffassung des Gerichts enttäuscht: "Wir bleiben bei der Meinung: Das Duopol gibt es nicht", sagte ihr Verhandlungsführer. Zwischen beiden großen Sendergruppen herrsche scharfer Wettbewerb. Außerdem sei nicht ersichtlich, wieso eine gemeinsame technische Plattform für die kleineren Sender nachteilig sein sollte. Schließlich würden ihnen damit zusätzliche Umsätze ermöglicht. "Es kann nicht zu einer Verschlechterung kommen."

Unterstützung hatten die Privatsender von der staatlichen Medienaufsicht für den privaten Rundfunk bekommen. Die Landesanstalt für Medien NRW hatte das Kartellamts-Verbot offen kritisiert: Es spiele lediglich den US-Anbietern Hulu und Google in die Hände. Nach den Plänen von RTL und ProSiebenSat.1 sollte das Portal nach dem Vorbild des amerikanischen Anbieters Hulu entstehen. Dort bieten mehrere US-Fernsehsender Filme, Serien und Shows für den Nutzer kostenlos zum Abruf an.

ore/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
spendeblut 19.04.2012
Cool da bewegt sich endlich mal was im Internet. Serien werden kostenlos ohne Download angeboten und durch Werbung finanziert. Verwerter, Konsument und Urheber bekommen das was sie wollen und jetzt wird es verboten. Also so ganz will ich das jetzt nicht verstehen. Wenn man immer alles verbietet dann führt es dazu, dass man letztendlich andere Wege sucht...
2.
harry_buttle 19.04.2012
Zitat von spendeblutCool da bewegt sich endlich mal was im Internet. Serien werden kostenlos ohne Download angeboten und durch Werbung finanziert. Verwerter, Konsument und Urheber bekommen das was sie wollen und jetzt wird es verboten. Also so ganz will ich das jetzt nicht verstehen. Wenn man immer alles verbietet dann führt es dazu, dass man letztendlich andere Wege sucht...
Sie wollen es nicht nur nicht ganz verstehen, Sie _haben_ es nicht ganz verstanden. Nicht ein für den Konsumenten kostenfreies Angebot wurde verboten sondern eine von ProSiebenSateins und RTL dafür geplante gemeinsame Plattform.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Privatfernsehen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.